# taz.de -- Hasan und Hans beim Einbürgerungstest: Der Deutschmacher
       
       > Kollege Hasan geht heute in die Behörde, um seinen deutschen Pass klar zu
       > machen. Kollege Hans, der Deutsche, ist mitgekommen. Es war keine gute
       > Idee.
       
 (IMG) Bild: Mitsingen oder andächtig schweigen? Das ist hier die Frage
       
       Mein lieber Kumpel Hans, der beste Staplerfahrer von Halle 4, muss heute
       zur Ausländerbehörde. Nein, nein, man hat ihm nicht die deutsche
       Staatsbürgerschaft aberkannt, weil er durch seine vielen türkischen
       Kollegen mittlerweile zu einem Halbtürken mutiert ist. Hans fährt nur mit
       Hasan zu der Behörde, damit der endlich seinen Einbürgerungstest macht.
       
       „Ich fahre mit einem Kanacken dahin und komme dann mit einem Deutschen
       zurück. Ich bin ein Deutschmacher“, ruft Hans mit stolz geschwellter Brust.
       
       „Aber nur weil ich ein Chamäleon bin. Als Türke gehe ich hin und als
       Kartoffel komme ich zurück“, grinst Hasan schelmisch.
       
       Wir, die türkischen Mitarbeiter, verabschieden ihn vom Parkplatz mit der
       türkischen Nationalhymne, später werden ihn die deutschen Kollegen mit der
       deutschen Nationalhymne gebührend empfangen.
       
       „Ich weiß nicht, ob ich alle Strophen der deutschen Hymne sofort mitsingen
       kann. Ich glaube, [1][ich werde es wie Mesut Özil] damals machen. Werde
       bedächtig auf den Boden gucken und die Schnauze halten“, meint Hasan beim
       Abschied.
       
       Das war nicht gut! Das war gar nicht gut! Sofort entsteht in Halle 4 eine
       hitzige Debatte darüber, ob die türkischen Nationalspieler die deutsche
       Nationalhymne mitsingen oder lieber vornehm schweigen sollen. Nach
       elendlangen Diskussionen habe ich eine brillante Idee, wie der
       Bundestrainer dieses leidige Thema ein für alle Mal beenden kann:
       [2][„Hansi Flick sollte] die türkischen Nationalspieler erst fünf Minuten
       nach Spielbeginn aufs Feld schicken.“
       
       „Wie soll das denn gehen, wo doch mehr als die Hälfte der
       [3][Nationalmannschaft aus Migrantenkindern] besteht?“, wird mein Superidee
       sofort abgeschmettert.
       
       In dem Moment kommen auch schon unsere beiden deutschen Kollegen, ich
       meine, Hans und Hasan wieder zurück. Sofort stimmt die gesamte Halle 4 aus
       vollem Hals die deutsche Nationalhymne an: „Einigkeit und Recht und
       Freiheit …“
       
       „Hört auf, Jungs, hört bloß auf damit“, brüllt Hans total sauer.
       
       „Was ist denn los? Hat Hasan, dieser Versager, es doch nicht gepackt?“,
       fragen wir enttäuscht.
       
       „Alle Ausländer haben es geschafft“, stammelt Hans verzweifelt.
       
       „Wo ist dann das Problem?“, frage ich verwirrt.
       
       „Aber ich hab’s nicht geschafft! Ich bin kläglich durchgefallen“, jammert
       Hans mit hochrotem Kopf.
       
       „Was soll das denn heißen; du bist kläglich durchgefallen?“, fragt die
       ganze Halle 4 im Chor, wie aus einem Mund.
       
       „Damit Hasan den Lappen auch ganz sicher bekommt, habe ich bei der Behörde
       ein wenig rumgetrickst und saß an seiner Stelle in der Prüfung. Hätte ich
       das bloß nicht gemacht!“
       
       „Hans, das macht doch nichts, Kollege. Jetzt weiß ich ja, wie kinderleicht
       diese Fragen sind. Beim nächsten Mal habe ich den Pass ganz sicher in der
       Tasche“, tröstet ihn Hasan.
       
       „Hans, du musst jetzt sofort untertauchen“, lache ich mich schief. „Sonst
       wirst du mit Sicherheit abgeschoben!“
       
       29 May 2022
       
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