# taz.de -- Die Wahrheit: Der Gerd macht’s
       
       > Politbeben unter Putin-Freunden: Altkanzler Schröder übernimmt auf dem
       > nächsten Parteitag im Juni Vorsitz der Linken!
       
 (IMG) Bild: Obwohl seine Gattin So-yeon nicht begeistert ist, wird Gerhard Schröder die Aufgabe übernehmen
       
       Auch zwei Tage nach den ersten Gerüchten herrscht in Berlin weiter
       ungläubiges Kopfschütteln. Nicht nur im sozialdemokratischen
       Willy-Brandt-Haus, sondern überall im politischen Betrieb der Hauptstadt
       fragen die Menschen sich entgeistert, ob es sich um einen verspäteten
       Aprilscherz handele. Seit die Meldungen sich verdichten, dass die Linke
       Gerhard Schröder auf ihrem Parteitag im Juni als neuen Vorsitzenden
       nominieren will, kennt tout Berlin kein anderes Thema mehr.
       
       Der Wahrheit ist es gelungen, mit einem Informanten zu sprechen, der anonym
       bleiben will, sich aber als „engen Vertrauten“ des Altkanzlers bezeichnet.
       Der Whistleblower wundert sich eher über die Aufregung als über das
       „Projekt Gerd“, wie der Plan in der Linkspartei unter Insidern genannt
       werde. Er nennt es einen „Coup wie aus dem politischen Lehrbuch“ und gibt
       sich äußerlich gelassen. Mehrere Gründe sprächen doch glasklar dafür – und
       der dringende Handlungsbedarf sei offensichtlich.
       
       „Haben Sie neulich den Landesparteitag der Linken in Meck-Pomm verfolgt? Da
       wurde bekanntgegeben, dass es noch nie so viele Austritte an einem Tag
       gegeben habe wie an dem, als die Parteiführung sich von Putins
       militärischer Spezialoperation gegen das Nazi-Regime der Ukraine
       distanzierte. Das ist doch eine Tragödie! Dieser Aderlass der verdienten
       Parteikader muss endlich aufhören!“ Die traditionelle Nähe zum Kreml mache
       die Linkspartei und insbesondere ihre östlichen Landesverbände und deren
       ältere Mitglieder zur natürlichen politischen Heimat des Gazprom-Manns aus
       Hannover – und ihn zu ihrem idealen Führer.
       
       Und damit kommt er zum zweiten Punkt: „Genau diese alten,
       traditionsbewussten Mitglieder können doch nichts anfangen mit dem ganzen
       Gender- und Klima-Gequatsche. Was die sich von dem Gerd erwarten, ist ein
       klares ‚Basta mit Gedöns!‘ Keine Quotierungsdebatten mehr, keine Tucken-
       und Zickenpolitik – jetzt ist Männerführung gefragt.“
       
       ## Angebot von der AfD
       
       Gab es noch mehr Gründe? Mithilfe einiger Gläser Wodka können wir dem
       Informanten eine weitere Sensation entlocken. Fast beiläufig plaudert er
       sie aus: Auch die AfD habe Schröder ein Angebot gemacht.
       
       „Politisch nahmen die beiden Optionen sich ja nicht viel“, räsoniert der
       Mann mit Kennermiene. „Aber am Ende hat natürlich der L-Faktor
       entschieden.“ Der L-Faktor? „Lafontaine. Durch seinen Austritt hat er den
       Weg erst freigemacht – und zugleich den Anreiz für den Gerd massiv erhöht.
       Wenn er es schafft, die von Oskar aufgegebene Partei wieder hochzubringen,
       dann geht ihm echt einer ab.“
       
       Trotz des leichten Lallens und der etwas schlüpfrigen Wendung des
       Hintergrundgesprächs wollen wir die kostbare Quelle noch nicht aus den
       Fingern lassen. Apropos den Weg freimachen: War es nicht ein Glück für
       Schröder, dass Susanne Hennig-Wellsow genau jetzt, vor dem Parteitag,
       zurückgetreten ist? „Ach Quatsch! Die hat doch hingeschmissen, weil sie von
       den Plänen gehört hat. Auf Gerds ‚toxische Männlichkeit‘ habe sie ‚keinen
       Bock‘, soll sie in der Karl-Liebknecht-Kantine krakeelt haben.“
       
       Und nun? Plant Gerhard Schröder eine Doppelspitze, oder will er allein oben
       stehen? „Klare Antwort: Entweder allein oder im Team mit Sahra.“ Der
       Alkohol sorgt dafür, dass nicht ganz klar wird, ob er „im Team“ gesagt hat
       oder „intim“. Zuzutrauen wäre ihm beides.
       
       ## Witze über Blaubart
       
       Und mit Sahra ist offenbar Sahra Wagenknecht gemeint. Der Hauptstadtklatsch
       amüsiere sich, so kichert er, doch schon über Witze à la „Blaubarts achte
       Frau“, auch wenn Sahra erst die sechste Frau Schröder wäre.
       
       So soll Schröders aktuelle Gattin So-yeon Schröder-Kim jedenfalls gar nicht
       amused sein über die neue „politische“ Nähe ihres Gerd zur „schönen Sahra“.
       Und dass er Oskar Lafontaine damit in einem weiteren Schwanzvergleich
       besiegen könnte, spreche doch eher für die Doppelspitze als dagegen, so der
       Informant.
       
       Nun wird es endgültig unappetitlich. Und angesichts des inzwischen schon
       arg derangierten Herrn uns gegenüber kommen uns erste Zweifel, ob wir einem
       Betrüger aufgesessen sind. Ist an der Sache womöglich gar nichts dran? Wir
       sind kurz davor, die Story in die Tonne zu treten. Aber da zeigt der
       Nachrichtensender ntv die ersten Live-Bilder aus der Berliner SPD-Zentrale,
       in der mitten am Tag alle Jalousien heruntergelassen werden. Jetzt wissen
       wir: Es stimmt. Alles.
       
       26 Apr 2022
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Oliver Domzalski
       
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