# taz.de -- Manchester-City-Torjäger Kevin De Bruyne: Auf einem anderen Level
       
       > Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne zeigt bei Manchester City
       > Torjägerqualitäten. Seine gute Verfassung könnte gegen Real Madrid
       > ausschlaggebend sein.
       
 (IMG) Bild: In bedrängter Lage: Kevin de Bruyne beim Schussversuch gegen Brighton und Hove Albion
       
       Manchester taz | Vom guten Auftritt Kevin De Bruynes nahm kaum einer Notiz.
       Die Schlagzeilen der „back pages“, der Sportseiten am hinteren Ende der
       englischen Zeitungen, gehörten Gabriel Jesus nach Manchester Citys
       5:1-Erfolg am Wochenende gegen den FC Watford. Der Angreifer hatte es mit
       vier Toren fast alleine zu verantworten, dass Englands Meister und
       Tabellenführer den Vorsprung von einem Punkt auf Verfolger FC Liverpool
       wahrte und eine gelungene Generalprobe für das Halbfinal-Hinspiel der
       [1][Champions League an diesem Dienstag gegen Real Madrid] feierte.
       
       Über De Bruyne wurden keine Titelzeilen gedichtet, dabei hatte auch er
       einen nicht geringen Beitrag zum klaren Erfolg geleistet. Er bereitete zwei
       Jesus-Treffer vor, das erste davon per zielgenauer Flanke von der rechten
       Seite, das zweite mit eine hübschen Doppelpass. Nach einer knappen Stunde
       wurde De Bruyne ausgewechselt. „Auch wenn man es ihm nicht ansieht, er
       spielt mit einigen störenden Wehwehchen im Knöchel, wegen der Tritte, die
       er abbekommt“, sagte Trainer Pep Guardiola.
       
       De Bruyne, 30, wird noch dringend gebraucht bei Manchester City in der
       Schlussphase der Saison, in der die Mannschaft die englische Meisterschaft
       gegen Liverpool verteidigen muss und den lang ersehnten ersten Erfolg der
       Vereinsgeschichte in der Champions League anstrebt. Der ehemalige Bremer
       und Wolfsburger befindet sich in überragender Form und ist ein
       Schlüsselspieler in der vor allem in der Offensive [2][luxuriös
       ausgestatteten Guardiola-Auswahl].
       
       In der Premier League steht De Bruyne seit Jahreswechsel bei sechs Toren,
       unter anderem traf er doppelt gegen den abgestürzten Stadtrivalen
       Manchester United und schoss ein Tor beim wilden 2:2 im Topspiel gegen
       Liverpool vor zweieinhalb Wochen. In der Champions League bedeutete sein
       Treffer den Unterschied in der umkämpften Angelegenheit gegen Atlético
       Madrid im Viertelfinale. Er traf zum 1:0-Siegtreffer im Hinspiel, das
       Rückspiel endete torlos.
       
       ## Rat von Trainer Guardiola
       
       Es ist neu, dass De Bruyne (auch) an Toren gemessen wird, denn eigentlich
       gilt er als König der Vorbereiter. In der Saison 2019/2020 stellte er
       Thierry Henrys Rekord für die meisten Vorlagen in einer Spielzeit (20) in
       der Premier League ein. Allerdings hat Manchester City keinen klassischen
       Torjäger. Das erklärt das große Interesse an [3][Erling Haaland von
       Borussia Dortmund]. Im himmelblauen Ensemble müssen alle Offensivspieler
       auch im Abschluss stark sein. Auf Anraten seines Trainers hat De Bruyne in
       dieser Disziplin an sich gearbeitet: „Ich mag, dass er ein Spieler ist, der
       nicht nur viele Vorlagen gibt, sondern auch oft trifft. Ich habe ihm
       gesagt, dass er mehr Tore schießen muss, um ein anderes Level zu
       erreichen“, berichtete Guardiola nach dem Liverpool-Spiel.
       
       Im Mittelpunkt sorgenvoller Debatten steht immer wieder De Bruynes
       Gesundheitszustand. Bei der 0:1-Niederlage im Finale der Champions League
       gegen den FC Chelsea im vergangenen Jahr krachte er mit Antonio Rüdiger
       zusammen und erlitt einen Nasenbein- und Augenhöhlen-Bruch. Unter Tränen
       musste er in der 48. Minute ausgewechselt werden und konnte sich an die
       Partie hinterher nicht erinnern. Bei der Europameisterschaft vergangenes
       Jahr verletzte er sich in Belgiens Achtelfinale gegen Portugal am Knöchel
       und ließ sich für das Viertelfinale gegen Italien fit spritzen – ein
       Fehler, wie De Bruyne später gestand. Der Start in die neue Saison lief
       dementsprechend schwierig. Im November infizierte er sich zudem noch mit
       dem Coronavirus.
       
       Es gab schon Befürchtungen, De Bruyne, der 2015 für die damalige
       Bundesliga-Rekordsumme von 75 Millionen Euro aus Wolfsburg kam, hätte seine
       beste Zeit in Manchester hinter sich. Doch seit Anfang des Jahres ist er in
       herausragender Verfassung. „Er ist ein besonderer Spieler und Mensch. Wenn
       er fit und mental glücklich ist und sein Potenzial ausschöpfen kann, ist er
       auf dieser Position nicht zu stoppen“, sagt Trainer Guardiola.
       
       Bei der Wahl zum Fußballer des Jahres in England macht De Bruyne plötzlich
       wieder Mohamed Salah vom FC Liverpool Konkurrenz, der lange als klarer
       Favorit für die Ehrung galt. Wichtiger als persönliche Trophäen sind De
       Bruyne aber Titel mit Manchester City. Seinen Beitrag dazu will er gleich
       am Dienstag gegen Real Madrid leisten. Falls er seine größere
       Treffsicherheit unter Beweis stellen kann, gehören ihm auch wieder die
       großen Schlagzeilen.
       
       26 Apr 2022
       
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 (DIR) Hendrik Buchheister
       
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