# taz.de -- Rohstoffgewinnung in Schweden: Eisenerzabbau im Weltnaturerbe
       
       > Die Regierung in Stockholm ignoriert die Appelle von Natur- und
       > Menschenrechtsorganisationen und genehmigt eine umstrittene
       > Eisenerzgrube.
       
 (IMG) Bild: Klimaaktivistin Greta Thunberg während einer Protestaktion in Jokkmokk im Februar 2022
       
       Stockholm taz | Die Proteste von Greta Thunberg halfen ebenso wenig wie die
       Appelle von Amnesty International, dem UNHCR, Greenpeace und anderen
       Umweltschutzorganisationen. Am Dienstag hat Schwedens sozialdemokratische
       Regierung Gállok, [1][ein höchst umstrittenes Projekt für einen
       Eisenerztagebau, in der lappländischen Wildnis nahe dem Ort Jokkmokk
       genehmigt].
       
       Wirtschaftsminister Karl-Petter Thorwaldsson begründete die Zustimmung mit
       „fundamentalem Reichsinteresse“ und der Hoffnung auf positive Auswirkungen
       für die regionale Wirtschaft. Er ging aber auch auf die Warnungen der
       Unesco ein, ein Ja zu den Grubenplänen [2][könne die Einstufung der
       dortigen Region „Laponia“ als „Weltnatur-“ und „Weltkulturerbe“ gefährden],
       zu deren Schutz Schweden sich verpflichtet hat.
       
       Man habe die Genehmigung von 12 Bedingungen abhängig gemacht, an die sich
       der Betreiber halten müsse. Die zielen im wesentlichen darauf ab, Eingriffe
       in die Natur so gering wie möglich zu halten und die Samen, die dort
       Rentierzucht betreiben, für Schäden und höhere Kosten zu entschädigen.
       
       Die fraglichen Auflagen seien unzureichend und bewiesen lediglich, dass ein
       solcher Grubenbetrieb unvereinbar mit dem Schutz der Natur sei, reagierte
       Jenny Wik Karlsson, Juristin beim Reichsverband der schwedischen Samen, auf
       den Regierungsbeschluss.
       
       ## Ein „neues Kapitel der Kolonisation“
       
       Typisch sei, dass Thorwaldsson die Rechte der Samen gar nicht erwähnt habe:
       „Die Regierung macht es wie immer und negiert einfach, dass Schweden eine
       Urbevölkerung mit eigenen Rechten hat.“ May-Britt Öhman, Dozentin für
       Umweltgeschichte an der Universität Uppsala, sprach von einem „neuen
       Kapitel der Kolonisation der Samen durch den schwedischen Staat“.
       
       Die Regierung in Stockholm habe mit diesem Schritt ihre „kurzsichtige,
       rassistische, koloniale und naturfeindliche Haltung bekräftigt“, twitterte
       Greta Thunberg, die sich zusammen mit Fridays-for-Future-AktivistInnen aus
       mehreren Ländern gegen die Pläne engagiert hatte. Wir „bedauern den
       Beschluss zutiefst“, heißt es in einer Erklärung von Amnesty International,
       und die Grünen-Vorsitzende Märta Stenevi sprach von einer „Tragödie für die
       Rechte der Samen, die Natur und künftige Generationen“: Es sei
       „unglaublich“, all dies den kurzfristigen Profitinteressen der
       Grubenbranche zu opfern.
       
       Tatsächlich sind die Förderabgaben im Vergleich zu Minenländern wie
       Australien, Kanada oder Brasilien für internationale Grubenkonzerne sehr
       niedrig. Werden dort meist zwischen 3 und 7 Prozent an Royalities fällig,
       gibt sich der Staat in Schweden mit 0,5 Promille des Mineralienwerts
       zufrieden. Die GegnerInnen des Gállok-Projekts haben bereits angekündigt,
       dass sie den Beschluss der schwedischen Regierung nicht einfach akzeptieren
       werden. „Wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass es diese Grube nicht
       geben wird“, sagt Jan Erik Länta, der Vorsitzende der betroffenen
       Samengemeinde Jåhkågasska Tjiellde.
       
       23 Mar 2022
       
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