# taz.de -- Verfahren gegen Wikileaks-Gründer: Doch keine Berufung für Assange
       
       > Der Wikileaks-Gründer darf doch nicht vor höchstem britischen Gericht
       > gegen Auslieferung in die USA klagen. Ein weiterer Einspruch ist jedoch
       > möglich.
       
 (IMG) Bild: Assanges Verlobte und baldige Ehefrau Stella Morris auf einer Demo im Januar 2022 in London
       
       London dpa | Der inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange darf im
       Rechtsstreit um seine Auslieferung in die USA doch nicht vor das höchste
       britische Gericht ziehen. Der Supreme Court in London teilte am Montag der
       britischen Nachrichtenagentur PA zufolge mit, den Antrag von Assanges
       Anwälten abgelehnt zu haben – mit der Begründung, es gebe keine
       ausreichenden Rechtsgründe dafür. Eine mögliche Auslieferung in die USA ist
       damit wahrscheinlicher geworden.
       
       Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dem
       gebürtigen Australier drohen dort bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre
       Haft. Vorgeworfen wird ihm, gemeinsam mit der [1][Whistleblowerin Chelsea
       Manning] geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in
       Afghanistan gestohlen und veröffentlicht und damit das Leben von
       US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben.
       
       [2][Seine Unterstützer] sehen in ihm dagegen einen investigativen
       Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht habe und an dem nun
       ein Exempel statuiert werden solle. Der 50-Jährige sitzt seit rund drei
       Jahren im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in Haft.
       
       Ein britisches Gericht hatte die Auslieferung mit Blick auf die psychische
       Gesundheit Assanges Anfang 2021 in erster Instanz untersagt. Die zu
       erwartenden Haftbedingungen würden den psychisch labilen Assange sonst in
       den Suizid treiben, argumentierte die Richterin damals. Ansonsten befand
       sie das Auslieferungsersuchen als gerechtfertigt.
       
       ## Supreme Court revidiert Entscheidung von High Court
       
       Im Berufungsverfahren legte Washington dann Zusicherungen über eine humane
       Behandlung Assanges in US-Gefängnissen vor – und war damit Ende des
       vergangenen Jahres erfolgreich: Der High Court gab grünes Licht für die
       Auslieferung. Diese Entscheidung wollte Assange vom Supreme Court
       überprüfen lassen, [3][was zumindest der High Court auch zuließ], das
       höchste Gericht nun aber ablehnte.
       
       Das juristische Tauziehen durch die britischen Instanzen zieht sich bereits
       seit Langem hin. Im Fall einer endgültigen Niederlage Assanges vor Gericht
       müsste das britische Innenministerium über eine Auslieferung in die USA
       entscheiden.
       
       Dieser Schritt dürfte mit der jüngsten Entscheidung ein Stück näher gerückt
       sein. Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte eine Stellungnahme
       von Assanges Anwälten, in der diese darlegen, welchen Verlauf sie nun
       erwarten. Der Fall wird demnach zurück an den Westminster Magistrates'
       Court verwiesen, der als erstes in dem Fall geurteilt hatte. Dieser werde
       die Entscheidung über die Auslieferung voraussichtlich an das
       Innenministerium verweisen, hieß es. Dort könnten die Verteidiger nach
       eigenen Aussagen noch ihre Sicht der Dinge einbringen. Auch weiterer
       Einspruch sei möglich.
       
       Die Organisation Reporter Ohne Grenzen bedauerte die Entscheidung des
       Supreme Courts und die Tatsache, dass der Fall Assange nach dem
       juristischen Tauziehen nun eine „politische Entscheidung“ werde.
       
       ## Nächste Woche Heirat im Gefängnis geplant
       
       „Wir fordern das Innenministerium auf, im Sinne von Journalismus und
       Pressefreiheit zu handeln und die Auslieferung von Assange abzulehnen und
       ihn ohne weitere Verzögerung aus dem Gefängnis freizulassen“, sagte die
       Londoner Sprecherin der Organisation, Rebecca Vincent.
       
       Am 23. März will Assange seine Verlobte Stella Moris im
       Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh heiraten. Die beiden gemeinsamen Söhne
       sollen bei der Zeremonie dabei sein.
       
       15 Mar 2022
       
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