# taz.de -- Nachruf auf Schauspieler William Hurt: Ein Blick, der verzauberte
       
       > Schauspieler William Hurt schob im US-Kino einen Wandel des Männerbildes
       > an – hin zum Sensiblen. Kurz vor seinem 72. Geburtstag ist er nun
       > gestorben.
       
 (IMG) Bild: Mischung aus Empfindsamkeit und Männlichkeit: Schauspieler William Hurt (1950-2022)
       
       Wahrscheinlich gibt es einige Frauen im Alter von 60 Jahren plus, die sich
       an eine jugendliche Schwärmerei erinnern: William Hurt. In den 80er Jahren
       faszinierte der Hollywood-Schauspieler und Oscar-Preisträger mit seinem
       Blick, dieser Mischung aus Empfindsamkeit und Männlichkeit, die neu war und
       einige Macho-Kollegen im Gegenzug fast trampelig wirken ließ.
       
       Man erinnert sich an die Szene in „Body Heat“ (1981, von Lawrence Kasdan),
       als Hurt draußen im Garten steht, drinnen befindet sich Kathleen Turner,
       die ihn auffordernd ansieht. Hurt schaut irritiert, nimmt dann einen
       Gartenstuhl und schlägt die Glastür ein, die beiden stürzen sich
       aufeinander … In „Gottes vergessene Kinder“ (von Randa Haines, 1986) spielt
       Hurt einen Lehrer an einer Gehörlosenschule, der sich in die
       temperamentvolle Sarah verliebt, gespielt von der tatsächlich tauben
       Schauspielerin Marlee Matlin. Hurt lernte für die Rolle die
       Gebärdensprache. In einer Szene taucht er in einen Pool, um sich in die
       Weltwahrnehmung seiner gehörlosen Geliebten einzufühlen.
       
       Einen Oscar bekam Hurt für seine Rolle als homosexueller Häftling, einen
       sensiblen und auch schwierigen Mann, in der „Kuss der Spinnenfrau“ im Jahre
       1985.
       
       Im wirklichen Leben kämpfte Hurt, der eine Schauspielerausbildung an der
       Juillard School absolviert hatte, lange Zeit mit seiner Alkoholsucht.
       Marlee Matlin, mit der er privat zwei Jahre zusammenlebte, berichtete
       später von Tätlichkeiten, sogar einer Vergewaltigung in der Beziehung.
       
       In den 90er Jahren bekam Hurt kleinere Rollen, arbeitete auch für das
       Fernsehen und kehrte zum Theater zurück. Sein überragendes Talent und die
       sonore Stimme blieben in Rollen in „Hulk“, „Too Big to Fail“ und der
       Filmreihe „Avengers“ erhalten. Hurt, zweimal geschieden, Vater von vier
       Kindern, starb kurz vor seinem 72. Geburtstag am 13. März in Portland,
       Oregon, an den Folgen einer Krebserkrankung.
       
       14 Mar 2022
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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