# taz.de -- Bundesparteitag der Grünen: Die Basis zeigt ein bisschen Zähne
       
       > Der Grünen-Parteitag erhöht die Hürden für die Mitgliederbeteiligung.
       > Dabei bleibt er aber weit unter der Forderung des Vorstands.
       
 (IMG) Bild: Robert Habeck warb für die Erhöhung des Quorums
       
       Berlin dpa/taz | Für Anträge zu [1][Grünen-Parteitagen] müssen sich künftig
       mehr Mitglieder zusammenfinden als bisher. In Zukunft braucht es dafür
       mindestens 50 Parteimitglieder. Bislang genügten für die Stellung eines
       Parteitagsantrags 20 Mitglieder. Rund drei Viertel der Delegierten
       votierten beim Online-Parteitag am Samstag für die Satzungsänderung.
       
       Eine Erhöhung des Quorums hatte sich [2][der Bundesvorstand] gewünscht. Er
       wollte ursprünglich aber eine weitaus höhere Hürde durchsetzen und ist
       damit gescheitert: Die Delegierten lehnten es ab, das Quorum auf 0,1
       Prozent der Mitglieder zu setzen, was aktuell etwa 125 Unterschriften
       entspräche. Auch das Vorhaben des Vorstands, das Antragsrecht von
       Ortsverbänden zu streichen, ging nicht durch. Es erhielt zwar eine
       Mehrheit, blieb aber unter der nötigen Zwei-Drittel-Hürde.
       
       Einige Mitglieder empfanden das Ansinnen als Frontalangriff auf die
       Basisdemokratie. Eine zu starke Erhöhung schwäche die „kleinen lokalen
       Basismitglieder“, sagte auf dem Parteitag Hannah Heller, Grünen-Mitglied
       aus Speyer. Mehrere Basisgrüne wiesen in der Debatte darauf hin, dass die
       Vorstandsvorhaben vor allem die Beteiligungsmöglichkeiten von Grünen auf
       dem Land beschneiden würden, da die Vernetzungsmöglichkeiten dort kleiner
       seien.
       
       Nach Einschätzung derjenigen, die sich bei den zurückliegenden Parteitagen
       bemüht hatten, die vielen Anträge zu bündeln, verschafft eine Erhöhung der
       Hürden dagegen mehr Raum für die wirklich wichtigen Debatten. [3][Der
       scheidende Parteichef Robert Habeck warb für die Erhöhung des Quorums.]
       Diese erhöhe die Relevanz von Anträgen und stärke damit die
       Basisdemokratie, sagte er. „Die Partei, der Parteitag, weiß genauer,
       worüber er debattiert und abstimmt, und nicht alles verschwimmt im grauen
       Kuddelmuddel.“
       
       ## Basisdemokratie oder Scheinbeteiligung?
       
       Der Bundesvorstand hatte bereits mehrfach versucht, das Quorum zu erhöhen.
       Die bisherige Regelung stamme aus der ersten Satzung von 1980 und habe mit
       dem Wachstum der Partei nicht Schritt gehalten, hatte der Vorstand
       argumentiert. „Damals hatten wir knapp über 20.000 Mitglieder, jetzt über
       125.000.“
       
       Hintergrund waren zuletzt Erfahrungen beim Parteitag im Juni, vor dem die
       Parteiführung damit beschäftigt war, Kompromisslösungen für zunächst mehr
       als 3.300 Änderungsanträge zum Bundestagswahlprogramm zu finden. Bei den
       Grünen gilt diese Überlastung als einer der Gründe für Fehler im Wahlkampf.
       Die scheidende Parteichefin Annalena Baerbock rief den Online-Delegierten
       zu: „Das ist keine Basisdemokratie, sondern das ist Scheinbeteiligung.“
       
       29 Jan 2022
       
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