# taz.de -- Interpol in der Kritik: Im Dienst von Autokraten
       
       > Serbien liefert einen bahrainischen Oppositionellen in den Golfstaat aus.
       > Weder Belgrad noch Interpol haben den Haftbefehl ausreichend geprüft.
       
 (IMG) Bild: Interpol Logo auf einem Fußboden
       
       Wieder bekleckert sich die internationale Strafverfolgung nicht mit Ruhm.
       Als letztes Jahr [1][ein wegen Foltervorwürfen umstrittener Generalmajor
       aus den Arabischen Emiraten Präsident von Interpol wurde], warnten
       Beobachter*innen, dass Autokraten die Polizeiorganisation zunehmend
       missbrauchen, um Dissident*innen zu verfolgen. Auch wenn es einen
       direkten Zusammenhang mit dem neuen Präsidenten wohl nicht gibt, ist genau
       dies jetzt eingetreten: [2][Wegen eines Interpol-Haftbefehls hat Serbien
       den Dissidenten Ahmed Jaafar Mohamed Ali festgenommen und nach Bahrain
       ausgeliefert.]
       
       Zugegeben: Interpol hat es schwer. In der Organisation arbeiten nicht nur
       Strafverfolgungsbehörden rechtsstaatlicher Länder zusammen; auch Länder mit
       ausgeprägtem Hang zur Verfolgung politischer Gegner sind Mitglied. Zwar
       werden die Haftbefehle, die Interpol verbreitet, geprüft, bevor ein Staat
       jemanden ausliefert. In Deutschland etwa macht dies das BKA. Doch das
       System scheint ob der Masse an Ersuchen nicht immer zu funktionieren.
       
       Dass Serbien Ali nun ausgeliefert hat, ist bemerkenswert, da der
       Europäische Gerichtshof für Menschenrechte um eine Verschiebung gebeten
       hatte. Die serbischen Behörden kümmerte das aber nicht. In diesem Fall ist
       also weniger Interpol, sondern vor allem Belgrad ein Vorwurf zu machen.
       
       Aber auch Interpol hat Reformbedarf. Ein Anfang wäre gemacht, wenn dem
       zunehmenden Einfluss der Emirate Einhalt geboten werden würde. Das Problem
       fängt schon bei der Finanzierung an: Der Golfstaat, der wie kein anderer
       seit dem Arabischen Frühling seinen internationalen Einfluss ausgebaut hat,
       ist der größte Geldgeber von Interpol.
       
       In Deutschland haben Experten [3][kritisiert], dass sich nur Linke und
       Grüne für den Missbrauch von Interpol interessieren. Jetzt regieren die
       Grünen. Es ist Zeit, die Interpol-Schutzmechanismen auf den Prüfstand zu
       stellen, volle Transparenz in die Finanzierung zu bringen und den Druck auf
       die Organisation so zu erhöhen, dass der Laden grundlegend reformiert wird.
       
       26 Jan 2022
       
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