# taz.de -- Sawsan Chebli erstreitet Schmerzensgeld: Klagen bis zum neuen Normal
       
       > Die wenigsten erstatten Anzeige, nachdem sie sexistisch beleidigt werden.
       > Umso wichtiger, dass Prominente vor Gericht ziehen.
       
 (IMG) Bild: Immer wieder wehrt sie sich öffentlich gegen Sexist:innen und Rassist:innen: Sawsan Chebli
       
       Und noch ein Erfolg für Sawsan Chebli! Der Verleger der neurechten
       Plattform Tichys Einblick, Roland Tichy, muss der SPD-Politikerin
       [1][10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen]. Grund dafür ist eine sexistische
       Formulierung in einer Kolumne, die im September 2020 in seinem Magazin
       veröffentlicht wurde. Laut Cheblis Anwalt Christian Schertz begründete das
       Landgericht Berlin sein Urteil damit, dass es sich bei den Äußerungen um
       eine Verletzung der Menschenwürde und eine schwere
       Persönlichkeitsrechtsverletzung handele.
       
       Und das ist nicht der erste Erfolg von Chebli. Kurz nach Erscheinen der
       Kolumne hatten sich zahlreiche Menschen mit ihr solidarisch gezeigt. Die
       CSU-Politikerin Dorothee Bär beispielsweise [2][kündigte ihre
       Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung], deren Vorsitzender Tichy zu
       diesem Zeitpunkt war. Nach zunehmender Kritik legte er den Posten nieder.
       Zudem erwirkte Chebli eine einstweilige Verfügung gegen Tichy. Nachdem nun
       das Urteil am Dienstag bekannt wurde, twitterte Chebli: „Ich habe geklagt,
       weil es mir wichtig war, klarzumachen, dass Sexismus niemals Normalität
       sein darf und er nicht ohne Konsequenzen bleibt!“
       
       Doch das Problem ist: Konsequenzen für die Täter:innen bleiben bislang
       meistens noch aus. Denn nur die wenigsten erstatten Anzeige. Zu „normal“
       ist dieser Sexismus in unserer Gesellschaft dann doch noch, zu viel
       Ressourcen kostet der juristische Weg, zu niedrig sind die Erfolgschancen.
       
       Medienwirksame Fälle wie der von Renate Künast die trotz wirklich übler
       sexistischer Beleidigungen durch mehrere Instanzen gehen musste, [3][um
       dann auch nur einen Teilerfolg zu erlangen], verstärken dieses Gefühl der
       Betroffenen und können schnell entmutigen.
       
       Dass ein Gericht die sexistischen Beleidigungen gegenüber Chebli nun nicht
       von der Meinungsfreiheit gedeckt sieht, sondern als Verletzung der
       Menschenwürde, ist enorm wichtig und kann eine Signalwirkung haben. Dass
       nun viele Sexist:innen so verschreckt sind, dass sie künftig auf
       misogyne Beleidigungen verzichten, ist leider unwahrscheinlich. Doch das
       hartnäckige Dranbleiben von Prominenten – wie auch das der Klimaaktivistin
       [4][Luisa Neubauer, die den Autor Akif Pirinçci wegen einer sexistischen
       Beleidigung] erfolgreich auf eine Entschädigung von 6.000 Euro verklagte –,
       kann hoffentlich Vorbildcharakter für viele Betroffene haben.
       
       Damit Konsequenzen für die Täter:innen bald das neue Normal sind.
       
       5 Jan 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gerichtsurteil-gegen-Roland-Tichy/!5826577
 (DIR) [2] /Dorothee-Baer-gegen-Rechtspopulist-Tichy/!5714272
 (DIR) [3] /Kuenast-Urteil-teilweise-revidiert/!5658870
 (DIR) [4] https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/justiz/id_91259368/akif-pirincci-muss-entschaedigung-an-luisa-neubauer-zahlen.html
       
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 (DIR) Carolina Schwarz
       
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