# taz.de -- Ermittlungen gegen Pflegehelferin: Gefährliche Impfpass-Fälschungen
       
       > In einem Pflegeheim in Hildesheim gab es einen Corona-Ausbruch mit drei
       > Toten. Nun wird gegen eine Angestellte mit gefälschtem Impfpass
       > ermittelt.
       
 (IMG) Bild: Auch in Neumünster haben Klinikmitarbeiter gefälschte Impfpässe vorgelegt
       
       Hannover taz | Erst ab März 2022 gilt die vom Bundestag beschlossene
       [1][Impfpflicht für Gesundheitsberufe]. Doch schon jetzt häufen sich die
       Fälle, in denen Mitarbeiter*innen mit gefälschten Impfzertifikaten
       auffliegen.
       
       Ein besonders heftiger Fall ist nun aus Hildesheim bekannt geworden. Dort
       ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil eine Impfgegnerin möglicherweise für
       einen Corona-Ausbruch im Pflegeheim mit bisher 16 Infizierten und drei
       Toten verantwortlich sein könnte.
       
       Die 44-jährige Mitarbeiterin eines privaten Pflegeheims hat ihrem
       Arbeitgeber einen gefälschten Impfpass vorgelegt, wie die [2][Hildesheimer
       Allgemeine Zeitung (HAZ) zuerst berichtete]. Obwohl ihr Mann und ihr Kind
       an Corona erkrankt waren, soll sie als direkte Kontaktperson zunächst
       weiter zur Arbeit gegangen sein – und das der Heimleitung auch mitgeteilt
       haben. Die wiegte sich wohl zunächst in Sicherheit, weil die Frau
       symptomfrei war und angeblich ja auch doppelt geimpft.
       
       Erst als die Mitarbeiterin sich Ende November dann doch krank meldete und
       in Quarantäne ging, nahm die Heimleitung [3][den Impfpass genauer unter die
       Lupe]. Immerhin hatte sich die Frau vorher immer als Impfskeptikerin
       geäußert – bis sie Mitte Oktober dann plötzlich doch einen Impfpass
       vorlegte.
       
       Sie habe sich noch über den Sinneswandel gefreut, sagte die
       stellvertretende Heimleiterin der HAZ. Immerhin war die Frau, die seit vier
       Jahren als Alltagsbegleiterin in dem Heim arbeitete, sowohl bei den
       Kolleg*innen als auch bei den Bewohner*innen sehr beliebt.
       
       ## Heimleitung überprüfte den Impfpass
       
       Der Impfpass habe bei näherem Hinsehen aber verdächtig neu ausgesehen.
       Weitere Recherchen ergaben dann, dass die Chargen-Nummer des Impfstoffs und
       die Unterschrift aus dem Impfzentrum nicht stimmen konnten.
       
       Als der Heimleiter und seine Stellvertreterin die Mitarbeiterin telefonisch
       damit konfrontierten, habe sie gestanden. Er habe ihr daraufhin fristlos
       gekündigt und Anzeige erstattet, erklärte der Einrichtungsleiter Michael
       Ossenkopp am Samstag gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).
       
       Fast zeitgleich bestätigte das Gesundheitsamt die ersten Corona-Fälle in
       dem Heim. Aktuell steht ein Wohnbereich mit 54 Plätzen unter Quarantäne.
       Insgesamt hat die Einrichtung 124 Plätze.
       
       Weil der zeitliche Zusammenhang in diesem Fall so eng ist, ermittelt die
       Staatsanwaltschaft nun wegen Körperverletzung und möglicherweise sogar
       Totschlag. Unklar ist, wie lange diese Ermittlungen dauern werden und ob es
       gelingen kann, die Infektionskette nachzuweisen.
       
       Dem Heim werde jedenfalls kein Vorwurf gemacht, erklärte die Sprecherin der
       Staatsanwaltschaft, Christina Wotschke. Die Tatverdächtige habe den Vorwurf
       eingeräumt, einen gefälschten Impfpass benutzt zu haben. Mit den
       Infektionen will sie jedoch nichts zu tun haben.
       
       ## In Neumünster gab es zwei ähnliche Fälle
       
       Auch im [4][schleswig-holsteinischen Neumünster ermittelt die
       Staatsanwaltschaft]. Hier soll ein Arzt, der auf der Kinderstation des
       Friedrich-Ebert-Klinikums arbeitete, ein gefälschtes Impfzertifikat
       vorgelegt haben. Er ging trotz Erkältungssymptomen zur Arbeit, steckte
       möglicherweise einen Kollegen an, bisher aber wohl keine Patient*innen.
       
       Die Klinik erstattete Anzeige. Schon vor ein paar Wochen war dort ein
       Mitarbeiter mit einem gefälschten Impfpass aufgeflogen – der zeigte sich
       selbst an. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte der Arzt nicht nur
       strafrechtlich belangt werden, sondern auch seine Approbation verlieren.
       
       Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz, forderte am
       Wochenende gegenüber der dpa ein zentrales Impfregister für
       Gesundheitsberufe. „Wer seine Impfnachweise fälscht, handelt feige und
       unverantwortlich“, sagte er. „Gerade pflegebedürftige und kranke Menschen
       müssen darauf vertrauen können, dass die Zertifikate des Personals echt
       sind.“ Deutschland mache es Fälscher:innen noch zu leicht.
       
       23 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Impfpflicht-in-Gesundheitsberufen/!5821531
 (DIR) [2] https://www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/corona-ausbruch-und-ermittlungen-gegen-mitarbeiterin-was-das-fuehrungsduo-des-hildesheimer-altenheims-zu-dem-fall-sagt.html
 (DIR) [3] /Gefaelschte-Impfnachweise/!5816486
 (DIR) [4] https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/coronavirus/Neumuenster-Arzt-soll-mit-gefaelschtem-Impfpass-gearbeitet-haben,impfpass174.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Alten- und Pflegeheime
 (DIR) Schleswig-Holstein
 (DIR) Impfung
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) "Querdenken"-Bewegung
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Anklage wegen fahrlässiger Tötung: Mitarbeiterin bringt Corona-Tod
       
       Gegen eine Frau, die Bewohner eines Hildesheimer Seniorenheims mit dem
       Coronavirus infiziert hatte, wird Anklage erhoben. Mehrere Betroffene
       starben.
       
 (DIR) Fake-Anzeigen bei Telegram: Ärzte unter Impfpass-Verdacht
       
       Werbung für Fake-Impfnachweise führt auf Telegram zu kruden Ergebnissen:
       Mediziner*innen geraten offenbar unverschuldet unter Betrugsverdacht.
       
 (DIR) Tipp an Senioren in Bad Bramstedt: Impfpässe im Darknet kaufen
       
       In der schleswig-holsteinischen Gemeinde gibt es mehr Coronafälle als
       anderswo. Der Seniorenbeirat empfiehlt gefälschte Impfausweise.
       
 (DIR) Mann tötet Familie in Brandenburg: „Übersteigerte Befürchtungen“
       
       Nachdem seine Frau mit falschem Impfpass auffliegt, tötet ein Mann in
       Brandenburg seine Familie. Er stand offenbar der Querdenken-Szene nahe.
       
 (DIR) Gefälschte Impfnachweise: Härtere Zeiten für Impfpassfälscher
       
       Nach einem Update erkennen Corona-Warn-App und die CovPassCheck-App nun von
       Apotheken gefälschte Impfpässe – doch es gibt einen Haken.