# taz.de -- Krieg im Ostkongo: Massenflucht nach Rebellenattacke
       
       > An Kongos Grenze zu Uganda fallen alte Stellungen der einstigen
       > M23-Rebellen an neue Angreifer. Zahlreiche Zivilisten sind auf der
       > Flucht.
       
 (IMG) Bild: Déjà-vu: Hügel über Bunagana im Ostkongo unter Rebellenkontrolle im Juli 2012
       
       Berlin taz | Im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind am Montag
       Zehntausende Menschen panikartig aus ihren Dörfern geflüchtet, nachdem
       Gerüchte über eine Renaissance der totgeglaubten Rebellenbewegung M23
       (Bewegung des 23. März) die Runde machten.
       
       Unidentifizierte, aber offensichtlich hochprofessionelle Kämpfer hatten in
       der Nacht handstreichartig die beiden Hügel Chanzu und Runyoni besetzt, die
       nahe der kongolesischen Stadt [1][Bunagana] an der Grenze zu Uganda die
       strategische Kontrolle über dieses Gebiet ermöglichen. Kongos Armee wurde
       durch Artillerie verjagt.
       
       Aus mindestens einem halben Dutzend Dörfer flohen daraufhin Menschen nach
       Bunagana, um die Grenze nach Uganda zu überqueren. In einigen Berichten war
       von bis zu 50.000 Menschen die Rede.
       
       Nach ugandischen Angaben gelangten 1.000 ins Land, bevor die ugandischen
       Behörden die Grenze schlossen. Am Nachmittag war erneut von schweren
       Kämpfen um die Hügel die Rede.
       
       ## M23-Rebellen waren 2012-13 aktiv
       
       Die Rebellenbewegung [2][M23] war im Jahr 2012 von desertierten
       Tutsi-Soldaten der kongolesischen Armee gegründet worden und hatte unter
       Führung von [3][General Sultani Makenga] weite Teile der ostkongolesischen
       Provinz Nord-Kivu unter ihre Kontrolle gebracht, im November 2012 sogar die
       Provinzhauptstadt [4][Goma]. Auf regionalen Druck sagte Kongos Regierung
       dann Gespräche zu, woraufhin sich die Rebellen wieder aus Goma zurückzogen.
       Während die Verhandlungen danach auf der Stelle traten, spaltete sich die
       M23, Kongos Armee stellte frische Spezialkräfte auf und die
       UN-Blauhelmmission entsandte Kampftruppen aus mehreren afrikanischen
       Ländern.
       
       Diesen Kräften gelang im Herbst 2013 die Rückeroberung des M23-Gebietes.
       Ihre letzte Hochburg – just der zur Festung ausgebaute Hügel Chanzu –
       verließen die Rebellen am 5. November 2013 und [5][retteten sich nach
       Uganda]. Die Friedensvereinbarung, die Kongos Regierung danach mit ihnen
       schloss, war nur noch Formsache und wird weitgehend ignoriert, was die
       Rebellenführer bis heute ärgert, da ihnen somit die Heimkehr versperrt
       bleibt.
       
       ## Wachsende Unsicherheit
       
       Am Nachmittag bestätigte Kongos Armeesprecher, es handele sich bei den
       Angreifern tatsächlich um M23. Doch am Abend dementierte das die M23 in
       einer eigenen Presseerklärung. Welches Ausmaß und welches Ziel dieser
       Angriff hat, blieb vorerst unklar. Ostkongo ist seit Monaten von wachsender
       Unsicherheit geprägt, woran auch die Verhängung des Kriegsrechts im Mai
       nichts geändert hat.
       
       Am Mittwoch vergangener Woche rückten unidentifizierte Bewaffnete in die
       Millionenstadt Bukavu ein, Hauptstadt der Nachbarprovinz Süd-Kivu, und
       wurden erst nach Kämpfen mit neun Toten wieder vertrieben. Am Samstag
       eskalierten Proteste in der Stadt Kirumba in Nord-Kivu gegen die
       Unsicherheit; fünf Menschen wurden erschossen, als Demonstranten die
       Polizeiwache anzündeten. Am Sonntag warnte die US-Botschaft im Kongo vor
       einem bewaffneten Angriff auf Goma.
       
       8 Nov 2021
       
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 (DIR) Dominic Johnson
       
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