# taz.de -- Korruptionsvorwürfe in Großbritannien: Doch nur ein Scharlatan
       
       > Die britischen Tories unter Premier Johnson stehen nach einer
       > Korruptionsaffäre unter Druck. Unzählige Kehrtwenden tun ihre Übriges.
       
 (IMG) Bild: Premierminister Boris Johnson vor der 10 Downing Street
       
       Manche beschrieben den britischen Premier [1][Boris Johnson] schon immer
       als Clown oder Brexit-Scharlatan. Doch mit seiner Politik des Aufbaus im
       geschwächten englischen Norden und mit Bereitschaft zu Rekordinvestitionen
       ins Gesundheitssystem trat Johnson gegen alte Weisheiten neokonservativer
       Politik an. Viele ließen diesen Tory noch mal durchgehen, selbst
       Labourhochburgen eroberte er 2019.
       
       Doch Johnson leidet an einer für Politiker:innen verheerenden
       Krankheit. Er trifft falsche Entscheidungen und zieht sie dann zurück.
       Seine Regierung ist inzwischen für über 40 solcher sogenannter U-Turns
       verantwortlich. Keins dieser Eigentore war bisher jedoch so groß wie jenes
       vor zwei Wochen, als er den Fraktionszwang aussetzen ließ, um die Stelle
       für parlamentarische Standards abschaffen zu können. So wollten die
       [2][Tories] einen der Ihren retten, der im Hinterkämmerchen versucht hatte,
       durch Lobbyarbeit für den Pharmakonzern Randox Regierungsgeschäfte zu
       beeinflussen.
       
       Die Empörung darüber, dass so schleimige Deals legitimiert werden, war
       groß. Der U-Turn folgte schon am nächsten Morgen. Doch Medien und
       Opposition suchten nun erst recht nach Schleim und wurden fündig. Nicht nur
       der ehemalige Generalstaatsanwalt, der aus und für das Tropenparadies
       Bahamas arbeitete, wurde genauer unter die Lupe genommen, sondern auch
       Regierungsaufträge für Parteifreunde, Urlaube und Spenden, sowie die
       aufwändige Renovierung von Johnsons Amtssitz in der Downing Street.
       
       Sonst drückt sich Johnson gern davor, sich für Fehler zu entschuldigen, und
       schickt andere vor. Immerhin gestand er jetzt, er habe den Wagen auf
       gerader Fahrbahn gecrasht, wahrscheinlich den einstigen roten
       [3][Brexitbus]. Was hatte Johnson nicht alles versprochen. Und jetzt ist er
       doch wie die meisten Politiker:innen: Selbstgefällig, wichtigtuerisch,
       Wahlversprechen nicht einhaltend, voller schlechter Überraschungen: ein
       politischer Scharlatan eben doch.
       
       19 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Boris-Johnsons-Parteitagsrede/!5806753
 (DIR) [2] /Tumult-bei-britischen-Konservativen/!5813289
 (DIR) [3] /Fehlende-LKW-Fahrer-in-Grossbritannien/!5805872
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Boris Johnson
 (DIR) Tories
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Korruption
 (DIR) Schwerpunkt Korruption
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) Boris Johnson
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Tumult bei britischen Konservativen: Kritik an Johnsons Regierung
       
       Die Tories wollten einen unter Korruptionsverdacht stehenden Abgeordneten
       schützen. Nun rudert Premier Johnson zurück.
       
 (DIR) Fehlende LKW-Fahrer in Großbritannien: Brexit Blues
       
       Fernfahrer fehlen, Lieferketten reißen und Kosten steigen: Unterwegs mit
       klagenden Truckern und Mittelständlern in Großbritannien, die um ihre
       Zukunft bangen.
       
 (DIR) Boris Johnsons Parteitagsrede: Auch heiße Luft wärmt
       
       Der britische Premier Johnson verspricht auf dem Parteitag der Tories eine
       bessere Zukunft. Doch konkrete Lösungen für die Wirtschaftsprobleme fehlen.