# taz.de -- Berlin intersektional: Lasst euch nicht ablenken
       
       > Wie über „Identitätspolitik“ diskutiert wird, nervt. Doch es gibt
       > Wichtigeres. Zum Beispiel die Abschlussveranstaltungen der Konferenz der
       > Visionen.
       
 (IMG) Bild: Der afrodeutsche Aktivist Martin Dibobe (2. von rechts) und Hochbahn-Kollegen, 1902
       
       [1][Hedwig Dohm], [2][Paul Singer], [3][Martin Dibobe], [4][Magnus
       Hirschfeld]. Vom Kaiserreich an gab es in der Berliner Linken jene Stimmen,
       die den Gerechtigkeitsbegriff erweiterten. Die Emanzipation der Frauen,
       Jüdinnen und Juden, Schwarzen Deutschen und Queers war für sie nicht zu
       trennen vom revolutionären Umbau der Gesellschaft. Und wie viele Stimmen
       sollten im 20. Jahrhundert noch dazukommen.
       
       Natürlich nervt es, wenn diese Emanzipationsgeschichte ignoriert wird und
       [5][„Identitätspolitik“ als Spleen des jungen 21. Jahrhundert geschmäht].
       Wenn die eigene Position ausgeklammert und das „Eigentliche“ der Linken
       angemahnt wird, ohne konkret zu werden. Wenn ohne Beleg Unterstellungen
       angeführt werden wie: [6][„Da wird der weiße Hartz-IV-Empfänger
       unentrinnbar zum Vertreter der white supremacy, sein Status als
       Ausgebeuteter kapitalistischer Strukturen ist in dieser Logik nicht mehr
       denkbar.“]
       
       Natürlich nervt das, lähmen sollte es nicht. Denn eine weiterführende linke
       Politik zu formulieren, die den sich überschneidenden Ungerechtigkeiten
       gerecht wird, ist ja tatsächlich nicht leicht und verlangt nach
       Konzentration. Die [7][Konferenz der Visionen] hat sich in der vergangenen
       Woche an dieser Aufgabe versucht. Zu ihrem Abschluss soll in einem Weltcafé
       die Frage verhandelt werden, wie die sozialen Bewegungen auf die
       Koalitionsverhandlungen in Berlin und im Bund Einfluss nehmen können
       (Mittwoch, 27. Oktober, 18 Uhr, Zelt 1, John-Foster-Dulles-Allee 10).
       
       Bei einer Offenen Versammlung im Neuköllner [8][Heimathafen] geht es
       anschließend um die Frage: Wie müssen sich soziale Bewegungen (anders)
       organisieren, damit eine mehrjährige Perspektive gelingt? „Egal ob du schon
       langjährige Erfahrung hast oder einfach neugierig bist, sei dabei, wenn wir
       als Gerechtigkeitsgruppen den Aufbau gemeinsamer Strukturen anpacken“,
       heißt es in der Einladung(Mittwoch, 27. Oktober, 19.30 Uhr,
       Karl-Marx-Straße 141).
       
       „Bei der Identitätspolitik und der zugrundeliegenden philosophischen
       Strömung des Postmodernismus handelt es sich um Ausprägungen der
       bürgerlichen Ideologie, die im fortschrittlichen Gewand daherkommen, aber
       letztlich auf die Spaltung der Arbeiter:innen und Unterdrückten, auf
       die Zersetzung der revolutionären und kommunistischen Bewegung sowie der
       politischen Widerstandsbewegung ausgelegt sind“, so die nervig-steile These
       eines angekündigten Vortrags im Weddinger [9][Kiezhaus Agnes Reinhold]. Ob
       das wirklich so einfach ist, soll im Anschluss zur Diskussion stehen
       (Freitag 29. Oktober, 19 Uhr, Afrikanische Str. 74).
       
       27 Oct 2021
       
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