# taz.de -- AfD-Vizepräsident in Sachsen-Anhalt: Nicht alle wählen AfD
       
       > Bei der Abstimmung über den AfD-Kandidaten stimmten nicht alle
       > CDU-Abgeordneten mit Ja. Das war die eigentliche Nachricht aus Magdeburg.
       
 (IMG) Bild: Leicht säuerlich nach erfolglosem Wahlgang: AfDler Hagen Kohl
       
       Es kommt selten vor, dass alles auf Sachsen-Anhalt schaut. Meistens
       geschieht es im [1][Zusammenhang mit der AfD], so auch dieses Mal. Hagen
       Kohl (AfD) sollte zum Vizepräsidenten des sachsen-anhaltinischen Landtags
       gewählt werden. Die Wahl mochte geheim sein, doch klar war vorher: Ohne die
       CDU hat er keine Chance.
       
       Die Sorgen waren groß: Welch [2][eingerissene Brandmauer]. Die
       Normalisierung eines offen rechtsextremen Landesverbands. Der Schock sitzt
       tief. Ein Tabubruch. Welches Tabu? Moment mal – kurz zurück gespult.
       September 2016: Die AfD ist mit 24,3 Prozent zweitstärkste Kraft in
       Sachsen-Anhalt. Kraft dieser Größe schlägt die Fraktion Willi Mittelstädt
       als Vizepräsidenten des Landtags vor. Die erste Wahl geht gegen ihn, bei
       der zweiten stimmen 46 von 81 Anwesenden mit Ja, 32 mit nein.
       
       Willi Mittelstädt (AfD) wird Vizepräsident Sachsen-Anhalts. Die AfD hatte
       25 Sitze. Auch damals schon war es schlimm, dass man ein deutsches
       Bundesland nun von einem AfD-Mann repräsentiert weiß. Da es um ein
       ostdeutsches Bundesland geht, ist das gesamtdeutsche Gedächtnis auf
       Kurzzeit und das Gefühl auf Empörung reduziert. Wer nach dem „Hui, was ist
       da denn los“ weiter dranblieb, sah eine AfD, die durch ihren Landtagsvize
       noch das kleinste Problem darstellte.
       
       ## Das gesamtdeutsche Gedächtnis steht auf Kurzzeit
       
       Mit der Fraktion nahmen NS-Vokabeln Einzug in den Landtag. Sie galten auch
       jenen, die sich gegen rechte Hetze und Gewalt einsetzen. Die kleinen
       Anfragen häuften sich nur so, gegen das Netzwerk „Weltoffener Saalekreis“,
       das demokratiefördernde Projekte aus der Zivilgesellschaft unterstützt.
       Gegen „Miteinander e.V.“, der das Monitoring rechter Gewalttaten im Land
       übernimmt und den Betroffenen des Attentats von Halle zur Seite steht.
       
       Kürzlich gegen die „Zora“ Halberstadt, eines der wichtigsten
       soziokulturellen Projekte im Harzer Raum. Auch an mächtigen Personalien
       fehlt es [3][in dieser Legislatur] nicht, spätestens seit Hans-Thomas
       Tillschneider (AfD, rechtsaußen) den Vorsitz des Ausschusses für Recht,
       Verfassung und Gleichstellung innehat. Während kurz vor der Wahl viele
       vorsorglich geschockt reagierten, verwies der regionale MDR darauf, dass
       Kohl nicht mit allen Stimmen der CDU rechnen könne.
       
       Und konzentrierte sich damit auf den eigentlichen Nachrichtenwert.
       Tatsächlich erhielt Kohl bei der Wahl am Donnerstagnachmittag lediglich 44
       Ja-Stimmen von den 95 Abgeordneten, aber 48 Nein-Stimmen, und war damit
       nicht gewählt. Auch in einem zweiten Wahlgang verfehlte er die
       erforderliche Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
       
       15 Oct 2021
       
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 (DIR) [1] /AfD-nach-der-Wahl-in-Sachsen-Anhalt/!5773123
 (DIR) [2] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/landtagswahl-sachsen-anhalt-laschet-cdu-afd-brandmauer-100.html
 (DIR) [3] /AfD-vor-Landtagswahl-Sachsen-Anhalt/!5774257
       
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 (DIR) Pia Stendera
       
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