# taz.de -- Ärger mit Schnelltests in der Schule: Positiv – äh, doch nicht
       
       > Laut einem Pressebericht häufen sich an Hamburger Schulen die
       > falsch-positiven Corona-Tests wegen eines Wechsels des Herstellers.
       > Stimmt das?
       
 (IMG) Bild: Schnelltest in der Schule: Schüler am Goethe-Gymnasium in Hamburg-Lurup Anfang August 2021
       
       Hamburg taz | „Meine Tochter wurde mehrfach falsch-positiv getestet“, sagt
       Manuela Mammes. Das erste Ergebnis kam schon im September, zwei Wochen vor
       den Herbstferien, erzählt sie. Ab diesem Zeitpunkt seien am
       Albrecht-Thaer-Gymnasium im Hamburger Stadtteil Stellingen Schnelltests des
       Herstellers Genrui eingesetzt worden.
       
       Direkt beim ersten dieser Schnelltests sei das Ergebnis positiv gewesen.
       „Meine Tochter war erschüttert, erschrocken, traurig. Das kann für Kinder
       traumatisch sein.“ Mammes habe daraufhin ihre Tochter abgeholt und sich
       erkundigt, wo sie einen PCR-Test machen kann. Mittags hätten sie bei der
       Kinderärztin den Abstrich machen lassen. „Und dann wartet man auf das
       Ergebnis.“ Es kam am Dienstag – negativ. Die Tochter konnte wieder in die
       Schule, zumindest bis zum nächsten Schnelltest. Denn der war wieder
       positiv. Auch diesmal fälschlicherweise.
       
       In Hamburger Schulen werden die Schüler:innen schon seit Monaten
       mehrfach wöchentlich getestet, [1][derzeit dreimal die Woche]. Dabei kommt
       es durchaus vor, dass ein Test ein positives Ergebnis anzeigt, auch wenn
       die Person eigentlich gar nicht infiziert ist. Am Dienstag berichtete Die
       Zeit von vielen Anrufen in der Redaktion. Eltern hätten sich gemeldet und
       im Zusammenhang mit den Schnelltests von Genrui von ungewöhnlich vielen
       falsch-positiven Testergebnissen berichtet. Der Hersteller war vor Kurzem
       gewechselt worden. Doch sind die Tests des neuen Herstellers tatsächlich
       ungenauer als ihre Vorgänger?
       
       Auf taz-Anfrage erklärt Peter Albrecht, Pressesprecher der Schulbehörde,
       dass für den Zeitraum vor den Herbstferien keine auffällig erhöhte Quote an
       falsch-positiven Schnelltestungen ersichtlich sei. „Aus den vorherigen
       Testumstellungen ist bekannt, dass die Umstellungsphase in der Regel mit
       gewissen Fehlerquoten einhergehen kann.“ Aus diesem Grund seien alle
       Schulen gebeten worden, die Testroutinen nach den Herbstferien
       aufzufrischen.
       
       Für den Wechsel der Tests ist die Schulbehörde dabei gar nicht zuständig.
       Die Schnelltests werden zentral für alle Hamburger Behörden in einem
       Vergabeverfahren von der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz
       beschafft. Genrui ist bereits der vierte Hersteller, dessen Tests zum
       Einsatz kommen. Auch der Justizbehörde ist kein Nachweis für eine erhöhte
       Zahl falsch-positiver Befunde bekannt. Nach ihren Angaben liegen
       Beschwerden zu falsch-positiven Ergebnissen nur in den Schulen und nicht in
       anderen Bereichen vor. Trotzdem werde analysiert, inwieweit etwa
       Handhabungsfehler zu einer erhöhten Anzahl von falsch-positiven
       Testergebnissen führen könnten.
       
       Kritik kommt aus der Opposition. Die Akzeptanz der Schnelltests an Schulen
       werde durch solche Ergebnisse massiv beschädigt, kritisiert Sabine
       Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Die
       Schulbehörde muss dringend einen klaren Weg aufzeigen, um den Schulen die
       Verunsicherung zu nehmen.“ Eine Möglichkeit sei beispielsweise, dass nach
       einer positiven Testung ein zweiter Schnelltest zur Vergewisserung
       ausreiche. Bisher sei geregelt, dass in diesem Fall zwingend ein PCR-Test
       erforderlich ist. Zudem müsse die PCR-Pooltestung ausgeweitet werden.
       
       Im Gespräch verdeutlicht Albrecht, dass es sich bei den falsch-positiven
       Tests in Bezug auf die Gesamtzahl der Testungen um Einzelfälle handele. Am
       ersten Schultag nach den Herbstferien hätten bei regelhaft durchschnittlich
       200.000 durchgeführten Schnelltests 287 Schülerinnen sowie sieben Personen
       des schulischen Personals ein positives Testergebnis erhalten.
       
       Nach PCR-Testungen hätten sich gut zwei Drittel der positiven Schnelltests
       als falsch-positiv herausgestellt, also insgesamt rund 200. Nach Angaben
       der zuständigen Behörde für Justiz und Verbraucherschutz liege die Rate
       damit im wissenschaftlich zu erwartenden Rahmen. Neuere Daten wiesen laut
       Albrecht zudem darauf hin, dass die Zahl der positiven Schnelltestungen
       insgesamt bereits wieder rückläufig sei.
       
       Trotzdem betont Albrecht ein „großes Verständnis für die Einzelfälle“.
       Individuell betrachtet sei „jeder falsch-positive Schnelltest eine
       schwierige Geschichte“. In der Schulbehörde bemühe man sich um Lösungen,
       habe bisher jedoch keine gefunden. Auch die Möglichkeit einer zweiten
       Schnelltestung ziehe man in Betracht, jedoch müssten hier noch rechtliche
       Bedenken ausgeräumt werden.
       
       ## Belastung für betroffene Kinder
       
       Egal ob ansteigende Tendenz oder Einzelfall, für die Betroffenen sei jeder
       falsch-positive Test eine Belastung, findet Manuela Mammes. Da oft die
       gleichen Kinder betroffen seien, hätten sie bei drei Tests die Woche keine
       Chance, zur Schule zu gehen, solange diese Schleife nicht unterbrochen
       werde. Auch an ihren Freizeitaktivitäten könnten die Kinder durch die
       falsch-positiven Ergebnisse nicht mehr teilhaben.
       
       „Aus diesen negativen Erfahrungen können Kinder auch Angst vor der
       Testsituation an sich entwickeln und sich weigern, Tests zu machen“,
       befürchtet Mammes. Sie hofft, dass es bald eine Lösung gibt. „Man könnte
       andere Tests bereitstellen, zumindest für die Kinder, die besonders von
       falsch-positiven Ergebnissen betroffen sind.“ Oder auf PCR-Tests umstellen.
       „Das wäre eine bessere Lösung für die Kinder. Meine absolute
       Wunschvorstellung wären jedoch nur noch anlassbezogene Tests.“ Auch wenn
       die Schulbehörde nicht für die Anschaffung der Tests verantwortlich sei,
       sieht Mammes sie in der Pflicht, zumindest für Schulkinder eine Alternative
       zu organisieren.
       
       28 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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