# taz.de -- Verfahren gegen Bayern-Spieler Hernández: Ohne Ansehen der Person
       
       > Spaniens Justiz will den Fußballprofi im Gefängnis sehen. Der Fall
       > offenbart den Gegensatz von Profitinteressen im Fußball und Rechtsstaat.
       
 (IMG) Bild: Vorerst letztes Spiel? Lucas Hernández bei einem Spiel mit Bayern München am 17. Oktober
       
       Das staatlich gefällte Urteil gegen Lucas Hernández wird gelten, völlig
       unabhängig, was hiesige Fußballexperten oder Hernández’ Arbeitgeber, der FC
       Bayern München, dazu sagen. Bislang, vor der Verhandlung der Berufung, die
       der 25-jährige Fußballprofi bei einem Gericht in Madrid eingelegt hat,
       lautet dieses Urteil: [1][sechs Monate Haft.]
       
       Der Mann, der mit Frankreich Weltmeister wurde, hatte sich 2017 einen, wie
       es meist formuliert wird, „handgreiflichen Streit“ mit seiner damaligen
       Freundin geliefert. Es geht also um häusliche Gewalt, um keine Lappalie.
       Beide wurden 2019 zu gemeinnütziger Arbeit und zu einem sechsmonatigen
       Kontaktverbot verurteilt. Vom zweiten glaubten sie, es gelte nicht mehr,
       weil sie sich doch bald versöhnten und heirateten. Ein Verstoß gegen das
       Kontaktverbot liegt dennoch vor.
       
       Es gibt gewiss Argumente gegen eine derart rigide Handhabung des
       Kontaktverbots – „Lieben sie sich nicht?“. Aber die Gründe, die die
       spanische Justiz anführt, sind nicht von der Hand zu weisen: Sie möchte
       verhindern, dass etwa ein Mann, der das Gefängnis vermeiden will, faktisch
       von der Frau eine Versöhnung erzwingt: „Willst du, dass ich wegen dir in
       den Knast muss?“
       
       Egal, zu welcher Betrachtung man neigt: Ob Hernández wirklich seine Haft
       antreten muss, ist offen. Für das Champions-League-Spiel der Bayern,
       [2][das am Mittwoch bei Benfica Lissabon] stattfindet, steht er jedenfalls
       zur Verfügung. Für den zu verhandelnden Fall hat das keine Bedeutung. Und
       es ist sehr gut, dass hier nicht die Fußballöffentlichkeit zuständig ist.
       Hernández’ Trainer Julian Nagelsmann etwa spricht von einem „privaten
       Thema“, und er hofft, dass er spielen darf.
       
       Dafür nämlich dürfte bereits jetzt der Fall Hernández stehen: Dem mitunter
       [3][sehr dreist vorgetragenen ökonomischen Interesse], den
       80-Millionen-Euro-Profi in der Champions League einsetzen zu wollen, steht
       ein Rechtssystem gegenüber, das ohne Ansehen der Person und ihrer
       fußballerischen Meriten urteilt.
       
       20 Oct 2021
       
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 (DIR) [1] https://www.kicker.de/haft-droht-fuer-hernandez-wird-die-zeit-knapp-875319/artikel
 (DIR) [2] https://www.sportbuzzer.de/artikel/trotz-justiz-arger-lucas-hernandez-kann-mit-fc-bayern-nach-lissabon-reisen/
 (DIR) [3] /Scheindebatte-ueber-Fussballer-Gehaelter/!5707295
       
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