# taz.de -- Umweltkatastrophe in den USA: Ölpest vor Kalifornien
       
       > Ein Leck in einer Pipeline hat Hunderttausende Liter Öl in den Pazifik
       > laufen lassen. Die betroffenen US-Städte warnen vor dramatischen
       > Auswirkungen.
       
 (IMG) Bild: Kampf gegen das ausgelaufene Öl in Huntington Beach
       
       Berlin taz | Ölklumpen und tote Fische, verendete Vögel statt fröhlicher
       Surfer:innen auf türkisen Wellen: Ein Leck in einer Ölpipeline hat vor
       der südkalifornischen Pazifikküste zu dramatischen Umweltschäden geführt.
       Knapp 480.000 Liter Öl flossen bis zum Sonntag ins Meer. Zum Vergleich:
       Nach der Explosion der Öl-Plattform [1][Deepwater Horizon], die zur bisher
       schlimmsten Ölpest führte, verschmutzten 800 Millionen Liter den Golf von
       Mexiko. Dennoch ist es die schwerste Katastrophe dieser Art, die
       Kalifornien bisher gesehen hat.
       
       Man habe den Geschäftsbetrieb auf dem betroffenen Ölfeld vorerst
       eingestellt, heißt es beim texanischen Öl- und Gaskonzern [2][Amplify
       Energy]. Dessen Tochter Beta Offshore betreibt die fraglichen Pipelines und
       Anlagen. Taucher:innen würden nach der Ursache des Lecks suchen. Viel
       mehr Auskünfte gibt es nicht. Das Unternehmen füllt in seiner Mitteilung
       mehr Platz mit juristischen Hinweisen im eigenen Interesse als mit
       Informationen zu der Ölpest.
       
       Selbst wenn durch den Betriebsstopp kaum noch Öl mehr hinzukommen sollte:
       Der Schaden ist gewaltig. „Der Ölteppich hat [3][Huntington Beach]
       erheblich in Mitleidenschaft gezogen“, ließ die Stadtverwaltung der am
       stärksten betroffenen Gemeinde am Sonntag wissen. Es gebe „substanzielle
       ökologischen Auswirkungen“ am Strand und in Feuchtgebieten. Die Stadt werde
       sicherstellen, dass die verantwortlichen Parteien alles tun, „um das
       Umweltdesaster zu beheben“.
       
       Huntington Beach hat seine [4][Pacific Air Show] abgebrochen, eine
       Veranstaltung, die Tausende Besucher:innen in die Stadt zieht, und so
       wie das benachbarte Newport Beach alle Strände gesperrt. Die kalifornische
       Fischereibehörde stoppte die Fischerei. Eigentlich ist die Gegend als
       Paradies zum Surfen und Sonnenbaden bekannt und beliebt. Damit ist erst
       einmal Schluss. Auf unbestimmte Zeit sei die Küste nicht zugänglich, hieß
       es in Huntington Beach.
       
       ## Menschen sollen den Kontakt meiden
       
       Der Bürgermeister von [5][Newport Beach], Brad Avery, wandte sich direkt an
       die Anwohner:innen: „Leider machen es Größe und potenzieller Schaden des
       Öllecks nötig, dass die Menschen vom Wasser fernbleiben und jeden Kontakt
       mit dem Öl vermeiden.“ Auch bei den Aufräumarbeiten sollen Bürger:innen
       nicht helfen, mahnte Avery an. Dazu sei ein Kommando vor Ort, dem die
       US-Küstenwache vorstehe.
       
       Die gibt bekannt, dass der Einsatz zur Reinigung des Wassers Tag und Nacht
       erfolge. Zum Schutz der Tiere habe man das Oiled Wildlife Care Network
       eingeschaltet, eine Organisation der Universität von Kalifornien, die sich
       um von Öl geschädigte Tiere kümmert.
       
       „Die Auswirkungen übersteigen das sichtbare Öl und den Geruch, mit denen
       sich unsere Bewohner:innen gerade herumschlagen“, sagte Katrina Foley
       vom Aufsichtsrat des kalifornischen Bezirks Orange County, zu dem
       Huntington Beach und Newport Beach gehören. „Wir müssen die Ursache für das
       Leck identifizieren und für das Wohlergehen unserer Städte, Strände und
       Küstenhabitate verstehen, wie wir solche Vorkommnisse in der Zukunft
       vermeiden.“
       
       Klima- und Umweltschützer:innen haben dafür Vorschläge parat. Sie
       sehen sich durch die Katastrophe in ihren Forderungen nach einer Abkehr von
       der fossilen Energiegewinnung bestätigt. „Wie viele von diesen Desastern
       müssen wir noch erleben, bevor unsere gewählten Führungskräfte verstehen,
       dass es keinen sicheren Weg gibt, fossile Kraftstoffe zu fördern und zu
       transportieren?“, sagte Monica Embrey von der Umweltorganisation Sierra
       Club. „Dieses Leck ist eine weitere Erinnerung daran, dass wir entweder
       gesunde und sichere Nachbarschaften, gedeihende Küstenwirtschaften sowie
       ein stabiles Klima haben können – oder weiter nach Öl bohren. Beides geht
       nicht.“
       
       4 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Deepwater-Horizon-Katastrophe/!5309422
 (DIR) [2] https://www.amplifyenergy.com/home/default.aspx
 (DIR) [3] https://www.visittheusa.de/destination/huntington-beach
 (DIR) [4] https://www.pacificairshow.com/
 (DIR) [5] https://www.visitcalifornia.com/de/attraction/newport-beach
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Schwarz
       
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