# taz.de -- Väterreport des Familienministeriums: Hurra, Papa denkt progressiv
       
       > Eine neue Studie zeigt, dass Väter fortschrittlicher als früher
       > eingestellt sind. Was es trotzdem braucht, sind veränderte Strukturen.
       
 (IMG) Bild: Einstellung allein wirkt sich nicht unmittelbar auf Handlung aus
       
       Wäre es das Ziel der Bundesregierung, Väter dazu zu animinieren, progressiv
       über die partnerschaftliche Aufteilung von Care-Arbeit zu denken, könnte
       man an dieser Stelle gratulieren. Fast die Hälfte der Väter wünscht sich,
       mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und gemeinsam mit den Müttern
       Verantwortung für sie zu tragen. Das zeigt der Väterreport 2021 des
       Bundesfamilienministeriums. Hurra! Die Väter denken das Richtige.
       
       Einstellung allein wirkt sich aber nicht unmittelbar auf Handlung aus. Wer
       Zivilcourage zeigen will, hält vielleicht doch den Mund, wenn eine Frau mit
       Kopftuch beschimpft wird. Wer rassismuskritisch sein möchte, fragt doch, wo
       eine schwarze Person herkommt. Und wer ein progressives Modell von
       Partnerschaft leben will, verbringt seine Tage eben doch eher als
       Familienernährer im Unternehmen als [1][mit dem Kind im Wartezimmer der
       Ärztin].
       
       Das passiert zum Teil, weil der sogenannte Mental Load, also die Aufgabe,
       die Notwendigkeit von Arztbesuchen oder auch Geschenken für den Geburtstag
       der Schulfreundin überhaupt wahrzunehmen, noch nicht bei den Vätern
       angekommen ist. Auch das zeigt der Report. Möglicherweise liegen die
       schönen Worte auch daran, dass es heute nicht mehr so gut ankommt, einfach
       zu sagen: Abwaschen und wickeln? Macht meine Frau. Und sicher liegt die
       unverändert hohe Vollzeiterwerbstätigkeit der Väter auch schlicht daran,
       dass es [2][finanziell wehtut, in die Teilzeit zu wechseln] – auch, was die
       eigenen Rentenansprüche angeht.
       
       Um das zu ändern, braucht es strukturell Nachhilfe und individuell die
       schlichte Bereitschaft, zu Hause mehr anzupacken. [3][Elternzeit und
       Elterngeld] müssen ebenso ausgebaut werden wie das Rückkehrrecht von
       Teilzeit zu Vollzeit, das Entgelttransparenzgesetz sowie Kita- und
       Hortplätze. Das Ehegattensplitting muss abgeschafft werden. Und Väter
       müssen verstehen, dass sie Mütter nicht „unterstützen“ sollen, ihnen
       „helfen“ oder sie „entlasten“ – sondern ihren Teil der Arbeit erledigen.
       Dann lohnt sich auch ein Hurra für die Väter.
       
       7 Oct 2021
       
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