# taz.de -- Neuer Vivendi-Großaktionär: Fox News à la française
       
       > Der jüngste Coup des französischen Milliardärs Vincent Bolloré sorgt für
       > eine Konzentration der Medienmacht in Frankreich. Und das vor den Wahlen.
       
 (IMG) Bild: Milliardär Vincent Bolloré hat für die Neuausrichtung von Europe 1 ein klares Vorbild: Fox News
       
       Dass sich in Frankreich die meisten privaten Medien in der Hand einiger
       Milliardäre befinden, ist nicht neu. Solange diese die sympathische Rolle
       von (selbsterklärten) Mäzenen einer professionellen und einigermaßen
       ausgewogenen Information spielen, ernten sie Applaus dafür. Trotzdem bleibt
       der Einfluss des Großkapitals in der Meinungsbildung sehr bedenklich, vor
       allem in Zeiten, da der Journalismus verzweifelt längerfristige
       Finanzierungsmodelle sucht.
       
       Wirklich sehr beunruhigend wird die Konzentration von Medien, wenn diese
       einseitig in den Dienst von reaktionärer und fremdenfeindlicher Demagogie
       und Wahlinteressen von Populisten mit totalitärem Einschlag gestellt wird.
       Genau ein solches Szenario zeichnet sich in Frankreich im Vorfeld der
       Präsidenten- und Abgeordnetenwahlen des kommenden Jahres ab. Das
       Online-Magazin Mediapart warnt in schrillen Tönen vor „einer Art Fox News
       à la française“. Noch könnten die Behörden dieser die Meinungsvielfalt und
       Demokratie gefährdenden Konzentration begegnen. Doch die staatliche
       Medienaufsicht CSA hatte bisher durch ihre Nachsicht den einheimischen
       Tycoons gegenüber geglänzt und beispielsweise nichts an der „Annäherung“
       der beiden Medien- und Kommunikationsgruppen TF1 und M6 auszusetzen gehabt.
       
       Vom heute 69-jährigen Vincent Bolloré, Boss des Mischkonzerns Vivendi, der
       vor allem mit Transport und [1][Hafenanlagen in Afrika] viel Geld verdient
       hat, war bekannt, dass er in Sachen Übernahme einen maßlosen Appetit
       besitzt. Er kontrolliert als Hauptaktionär von Vivendi bereits die
       Fernsehgesellschaft Canal+ (Pay-TV) und den Informationskanal CNews,
       mehrere Illustrierte und Gratisblätter, Frankreichs zweitgrößte
       Buchverlagsgruppe Editis und außerdem die Werbeagenturen Havas und Euro
       RSCG, dies ergänzt mit einem Meinungsforschungsinstitut. Mit einer
       schrittweise ausgedehnten Kapitalbeteiligung an der Mediengruppe Lagardère
       (unter anderem Radio Europe 1 und Journal du Dimanche) hatte er seit Langem
       verraten, was letztlich sein Ziel ist.
       
       ## Bolloré und seine Medienmacht
       
       Dennoch hat er jetzt alle überrumpelt. Mit dem Kauf des Kapitalanteils
       (17,93 Prozent) des Fonds Amber verfügt Bolloré plötzlich über 45,1
       Prozent, was ihn gemäß Börsenregeln „zwingt“, auch den Rest der
       Lagardère-Gruppe zu übernehmen. Arnaud Lagardère, der sein Verlags- und
       Medienimperium vom Vater geerbt und nie wirklich Freude am Management
       hatte, sah anfänglich in Bolloré einen hilfreichen Partner. Nun steht er
       ausgebootet vor vollendeten Tatsachen – und vor dem Scherbenhaufen seiner
       Erbschaft. Genügend Cash steht Bolloré für diese Operation zur Verfügung,
       seit Vivendi sich von seiner Musiktochtergesellschaft Universal getrennt
       hat.
       
       Was Bolloré mit dieser konzentrierten Medienmacht vorhat, ahnt man schon
       aufgrund der bisherigen, extrem provozierenden Linie von CNews sowie den
       Erfahrungen mit einer (dem willfährigen oder naiven Lagardère
       aufgezwungenen) „Kooperation“ zwischen seinem erzreaktionären TV-Kanal und
       Europe 1. Namentlich im Hinblick auf das Wahljahr 2022 soll der bisher
       unabhängige Rundfunksender in der Information unter Federführung von CNews
       eng zusammenarbeiten. Neuer Chef der politischen Redaktion von Europe 1
       wurde Louis de Raguenel vom rechten Hetzblatt Valeurs actuelles.
       
       Gegen die drohende Bevormundung protestierte die Redaktion im Juni
       vergeblich mit einem Streik. Seither haben 70 Journalist*innen Europe 1
       verlassen. Unter ihnen auch die Humoristin Christine Berrou. Sie hat quasi
       als Vorgeschmack auf eine Zensur enthüllt, dass ein Vorgesetzter ihr
       dringend davon abgeraten hatte, in ihrer Vormittagssatire den von den neuen
       Herren im Haus besonders favorisierten rechtsextremen Publizisten Eric
       Zemmour auf die Schippe zu nehmen. Dieser spielt bekanntlich mit dem
       Gedanken, als Rivale der [2][Rechtsextremistin Marine Le Pen] bei den
       Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Dank Bollorés Wohlwollen hätte er
       dazu eine Medienunterstützung, die durchaus mit der [3][Propaganda von Fox
       News] für Donald Trump vergleichbar wäre.
       
       29 Sep 2021
       
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 (DIR) Rudolf Balmer
       
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