# taz.de -- Rechte Öko-Zeitung „Die Kehre“: Vom Abo in die Auslage
       
       > Die extremrechte Naturschutzzeitschrift „Die Kehre“ gibt es nun auch am
       > Bahnhofskiosk. Ein Fan des Blattes? Der rechtsextreme AfDler Björn Höcke.
       
 (IMG) Bild: Burg Hanstein in Bornhagen, Heimat des „Naturliebhabers“ Björn Höcke
       
       Die [1][extremrechte Naturschutzzeitschrift Die Kehre] möchte einen neuen
       Markt erschließen. Die Sommerausgabe der „Zeitschrift für Naturschutz“ um
       Chefredakteur Jonas Schick findet sich am Bahnhofkiosk. Knapp über ein Jahr
       nach der Erstausgabe eine weitere Bemühung, den „deutschlandverachtenden
       Grünen das Thema Natur- und Umweltschutz“ zu entreißen. Im Interview der
       aktuellen Ausgabe legt der thüringische [2][Landtagsfraktionsvorsitzende
       der AfD Björn Höcke] diese Intention für ebendieses politische Milieu dar.
       
       Die Redaktion der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift betreibt keine
       Mimikry. Schick, der aus der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ kommt,
       versucht nicht nur über die Thematik Ökologie Interessierte für die
       selbsternannte „patriotische Bewegung“ zu gewinnen. Der Chefredakteur sieht
       das Thema Ökologie aktuell in einer „Verengung auf den Klimaschutz“
       behandelt.
       
       Seiner Ansicht nach zählen auch Themen wie „Kulturlandschaften, Riten und
       Brauchtum, also auch Haus und Hof“, dazu. So liest es sich in der
       Selbstdarstellung auf der Webseite. Die Subbotschaft: die links-alternative
       Ökologiebewegung, inklusive Friday for Future, habe ein beschränktes
       Ökologieverständnis.
       
       Keine Überraschung, dass Höcke, der schon die Erstausgabe offensiv via
       Facebook bewarb, in dem fünf Seiten langen Interview darlegt, dass, „wer
       sein Land liebt“, auch „dessen natürliche Lebensgrundlage erhalten“ will.
       Es wäre ein „Treppenwitz und Unglück zugleich, dass ausgerechnet“ die
       Grünen das „Thema Natur- und Umweltschutz restlos gekapert“ hätten, „um
       ihre in letzter Konsequenz umweltfeindliche Ideologie den naturverliebten
       Deutschen als saftig-süße Melone zu verkaufen – außen grün und innen rot“,
       sagt Höcke.
       
       ## Kritik gegen Grüne – und die AfD
       
       Der Mitbegründer des – [3][nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz das
       Netzwerk als rechtsextremistisch einstufte] – aufgelösten „Flügels“ wettert
       aber nicht bloß gegen die Grünen, er klagt auch über die AfD. Es würde
       nicht reichen, bloß „abfällig vom ‚Ökowahn‘ zu sprechen“, die AfD müsste
       „dieses elementare Thema“, das den „klassischen Umweltschutz“ mit dem
       „Erhalt und [der]Pflege unserer Kulturlandschaft“ verbinde, „weit oben auf
       ihre politische Agenda stellen“.
       
       Und er gibt gleich die Linie vor, dass den Wähler:innen die notwendige
       Beschränkung des Lebensstandard nahegebracht werden könnte, wenn der
       Begriff „Lebensstandard quantitativ“ erweitert werde. Würde nicht „neben
       dem Materiellen“ auch eine intakte Umwelt und Natur dazu zählen, schlägt er
       vor.
       
       In der sechzig Seiten langen Zeitschrift greift Hagen Eichberger, Autor in
       extremrechten Publikationen wie Zuerst! oder Sezession, die „Animal
       Liberation Front“ an und hebt das Hegen und Pflegen der Jägerschaft im
       Naturschutz hervor. Das Eigenheim müsste bewahrt und weiter gebaut werden
       dürfen, schreibt Carlo Clemens in der Ausgabe. Denn das eigene Haus sei der
       „beste Ort“ für ihr gesellschaftliches „Leitbild“: die Familien, so der
       Bundesvorsitzende der AfD-Jugendorganisation.
       
       Der Name der Zeitschrift geht auf einen Vortrag von Martin Heidegger
       zurück. In „Die Technik und die Kehre“, 1951 veröffentlicht, beklagt der
       zutiefst antisemitische Philosoph die Auswirkung der Technologie. Am
       Horizont erkannte er allerdings die Möglichkeit einer Kehre. Im
       Nationalsozialismus sah er eine Möglichkeit zur Umkehr, zur Befreiung von
       der Moderne. Diesen Zusammenhang blendet nicht allein der Chefredakteur
       aus.
       
       17 Sep 2021
       
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