# taz.de -- Kritik an Teststrategie in Kitas: Fokus auf die Kleinen
       
       > Nach den Ferien wird es in den Berliner Kitas wieder voll. Doch im
       > Gegensatz zu den Schulen werde kaum getestet, kritisiert der
       > Landeselternausschuss.
       
 (IMG) Bild: Nicht so lecker wie ein Lolli, heißt aber trotzdem so: PCR-Tests zum Lutschen
       
       Berlin taz | Seit Montag sind in Berlin die [1][Sommerferien zu Ende], und
       auch die Kitas füllen sich wieder mit Rückkehrer-Kindern aus dem
       Sommerurlaub. Doch während die [2][Corona-Testkapazitäten in den Schulen]
       in den ersten Unterrichtswochen massiv hochgefahren werden, sind die Kitas
       weit weniger gut ausgestattet, wie nun auch der Landeselternausschusses
       Kita (Leak)kritisiert. Das Pilotprojekt, mit dem seit Ende Juli nach der
       PCR-Pooling-Methode in 30 Berliner Kitas getestet wird, komme mit Blick auf
       die bereits zu Ende gehende Urlaubszeit viel zu spät und reiche bei weitem
       nicht. „Wir haben den Eindruck, dass die Kitas gerade total vergessen
       werden“, sagt die stellvertretende Leak-Vorsitzende Anja Kettgen-Hahn der
       taz.
       
       Konkret sieht die Berliner Kita-Teststrategie von Jugendsenatorin Sandra
       Scheeres (SPD) so aus: Kinder werden lediglich „anlassbezogen“ getestet,
       wenn sie also zum Beispiel mit Schnupfnase oder anderen Erkältungssymptomen
       im Morgenkreis sitzen. Die Eltern müssen einwilligen und den Test selbst
       durchführen. ErzieherInnen müssen die Möglichkeit bekommen, sich zweimal
       pro Woche testen zu können.
       
       Außerdem sollten die Träger zum Start des Kita-Jahres am 1. August 500.000
       Schnelltests bekommen, die für drei Tests pro Kind reichen sollen. Die
       Kitas können selbst entscheiden, ob sie damit zum Beispiel eine Woche lang
       jedes Kind dreimal testen wollen (sofern die Eltern das wollen). Allerdings
       geht das dann zugleich zu Lasten des Kontingents für die „anlassbezogenen“
       Tests.
       
       Der Pilotversuch in den 30 Kitas soll nun Erfahrungswerte zu sogenannten
       [3][PCR-Pooling-Tests] liefern: Die Kinder lutschen an einem Wattestäbchen
       („Lolli-Test“), die Proben werden gruppenweise ausgewertet, und nur, wenn
       es in einem Pool ein positives Testergebnis gibt, soll einzeln nachgetestet
       werden. Die PCR-Methode gilt als zuverlässiger als die Schnelltests.
       
       ## Furcht vor dem Herbst
       
       Eigentliche eine gute Idee, sagt der Landeselternschuss, aber zu spät, um
       die ohnehin recht überschaubare Teststrategie für die Berliner Kitas zu
       stützen: „Das Projekt läuft sechs Wochen und würde gefolgt von einer
       Ausschreibung sein, so dass effektiv frühestens im Herbst mit dieser
       Methode gearbeitet werden kann“, kritisieren die ElternvertreterInnen. Man
       verpasse jetzt die „Chance, einen frühzeitigen Anstieg der Inzidenz zum
       Beispiel durch Reiserückkehrer zu unterbinden.“
       
       Ein Problem sehen die Eltern auch darin, dass in der
       Coronavirus-Testverordnung des Bundes Kitas und Schulen nicht als
       Einrichtungen gelten, in denen Kinder und Personal automatisch Anspruch auf
       einen Test haben, auch wenn sie keine Symptome haben. Die Länder können das
       zwar regeln – aber sie müssen es eben auch nicht, siehe die Regelung für
       Kita-Kinder in Berlin.
       
       Wenn man betone, dass man Kitas und Schulen offen halten wolle, sagt
       Kettgen-Hahn, müsste sich das dann auch in der Verordnung entsprechend
       widerspiegeln und die Pool-Tests für die Länder auch ausfinanziert werden.
       Der Leak kalkuliert mit Kosten von rund 27 Millionen Euro im Monat bei zwei
       Tests pro Kind und Woche, wenn man 2 Euro pro Test zu Grunde lege und von
       rund 173.000 Kita-Kindern in Berlin ausgehe.
       
       Die Jugendverwaltung sagte auf auf taz-Anfrage, das Testkonzept für die
       Kitas sei ausreichend – auch, weil „die Erzieherinnen und Erzieher
       inzwischen mehrheitlich geimpft sein dürften“. Über die Einführung einer
       Testpflicht für den Kitabesuch analog zur Testpflicht für die Schulen denke
       man derzeit nicht nach, teilte ein Sprecher mit.
       
       Allerdings solle der Pilotversuch mit den Lolli-Tests auch darüber
       Aufschluss geben, ob die Pooling-Methode auch auf die Schulen ausgeweitet
       werden könnte. Testkapazitäten gebe es genügend für Berlin, hatten die
       akkreditierten Labore in der Medizin, ein Zusammenschluss mehrere Labore,
       bereits vor den Sommerferien verlauten lassen.
       
       Aus Sicht von Kettgen-Hahn spricht nichts gegen die Einführung einer
       Testpflicht auch für Kita-Kinder – sofern die Lolli-Methode nach dem
       Piloten flächendeckend angewandt werde. „Das ist nicht invasiv wie der
       Nasentest, den Kindern macht das häufig sogar Spaß.“
       
       9 Aug 2021
       
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