# taz.de -- Seenotrettung in Großbritannien: Farage beschert Spendenregen
       
       > Der Brexit-Hardliner hat die königliche Rettungswacht als „Taxidienst“
       > für Flüchtende bezeichnet. Daraufhin erhält die Organisation
       > Rekordspenden.
       
 (IMG) Bild: Um die Rettung von Geflüchteten im Ärmelkanal entbrannten heftige Diskussionen
       
       London taz | Die königliche Rettungswacht Großbritanniens (RNLI) sei ein
       Taxidienst, der Menschenhändlerbanden helfe, so maulte der
       rechtspopulistische Brandstifter und [1][Brexit-Hardliner Nigel Farage]
       neulich. Ihm missfällt, dass die Rettungswacht Bootsflüchtlinge birgt, die
       sich in übervollen Gummibooten [2][über den englischen Kanal bemühen].
       Farage hat seit Neuestem eine Rolle als Fernsehmoderator bei einem neuen,
       den US-Sender Fox-News nachahmenden britischen Nachrichtensender namens
       GB-News inne.
       
       Einige loyale Farage-Anhänger kündigten daraufhin an, die finanzielle
       Unterstützung der Rettungsorganisation abzubrechen. Und letzte Woche wurden
       in London Freiwillige der Wasserwacht vor ihrem Dienstantritt von
       Umstehenden so sehr bedroht und beschimpft, dass die Polizei eingreifen
       musste.
       
       Aber die Gegenreaktion verschlug selbst RNLI-Geschäftsführer Mark Dowie die
       Sprache. Innerhalb von nur 24 Sunden gingen nämlich bei RNLI umgerechnet
       230.000 Euro an Spenden ein – 8.000 Euro sind es sonst im Durchschnitt.
       Viermal so viele Menschen wie sonst suchten die Internetseite zum
       Freiwilligendienst der Organisation auf. Die für Spenden der Organisation
       Zuständige bestätigte, RNLI sei fassungslos über das Ausmaß der
       Unterstützung der letzte Tage.
       
       Und als reiche das nicht, erhielt Farage auch eine Absage von Außenminister
       Dominic Raab, wie Farage einst ein besonders eifriger Brexit-Unterstützer.
       Die Rettungen stünden nicht im Widerspruch „zum robusten Versuch der
       britischen Regierung, [3][Bootsüberquerun-gen zu verhindern]“, sondern im
       Einklang mit dem Recht des Lan-des. „Wir sind ein großherziges Land,“ fügte
       er unmissverständlich hinzu.
       
       Am Donnerstagabend zog Farage dann die Imagenotbremse: „Ich bin stolz, Geld
       für RNLI gesammelt zu haben.“ Er sei ja nicht gegen die Rettungswacht,
       betonte er.
       
       30 Jul 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Britischer-Rechtspopulist-tritt-ab/!5756236
 (DIR) [2] /Flucht-nach-Grossbritannien/!5781970
 (DIR) [3] /Asylrecht-in-Grossbritannien/!5780710
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Ärmelkanal
 (DIR) Nigel Farage
 (DIR) Seenotrettung
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Flüchtlinge
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ertrunkene Flüchtlinge im Ärmelkanal: Im Bann von Nigel Farage
       
       Die jüngst ertrunkenen Migranten im Ärmelkanal zeigen, wie nötig ein
       Kurswechsel in der britische Asylpolitik ist. Doch Regierung wie Opposition
       fehlt der Mut dazu.
       
 (DIR) Flüchtlinge in Seenot: Hunderte harren auf Mittelmeer aus
       
       NGOs haben am Wochenende über 800 Menschen aus Seenot gerettet. Nun suchen
       sie bei großer Hitze einen sicheren Hafen.
       
 (DIR) Flucht nach Großbritannien: Asylgesetz nimmt erste Hürde
       
       Das britische Unterhaus hat für eine Verschärfung des Asylverfahrens
       gestimmt. Derweil sind in nur drei Tagen 800 Bootsflüchtlinge angekommen.
       
 (DIR) Rechtsruck in Großbritannien: Eine illiberale Demokratie
       
       Wer Boris Johnson für einen Politclown hielt, hat sich getäuscht. Er
       verändert Großbritannien in eine autoritäre Richtung.
       
 (DIR) Britischer Rechtspopulist tritt ab: Farage jetzt für Bäume und Ozeane
       
       Als Antreiber des Brexit tritt Nigel Farage erneut von einem Parteivorsitz
       zurück. Er will sich weiter äußern, etwa zu grünen Themen.