# taz.de -- Einschulung in Corona-Zeiten: Ordentlich durchgepustet
       
       > Pandemiebedingt fanden die Einschulungen vielerorts open air und mit
       > weniger Programm statt. Mögen die steifen Zeremonien für immer gestorben
       > sein!
       
 (IMG) Bild: Süß ist der Schulanfang
       
       Manche Dinge werden durch die Pandemie auch einfacher. Der erste Schultag
       des Kindes zum Beispiel, am Wochenende waren ja Einschulungsfeiern in
       Berlin, und am Montag dann der erste Schultag. Normalerweise sind
       Einschulungsfeiern eine Art Staatsakt. Die erweiterte Verwandtschaft reist
       in gebügelten Hemden an, in der Aula will nach der Schulleitung auch noch
       die Hortleitung etwas sagen, und manchmal hat auch noch der Förderverein
       eine Rede vorbereitet. Dann noch Auftritt Chor und Theater-AG, und mitunter
       war dann nach einer Stunde eine arg steife Veranstaltung vorbei, die im
       Zweifel alle etwas eingeschüchtert wieder nach Hause entließ.
       
       Am Samstag war coronabedingt nun alles open air, und die frische Luft
       sorgte tatsächlich für ein bisschen frischen Wind, der das übliche Programm
       angenehm durch- wenn nicht gar komplett wegpustete, und vielleicht wird man
       sich daran in künftigen Jahren ja durchaus wohlwollend erinnern – es wäre
       den kommenden Generationen von ErstklässlerInnen zu wünschen.
       
       An der Grundschule des Sohnes, vielerorts dürfte es ähnlich gewesen sein,
       durften jedenfalls in diesem Jahr nur Eltern und Geschwister auf den
       Schulhof und das „Programm“ beschränkte sich auf ein sympathisch-knappes
       „Hallo“ der Schulleiterin und einer Tanz-Performance einer Gruppe älterer
       SchülerInnen, die erfreulich weit entfernt ist von Volkstanz-Choreographien
       in Zweierreihen. Der Förderverein beschränkte sich hernach aufs Kaffee
       verteilen während die Kinder ihre erste Schulstunde hatten und dann war's
       das auch schon.
       
       ## Die SPD verteilt Brotbüchsen
       
       Vorm Schultor standen dann noch zwei Herren von der Bezirks-SPD und
       versuchten, Brotbüchsen mit roten Herzen drauf loszuwerden. Erstaunlich
       eigentlich, dass die GenossInnen sich noch trauen, gewöhnliche Plastedosen
       zu verteilen, zumal im grün orientierten Pankow, das macht vermutlich
       gleich wieder zwei WählerInnen mehr für die [1][Ultras von der Klimaliste].
       Ebenso erstaunlich, dass [2][Franziska Giffey] herself nicht als Konterfei
       auf der Brotdose prangt, wo die SPD doch sonst gerade fleißig dran
       arbeitet, alles vergessen zu lassen, dass man aus Versehen auch noch die
       SPD wählt, wenn man für ihre Spitzenkandidatin stimmt.
       
       Am Montag ist der Sohn dann das erste Mal richtig zur Schule gegangen. Ohne
       die Brotdose von Frau Giffey, die roten Herzen darauf kamen nicht so gut
       an. Die Corona-Inzidenz stagniert derweil bei einem Wert von um die 60 in
       Berlin, vor einer Woche lag er noch bei 40. Am Dienstag will der Senat
       darüber beraten, wie Berlin die Beschlüsse des Bundes etwa zu
       kostenpflichtigen Tests ab Oktober umsetzen wird um die „Impfmoral“ zu
       erhöhen.
       
       Ich bin immer für die Moral, alleine weil ich einen weiteren [3][Herbst im
       Homeschooling] mit dann zwei schulpflichtigen Kindern nicht erleben will.
       Aber ob man die Leute an die Spritze kriegt, indem man ihnen Druck macht,
       nach dem Motto: Impfung, oder die Kinokarte wird in Zukunft richtig teuer?
       
       Wo ist eigentlich die politische Debatte darüber, wann man von den
       Inzidenzen als immer noch alleinigem Gradmesser abrückt?
       
       16 Aug 2021
       
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