# taz.de -- Schulstart in Berlin: Die Ignoranz der Politik
       
       > Das Schuljahr beginnt, doch viele Eltern, Schüler*innen und Lehrkräfte
       > fühlen sich weniger vorbereitet als vor einem Jahr. Ein fatales Signal.
       
 (IMG) Bild: Klasse, es geht wieder los!
       
       Seit knapp eineinhalb Jahren leben wir im Pandemiemodus, und eine Lehre
       daraus ist, dass es wenige Gewissheiten gibt. Viele Prognosen in Sachen
       Corona sind eingetreten, etwa was die Gefährlichkeit des Virus angeht, die
       sozialen Folgen des Lockdowns, die Wirksamkeit so mancher Gegenmittel. Aber
       einige eben auch nicht, darunter selbst Vorhersagen der Wissenschaft zur
       Verbreitung.
       
       Es überrascht daher nicht, dass auch zum Start des nun schon dritten
       Corona-Schuljahrs in Berlin das Prinzip Trial and Error gilt: Die
       Bildungsverwaltung versucht, [1][mit normalem Präsenzunterricht zu
       starten], und man wartet einfach ab, wie lange das dank Masken, mehr Tests
       und Impfungen machbar ist. 2020 hat der Versuch bis zu dem bundesweiten
       Lockdown Mitte Dezember gedauert, und der wurde bekanntlich nicht wegen der
       Infektionslage an den Schulen notwendig.
       
       Erstaunlich ist hingegen das Gefühl vieler Eltern und Schüler*innen, im
       Vergleich zu 2020 trotzdem deutlich unvorbereiteter ins Schuljahr zu
       starten. Und das liegt an der Ignoranz, mit der Politiker*innen auf
       Bundes- und Länderebene [2][weiterhin den Bereich Bildung strafen.]
       
       Beispiel Luftfilter in Klassenzimmern: Wenn der Politik wirklich etwas am
       Unterricht im klassischen Sinne und an der Arbeit der Lehrer*innen dort
       läge – wäre es dann in den vergangenen 18 Coronamonaten so unmöglich
       gewesen, alle Räume mit dieser einfachen Technik auszustatten? In Berlin
       ist es nicht einmal die Hälfte, und mit dieser Bilanz kann sich
       Schulsenatorin Sandra Scheeres schon rühmen, bundesweit mit an der Spitze
       zu sein.
       
       ## Eine Milliarde für die Wirtschaft! Und für die Bildung?
       
       Gleichzeitig verkündet ihre Parteigenossin und SPD-Spitzenkandidatin für
       die Abgeordnetenhauswahl, Franziska Giffey, der Berliner Wirtschaft
       mindestens eine Milliarde (!) Euro für einen „Neustart“ zukommen lassen zu
       wollen. Wieder mal wird deutlich, wo die politischen Prioritäten liegen.
       
       Beispiel Absprachen: Wie kann es sein, dass sich die
       Ministerpräsident*innen und die Kanzlerin erst am kommenden Dienstag
       zum Gipfel treffen und über die Rahmenbedingungen für die Schulen reden –
       also mehr als eine Woche nachdem in den ersten Ländern die Sommerferien
       vorbei sind? Auch hier ist das politische Signal: komplettes Desinteresse –
       unfassbar eigentlich angesichts des Wahlkampfs im Bund und in Berlin.
       
       Niemand sollte sich deswegen wundern, wenn am Ende dieser Pandemie der
       Stellenwert der Schulen und die Anerkennung für das Berliner und das
       deutsche Bildungssystem noch weiter gesunken sein werden – allen möglichen
       Anstrengungen zur Digitalisierung zum Trotz.
       
       8 Aug 2021
       
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