# taz.de -- Bann für Kreuzfahrtschiffe: Ruhe in Venedigs Altstadt
       
       > Italiens Regierung verbietet großen Kreuzfahrtschiffen die Durchfahrt
       > durch Venedig. Die Pötte zerstören Fundamente und die Umwelt in der
       > Lagune, sagen Kritiker:innen.
       
 (IMG) Bild: Vorbei: Das 16-stöckige fahrende Hochhaus MSC Orchestra verlässt am 5. Juni die Lagune Venedigs
       
       Rom/Venedig dpa | Ob es die Warnung der Unesco war, Venedig auf eine
       Negativ-Liste zu setzen? Große Kreuzfahrtschiffe sollen ab dem 1. August
       nicht mehr durch Teile der Lagune in Venedig fahren, das hat die Regierung
       unter Ministerpräsident Mario Draghi am Dienstagabend beschlossen. Konkret
       sollen die Schiffe nicht mehr durch den Canale della Giudecca, das Bacino
       di San Marco (Markus-Becken) und den Canale di San Marco im historischen
       Zentrum fahren. Es sei ein wichtiger Schritt zum Schutz der Lagune, hieß es
       in einer Mitteilung. [1][Die Regierung hatte zuletzt schon ein Programm mit
       dem Namen „Grüne Revolution und ökologischer Übergang“ angekündigt.]
       
       Die Maßnahme betrifft dem Dekret zufolge Kreuzfahrtschiffe mit mehr als
       25.000 Bruttoregistertonnen oder einer Länge über 180 Metern
       beziehungsweise mehr als 35 Metern Höhe. Es gilt auch für Pötte, die
       gewisse Abgasnormen überschreiten.
       
       Dagegen dürfen Schiffe, die als nachhaltig gelten oder nicht unter die
       Kriterien für das Verbot fielen, weiterhin die Lagune passieren. Das wären
       etwa Kreuzfahrtschiffe mit einer Größenordnung von rund 200 Passagieren.
       
       Als Übergangslösung sollen die Kreuzfahrtschiffe auf den Hafen in Marghera
       ausweichen, der am Festland liegt und nicht im historischen Zentrum
       Venedigs. In dem Industriehafen legen derzeit meist Frachter an.
       Infrastrukturminister Enrico Giovannini will unter anderem für die
       Anlegestellen dort 157 Millionen Euro ausgeben. Der Hafen dürfte aber nur
       eine temporäre Lösung bleiben, denn gleichzeitig sucht der Hafen von
       Venedig einen dauerhaften Anlegeplatz für die Zukunft.
       
       ## Suche nach Ausweichhafen
       
       Eine Expertenkommission will dafür in den kommenden beiden Jahren
       Vorschläge entgegennehmen und sie auf ihre Machbarkeit prüfen. Bis zum 30.
       Juni 2023 soll das Gewinnerprojekt feststehen. Giovanninis Ministerium will
       dafür 2,2 Millionen Euro investieren. Der Verband der Kreuzfahrt-Reedereien
       begrüßte die Maßnahme und hofft damit auf mehr Planungssicherheit in
       Venedig.
       
       [2][Seit Jahren streiten Aktivist:innen, Einheimische und die
       Tourismus-Industrie um die Kreuzer in der Lagune], die regelmäßig mit ihrer
       imposanten Größe den Canale della Giudecca und gleichzeitig den berühmten
       Markusplatz passieren, ein beliebter Ort für Tourist:innen. Nach Ansicht
       der Kritiker:innen zerstören die Riesenschiffe die Umwelt in der
       Lagune, beschädigen die Fundamente der Stadt und verschmutzen die Luft. Der
       Kreuzfahrttourismus bringe der Stadt auch wenig wirtschaftliche Vorteile,
       weil die Passagiere dort nicht schliefen und oft nur wenig Geld ausgäben.
       
       Mit dem nun verhängten Verbot dürfte Rom auf die jüngsten Forderungen der
       UN-Kulturbehörde Unesco eingehen. Ihre Expert:innen hatten vor wenigen
       Wochen vorgeschlagen, Venedig auf eine Liste für gefährdetes Weltkulturerbe
       zu setzen, unter anderem wegen der Kreuzfahrtriesen. Sie verlangten zum
       Beispiel, die Schiffe zu geeigneteren Häfen in der Umgebung umzuleiten.
       Venedig und seine Lagune haben seit 1987 den Welterbestatus der Unesco.
       
       14 Jul 2021
       
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