# taz.de -- Nachtleben in Berlin: Maske auf bei Blaulicht
       
       > Draußen tanzen geht in Berlin wieder. Unsere Autorin wundert sich
       > allerdings über die Masken-Policy in Berliner Clubs.
       
 (IMG) Bild: Manche mit, manche ohne Maske, das sieht man auch in Berlin
       
       Berlin taz | Zwei Tage Wochenende, zwei Partys und zwei Beispiele dafür,
       wie unterschiedlich in Berliner Clubs mit Masken umgegangen wird.
       
       Party Nummer eins: der Innenhof eines alten Industriegebäudes, viel
       Backstein und Teer, wenig grün. Direkt hinter dem Eingang eine Chill-Area;
       hier stehen Tische und Stühle in kleinen Grüppchen. Sitzt man dort, darf
       man seine Maske abnehmen. Ansonsten gilt: Maskenpflicht, beim Stehen, beim
       Gehen, beim Tanzen. Und fast jeder*r hält sich daran.
       
       Ermahnen muss das Personal nur wenige. Ich zähle dazu, als ich mit Drink in
       der Hand neben einem Tisch stehe, statt zu sitzen. Ups, sorry, Maske wieder
       hoch. Auch wenn das Ganze eh an der frischen Luft ist: Man fühlt sich
       sicher. Sich an die Maskenpflicht zu halten, fällt leicht, wenn alle es
       tun.
       
       Meinen Impfnachweis musste ich natürlich am Eingang vorzeigen – so ganz
       lange hat die Einlassperson zwar nicht draufgeguckt, aber ein Blick reicht
       ja eigentlich.
       
       Das ist bei Party Nummer zwei, am Sonntag, anders. Da scrollt die Person am
       Einlass in meinem digitalen Impfpass bis ganz nach unten, wo das Datum der
       Impfung und der Impfstoff drinstehen. Beeindruckend, aber nicht so
       eindrücklich wie das Bild, das sich mir im Inneren des Open Air-Clubs
       darbietet. Auch hier ein Bereich mit Sitzmöglichkeiten, mit einem
       Unterschied: Fast niemand trägt eine Maske.
       
       Das Bild ist krass – zunächst nicht wegen einer potenziellen Gefahr,
       sondern weil ich gefühlt ewig nicht mehr so viel Partyvolk ohne Maske
       gesehen habe. Die Gesichter prasseln nur so auf einen ein. Als zweiter
       Gedanke folgt das moralische Dilemma, das seit der Pandemie nicht aufhört:
       Genieße ich das jetzt oder finde ich das schlimm? Wie gefährlich ist das,
       wenn alle geimpft oder getestet sind (viele sogar offenbar beides) und man
       an der frischen Luft ist? Ist das nicht sicherer, als stundenlang in der
       Kneipe zu sitzen?
       
       Im Smalltalk ist Delta schnell Thema. Aber der Einlass habe die
       Impfnachweise und Tests ja richtig kontrolliert, höre ich, anders, als bei
       einer bekannten Technoparty am Wochenende zuvor. Dort seien Leute mit
       gefälschten Tests hineingekommen, so die Gerüchte.
       
       Für den Fall, dass Polizei oder Ordnungsamt kommen, gibt es ein informelles
       Frühwarnsystem: An den Bars stehen Blaulichter. Blinken sie, sollen alle
       ihre Masken aufsetzen. Das passiert einmal, da ist es aber schon kurz nach
       22 Uhr.
       
       Im Uber auf dem Weg nach Hause gibt mir der Fahrer zu verstehen, dass ich
       von ihm aus keine Maske zu tragen brauche: Das Fenster ist auf, er sei
       geimpft.
       
       3 Aug 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Cristina Plett
       
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