# taz.de -- Impfungen, Frost und ökologische Arbeit: Kalter Kaffee
       
       > Deutschland diskutiert über das Impfen, Kälte bedroht die brasilianische
       > Kaffeeernte. Und eine Studie belegt: Weniger Arbeit ist besser fürs
       > Klima.
       
 (IMG) Bild: Eiszapfen im brasilianischen Sao Joaquim, am Mittwoch, den 28. Juli 2021
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Söder sendet wieder: Tagesthemen, Spiegel, Lanz.
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       „Selbstentsommerlochung“ steckt an.
       
       Brauchen [1][wir die Impfpflicht gegen das Coronavirus]? 
       
       „Schatz, ich hab heute wieder so ’nen Impfdruck!“ Und der solls regeln.
       Kanzleramtsminister Braun hat eine Menge Ohrfeigen bekommen für die
       nüchterne Analyse, dass Geimpfte Vorzüge genießen. Neben dem, geimpft zu
       sein. Bei Reisen, am Arbeitsplatz, im Alltag. Der Staat wird niemanden beim
       Privilegieren hindern, dann muss er es selbst nicht tun. Hofft er.
       
       In Brasilien schneit es, wegen Frost und Dürre drohen Ernteausfälle beim
       Kaffee, insbesondere bei der beliebten Arabica-Bohne. Die Preise für
       Rohware sind auf ein Sechsjahreshoch gestiegen. Verstehen wir im Norden
       vielleicht nur beim Kaffeeklatsch, dass die Klimakatastrophe alle betrifft? 
       
       Ein Pfund Kaffee kostet am Weltmarkt 1,75 Euro – wir zahlen, je nachdem,
       wie fair er getradet wurde, 5 bis 10 Euro dafür. Eines der Produkte, bei
       denen wir Verbraucher den Handel nachgerade anbetteln, in der Preisspanne
       doch auch noch etwas anderes als Profitgier unterzubringen. Fair Trade hat
       erst 5 Prozent Marktanteil in Deutschland, Klima schafft aus dem Nichts 100
       Prozent. Wenn man damit eine Preiserhöhung durchsetzen kann, wird der
       Handel zum Kämpfer gegen Klimaleugnung.
       
       [2][Nach der Explosion in einer Müllverbrennungsanlage] in Leverkusen
       werden zwei Menschen weiter vermisst. Fünf Todesopfer sind schon zu
       beklagen und Dutzende von Verletzten, Anwohner sind in Sorge wegen der bei
       dem Unfall freigesetzten giftigen Stoffe. War die Berichterstattung
       angesichts dieses Bayer-Desasters nicht erstaunlich zurückhaltend? 
       
       Laschets Landesregierung hat inzwischen acht „Entfesselungspakete“
       gezündet, mit denen der Wirtschaft lästige „Statistik- und
       Dokumentationspflichten“ erspart werden. Zudem zerschlug sie die rotgrüne
       „Stabsstelle Umweltkriminalität“, was die Opposition als „Einladung zu
       Umweltverbrechen“ geißelt. So gerüstet steht jetzt die Feuerwehr in
       Leverkusen im Garten und fragt mal nach, ob sie ein bisschen Rußregen
       untersuchen darf.
       
       „PCB, Dioxin- und Furanverbindungen“ – davon „geht die Landesregierung
       aus“, hier wird „einem Verdacht nachgegangen“, dort „aus reiner Vorsicht
       gewarnt“. Neben Schlimmerem ist der Landesregierung ein Großtank
       Konjunktive um die Ohren geflogen; und da man nichts Genaues weiß, steht
       das auch so in den Medien – nichts Genaues. Die explodierte Müllverbrennung
       stand auf einer Sondermülldeponie, über die gerade eine Autobahnbrücke
       gebaut wird. Gute Fahrt!
       
       In der Union [3][ist man beunruhigt über Armin Laschets Performance]. Einer
       seiner Unterstützer in der CDU erregt sich laut „FAZ“, neben Kanzlerin
       Merkel sei der Kanzlerkandidat wie ein „Referent“ dahergelaufen, als die im
       Hochwassergebiet zu Besuch war. Ist es nicht sympathisch, dass sich jemand
       nicht so in den Vordergrund drängt?
       
       Haha. Angela „Warum führt sie nicht“ Merkel als Kontrast zu Armin „Warum
       führt er nicht“ Laschet. Wir Medien sind doch auch sehr niedlich manchmal.
       
       Wie läuft denn Olympia? 
       
       An mir vorbei.
       
       Die Inflation in Deutschland ist auf 3,8 Prozent gestiegen. Beunruhigt sie
       das? 
       
       Es gibt mir so ein mediterranes Feeling. Die EU wird erzählt als
       Titanenkampf zwischen nordischer Sparsamkeit und südlichem Gelddrucken.
       Keine Zinsen, keine Inflation, kein Spaß – haben wir ja gehabt.
       
       Wir erreichen Sie im Homeoffice. In Frankfurt hat die Allianz-Versicherung
       gerade ein Bürohochhaus für 1,4 Milliarden Euro erworben. Begrüßen Sie
       Investitionen in den Auswärtsarbeitsplatz? 
       
       Man hört jetzt viel von Firmen, die sich verkleinern und die Miete, die
       hergelaufene Belegschaft für’s Heimbüro zahlen lassen. Bin gespannt, wann
       eine „Mietkomponente“ in Tarifverträgen auftaucht. Oder „Umbau von Büro- in
       Wohnraum“ ein Investmentmodell wird.
       
       Laut einer Studie der US-amerikanischen Ökonomin Juliet Schor ist der
       ökologische Fußabdruck umso kleiner, je weniger Arbeitsstunden ein
       Erwerbstätiger leistet. Welche Partei würde ein solches Projekt durchsetzen
       können? 
       
       Das Projekt Massenarbeitslosigkeit? Hingekriegt haben es bisher alle.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Saisonziel laut Kapitän Marco Reus: „Mal sehen.“ Unterschreibe ich.
       
       Fragen: waam
       
       1 Aug 2021
       
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