# taz.de -- Tocotronic-Musiker Arne Zank über Buch: „Eine Art mentale Jogginghose“
       
       > Tocotronic-Drummer Arne Zank kann auch zeichnen. Seine alte Cartoon-Serie
       > „Die Vögel“ hat er nun in Buchform veröffentlicht.
       
 (IMG) Bild: Zanks „Vögel“ wollen die „Parodie eines Graphic Roadmovies“ sein
       
       So mies die Coronapandemie für viele Künstlerhaushalte auch ausfiel, sie
       hatte gelegentlich den Vorteil, dass manch Unvollendetes in Ruhe
       fertiggestellt werden konnte und die so entstandenen Produkte nun das Leben
       verschönern. Daher konnte auch Arne Zank, der ansonsten bei der Band
       Tocotronic trommelt, ein altes Talent zu neuer Blüte bringen:
       Cartoon-Zeichnen. 
       
       Der studierte Illustrator hatte seine Serie „Die Vögel“ schon in den
       1990ern begonnen und später auch als Webtoon herausgegeben. Jetzt liegt sie
       als vollendetes Abenteuer in Buchform vor. Witzig und kurzweilig stolpern
       die äußerst rau und minimalistisch gezeichneten Charaktere durch
       Norddeutschland und Dänemark. [1][Viele Verweise erinnern an Tocotronic],
       etwa die Trainingsjacken der Fans bei einem Indiekonzert und diverse
       Lieder-Zitate. Der Schöpfer spielt hier auch mit verschiedenen
       Erzählperspektiven und leistet sich den einen oder anderen Cameoauftritt. 
       
       taz: Herr Zank, um was für Vogelarten handelt es sich bei den
       Protagonisten? 
       
       Arne Zank: Keine bestimmten – Enten liegen nahe, aber ich sehe die
       Charaktere eher als Menschen.
       
       Haben sie Namen? 
       
       Nein, nur Bezeichnungen, wie Cousin.
       
       Welchen Geschlechts sind die Vögel? 
       
       Das bleibt offen. Oft wird der/die Kleinere weiblich gelesen. Die zwei
       Helden waren mal männlich angelegt. Sie erschienen einst als Cartoonserie
       in der Kölner Stadtrevue.
       
       Ständig haben die Protagonisten Probleme mit der Polizei. Gibt es dafür
       tiefere Gründe? Zudem wirkt die Polizei etwas vertrottelt. 
       
       [2][Obwohl ich mit Punkrock sozialisiert bin], hatte ich persönlich keine
       besonders unangenehme Erfahrungen mit der Staatsgewalt. Es gibt eine
       gewisse Paranoia, keinen Scheiß zu bauen. Dadurch, dass die Jungs hier noch
       grüne Uniformen tragen, habe ich die eigene Kindlichkeit mit reingebracht.
       
       Ab und zu gibt es auch interessante Wortkreationen. Was ist etwa ein
       „Jogginghosengesicht“? 
       
       Eine Art mentale Jogginghose, die sich in schlaffer Mimik äußert.
       
       Doktor Arne Zank, woher haben Sie eigentlich Ihren Doktorgrad? 
       
       (Zögernd) Ich bin Ehrendoktor einer tschechischen Universität, auf der auch
       Spejbl und Hurvínek promovierten.
       
       Man sieht mal das Foto eines Auges – Ihres? – in einem Bild. Welche Rolle
       spielen Sie selbst in den Cartoons? 
       
       Das ist ein Dialog mit dem Schöpfer. (Kommt am Ende wieder vor – Anm. d.
       Red.) Ich machte täglich eine Folge und stürzte die Figuren in krasse
       Abenteuer. Manchmal war das die Lösung, aus einem Cliffhanger-Dilemma
       wieder rauszukommen. Ich wollte eigentlich noch mehr stilistische Brüche,
       wie etwa den Einsatz von Aquarellfarbe in Traumsequenzen.
       
       Was trieb Sie beim Zeichnen der Plots an? 
       
       Ich mag die klassische Form der Zeitungscartoons, deren Serien meist sehr
       lange publiziert werden. Um ein großes Kunstwerk zu schaffen, fehlt mir der
       Glauben daran. Aber ich wollte stoisch bei einer Sache bleiben. Ich habe 36
       Toons geschafft, jeden Morgen in der Küche eine Folge gezeichnet. Wenn eine
       Sequenz endet, habe ich immer drei kleine Punkte gemacht. Meine Freundin
       Tina war immer wieder als Beraterin und Inspiratorin wichtig.
       
       Wie erstellen Sie diese Cartoons technisch? Gibt es Regeln, etwa wie: keine
       Korrekturen? 
       
       Ja, jeder Strich gilt. Ich zeichne auf Papier, fotografiere dann mit dem
       iPhone und nutze einige Bearbeitungsprogramme, wie zum Beispiel für Farben
       oder „scharf zeichnen“. Ich beobachte mich selbst dabei, wie sich die
       Formen im Laufe der Zeit leicht ändern. Liegen die Panels beispielsweise
       zuerst noch frei auf der Fläche, nehmen sie dann zunehmend fast
       quadratischen Form an.
       
       Sie sagten mal, dass Sie „alles Selbstbewusste, Professionelle,
       Fingerfertige abstoße“ – wie meinen Sie das? 
       
       Eher in Abgrenzung zu einer Modeerscheinung, der nachgeeifert wird. Ich
       habe eher was übrig für Punkrock. Damit meine ich aber nicht das
       Liebevolle, welches ja auch zu mehr Professionalität führen kann.
       
       Sie sind ja außerdem noch Musiker mit einer gewissen Bekanntheit und haben
       entsprechend viel zu tun. Wie wird das Zeichnen weitergehen, wenn
       Tocotronic wieder tourt? Kommen die Bücher mit ins Merchandising? 
       
       Kann ich mir vorstellen. Ich will auch die Routine des „Morgen-Cartoons“
       erhalten. Und ich kann mir vorstellen, dass wir das Buch auch am Stand
       verkaufen. Am besten mit weißen Handschuhen, wegen des weißen Einbands.
       
       20 Jul 2021
       
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