# taz.de -- Spendenaktion für zivile Seenotrettung: Ein Geschenk an Horst
       
       > Am Sonntag feiert Innenminister Horst Seehofer seinen 72. Geburtstag.
       > Mehr als 6.000 Menschen wollen ihm etwas ganz Besonderes schenken.
       
 (IMG) Bild: Da wird der Horst sich freuen
       
       Berlin taz Sollte [1][Horst Seehofer] am Sonntag zufällig in Berlin sein
       und arbeiten, kann er sein Geburtstagsgeschenk persönlich in Empfang
       nehmen. Die Frage ist: ob er auch wollte. Denn das Geschenk, das sich die
       [2][zivile Hilfsorganisation Sea-Eye] zu seinem 72. Geburtstag ausgedacht
       hat, wird nicht nach seinem Geschmack sein.
       
       Horst Seehofer erhält eine gigantische Spendenurkunde, die belegt, dass
       viele Menschen im Land das Sterben auf dem Mittelmeer beenden wollen. Mehr
       als 6.000 Menschen haben schon für diesen Anlass Geld gespendet. Es soll
       der zivilen Seenotrettung – der Arbeit von Sea-Eye – zugute kommen. Bis
       Donnerstagabend kamen mehr als 190.000 Euro zusammen.
       
       Das Geburtstagsgeschenk ist eine späte Reaktion auf Seehofers vielleicht
       umstrittenste Aussage als Innenminister. Vor drei Jahren scherzte Seehofer
       auf einer Pressekonferenz darüber, dass zu seinem 69. Geburtstag 69
       Menschen nach Afghanistan abgeschoben worden seien, obwohl das „von mir
       nicht so bestellt“ war.
       
       Die Empörung über so viel Zynismus sei bei ihm heute noch nicht
       abgeklungen, erzählt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. Einer der
       Abgeschobenen hat sich kurz darauf in Afghanistan das Leben genommen. „Dass
       ein Minister das Schicksal von 69 Menschen für einen Witz missbraucht, sagt
       viel über den Menschen Seehofer aus“, so Isler. Das Geburtstagsgeschenk
       soll an diese Aussage erinnern.
       
       ## Schüsse und Push-Backs im Mittelmeer
       
       Unterstützt wird die Kampagne #EinGeschenkFürHorst von mehren Promis,
       darunter der Hip-Hopper Jan Delay. „Ziemlich eklig und menschenverachtend“,
       nennt Delay Seehofers Aussage von damals. Als einen von vielen „zynischen
       Momenten in der deutschen Flüchtlingspolitik“ die Autorin Sophie Passmann.
       Auch die Schauspielerin Ruth Moschner oder der Musiker Boris Lauterbach von
       der Band „Fettes Brot“ beteiligen sich mit kurzen Video-Statements an der
       Aktion.
       
       Gorden Isler betont, dass es ihnen nicht um die Person Seehofer, sondern um
       die unmenschliche Asylpolitik der Bundesregierung gehe. „Und die hat sich
       leider nicht geändert“. Erst am Donnerstag hätte die libysche Küstenwache
       Schüsse auf Geflüchtete abgegeben, um das Schlauchboot zur Umkehr zu
       zwingen, so Isler, „und zwar in maltesischen Gewässern“.
       
       Gleichzeitig habe die Bundesregierung in der Vergangenheit nichts
       unternommen, um die zivile Seenotrettung zu unterstützen. Im Gegenteil: Der
       zunehmenden Kriminalisierung der zivilen Seenotretter in der EU stelle sich
       Horst Seehofer nicht entgegen. Derzeit ist nur ein Schiff von SOS
       Mediterranée im Einsatz, die „Ocean Viking“. Andere Schiffe sind aktuell
       festgesetzt oder müssen technisch nachgerüstet werden, um wieder auslaufen
       zu dürfen.
       
       Die Geschenk-Aktion von Sea-Eye fällt zusammen mit einer anderen Aktion
       rund um Horst Seehofer. In einem Fake-Video eines Künstlerkollektivs
       fordert Seehofer die Kommunen auf, Geflüchtete aus griechischen Lagern
       aufzunehmen – was eine Umkehr seiner bisherigen Politik bedeutet hätte.
       
       ## Hoffen auf neue Regierung
       
       Tatsächlich sind deutschlandweit 253 Städte und Kommunen bereit,
       geflüchtete Menschen aufzunehmen. Seehofer hat dies bisher nicht genehmigt.
       Das Bündnis „Seebrücke“ fordert unter anderem, dass die Bundesregierung für
       sichere Fluchtwege und gegen die derzeitige EU-Abschottungspolitik
       eintritt.
       
       Dass dies mit einer von der Union geführten Bundesregierung nicht passieren
       wird, darauf deutet auch das neue Wahlprogramm von CDU/CSU hin. Gorden
       Isler von Sea-Eye hofft deshalb auf die Bundestagswahlen im September. Eine
       Änderung in der Asylpolitik könne es nur geben, wenn die Union nicht mehr
       an der Macht sei.
       
       2 Jul 2021
       
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