# taz.de -- Polizeieinsätze gegen Partys in Hamburg: Spot an, Knüppel frei
       
       > Gegen feiernde Jugendliche setzt der Hamburger Senat ganz auf Repression,
       > erst in den Ausgehvierteln, nun im Stadtpark. Ein Angebot macht er nicht.
       
 (IMG) Bild: Deeskalation auf Hamburgisch: Lichtmast der Polizei im Hamburger Stadtpark am 18. Juni
       
       Es ist vollbracht: Hamburgs Senat hat ein neues Ritual geschaffen. Auch an
       diesem Wochenende trafen sich [1][wieder tausende Jugendliche] auf der
       großen Stadtparkwiese. Die Polizei beleuchtete die Szenerie mit
       Scheinwerfern, entdeckte gemeinsam tanzende Menschen, ermahnte sie, die
       Abstandregeln einzuhalten – und als das nicht fruchtete, räumte sie den
       Park mit Gewalt.
       
       Wie jede Woche eskalierte die Lage, flogen Flaschen. Wieder meldete die
       Polizei Verletzte und es zählte niemand die verletzten Jugendlichen. Wieder
       hagelte es Anzeigen. Das ganze einmal am Freitag und einmal am Samstag, bei
       einer Corona-Inzidenz von 9,347. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich im
       Stadtpark überhaupt ein frisch infizierter und deshalb nicht
       diagnostizierter Mensch aufhält, dürfte weit unter 0,1 Prozent liegen.
       
       Etabliert hat der Senat dieses Ritual, indem er die jungen Menschen [2][von
       überall dort vertrieben] hat, wo sie sich vorher trafen: Aus St. Pauli, dem
       [3][Schanzenviertel], vom Altonaer Balkon, aus [4][Ottensen], vom
       Winterhuder Kai. Ebenfalls mit Polizeigewalt, und, wie man dachte, noch
       viel raffinierter: Mit einem Alkoholverkaufsverbot ab 14 Uhr.
       
       Die erste Lehre für die Politik ist, dass das wohl doch nicht so ein
       raffiniertes Instrument ist, zumindest nicht zum Schutz vor
       Coronainfektionen. Allenfalls zum Schutz der Anwohner:innen inzwischen
       aufgewerteter Viertel vor Lärm und Dreck. Die Jugendlichen kümmert es
       nämlich herzlich wenig, wenn es vor Ort nichts zu trinken gibt. Sie nehmen
       sich Vorräte mit. Es gehört nicht viel dazu, sich vorzustellen, dass das
       nicht kistenweise Bier sein wird, sondern eher harter Alkohol. Und dass das
       dem „Hochkochen“ der Stimmung förderlich ist.
       
       ## Wird das Tanzen an der frischen Luft entkriminalisiert?
       
       Wenn der Senat diese Woche darüber spricht, ob er das Tanzen an der
       frischen Luft entkriminalisiert, kann man nur hoffen, dass die Ergebnisse
       nicht auf sich warten lassen, bis die Ferien und der Sommer vorbei sind –
       oder bis die Delta-Variante das ganze Land, zumindest aber die ungeimpfte,
       junge Bevölkerung im Würgegriff hat.
       
       Dann wäre für die Jugend ein weiterer Sommer verloren. Und
       Polizist:innen würden weiterhin in einem sinnlosen Konflikt verheizt,
       den sie nicht gewinnen können. Aber vielleicht zieht die Stadt auch einfach
       wie bei „Planten un Blomen“ einen soliden Stahlzaun rund um den Stadtpark.
       
       28 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Raeumung-von-feiernden-Jugendlichen/!5777384
 (DIR) [2] /Jugendliche-muessen-endlich-feiern-duerfen/!5776320
 (DIR) [3] /Jugendliche-muessen-endlich-feiern-duerfen/!5776320
 (DIR) [4] /Polizei-vertreibt-feiernde-Jugendliche/!5774651
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Kahlcke
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Polizei Hamburg
 (DIR) Stadtpark
 (DIR) Party
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Tanzverbot
 (DIR) Polizei Hamburg
 (DIR) Polizei Hamburg
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Polizei Hamburg
 (DIR) Alkoholverbot
 (DIR) Hamburg Schanzenviertel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Polizeiausbildung in Hamburg: Es mieft im Neubau
       
       Am Montag wurde die Grundsteinlegung eines Neubaus der Hamburger
       Polizeiakademie gefeiert. Das Geld hätte man auch besser investieren
       können.
       
 (DIR) Polizeigewalt in Hamburg: Faustschlag gegen Jugendlichen
       
       Nach der Veröffentlichung eines Videos sorgt ein Hamburger Polizeieinsatz
       für Diskussionen. Ein Beamter prügelt darin auf einen Jugendlichen ein.
       
 (DIR) Öffentliches Feiern in Hamburg: Tanz im Gehege
       
       Für den Stadtpark gibt es das nächste Alkoholverbot in Hamburg. Dafür hat
       der Senat das Tanzen unter freiem Himmel erlaubt. Zumindest theoretisch.
       
 (DIR) Räumung von feiernden Jugendlichen: Wenn die Polizei zur Party kommt
       
       In Hamburg und Bremen feierten Jugendliche am Wochenende ausgelassen. Die
       Polizei reagierte in Bremen zurückhaltend, in Hamburg eskalativ.
       
 (DIR) Hamburg bekämpft öffentliches Feiern: Die neuen Trinkregeln
       
       In Hamburg werden Orte, an denen junge Menschen Alkohol trinken, zu
       „Hotspots“ erklärt und von der Polizei geräumt – aber Kneipen dürfen
       öffnen.
       
 (DIR) Jugendliche müssen endlich feiern dürfen: Right to party
       
       Die Jugend hat unter Corona am meisten gelitten. Jetzt muss sie jung sein
       und entsprechend leben dürfen, statt schon wieder gegängelt zu werden.