# taz.de -- Urteil nach Mord an George Floyd: Für eine bessere Zukunft
       
       > Derek Chauvin wurde zu 22,5 Jahren Haft verurteilt – ein wichtiger
       > Schritt. Das Grundproblem jedoch ist so nicht zu lösen: Rassismus.
       
 (IMG) Bild: Auch nötig wegen Rassismus: bewaffnete Security auf einer Demo in Minneapolis nach dem Urteil
       
       Der Mörder von George Floyd wurde am Freitag [1][zu einer Haftstrafe von
       22,5 Jahren verurteilt]. Das Urteil hätte auch deutlich höher ausfallen
       können – [2][die Staatsanwaltschaft hatte 30 Jahre beantragt] – doch in
       Anbetracht der Umstände darf das Strafmaß als angemessen angesehen werden.
       Immerhin ist es eine der höchsten Strafen, die jemals gegen einen
       US-Polizisten in Zusammenhang mit der Tötung eines Afroamerikaners verhängt
       wurde. Und nun?
       
       Es waren 9 Minuten und 29 Sekunden, die auf der ganzen Welt für Empörung
       und Entsetzen sorgten. Genau so lange drückte nämlich der frühere Polizist
       Dereck Chauvin sein Knie in den Nacken des am Boden liegen Floyd. Für den
       46-jährigen Afroamerikaner waren es [3][die letzten 569 Sekunden seines
       Lebens]. Für die amerikanische Gesellschaft war es ein erneuter Weckruf.
       Ein Weckruf, der abermals verdeutlichte, dass nicht alle Menschen in den
       Vereinigten Staaten gleich behandelt werden.
       
       Rassismus ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch mehr als 150
       Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei weiterhin ein Problem. Die
       [4][Polizeigewalt], mit der sich vor allem Schwarze und auch andere
       Minderheiten im Land auseinandersetzen müssen, ist dabei nur eines der
       Symptome.
       
       Floyds Tochter Gianna sagte im vergangenen Jahr, dass ihr Vater mit seinem
       Tod die Welt verändert hätte. Zu wünschen wäre es, doch die Realität sieht
       auch mehr als ein Jahr später weiterhin anders aus. Chicago, Brooklyn
       Center oder Elizabeth City – was diese US-Städte gemeinsam haben, ist, das
       in allen von ihnen auch nach Floyds Tod Afroamerikaner durch Polizeigewalt
       ums Leben kamen. Ihre Namen sind [5][Adam Toledo], [6][Daunte Wright] und
       [7][Andrew Brown Jr].
       
       Dass es nicht so weitergehen kann, dürfte den meisten spätestens 2021
       bewusst sein. Eine Lösung scheint trotzdem in weiter Ferne. Forderungen wie
       „Defund The Police“ sind in dieser Diskussion eher kontraproduktiv,
       besonders in einer Zeit, in der viele US-Städte mit steigenden Mordraten zu
       kämpfen haben.
       
       US-Präsident Joe Biden hat sich für umfassende [8][Polizeireformen]
       ausgesprochen. Dagegen gibt nichts einzuwenden – am Ende ist es nur aber
       ein Tropfen auf dem heißen Stein. Neue Trainingsmethoden, eine klarere
       Rechtslage und eine Sensibilisierung in Sachen Alltagsrassismus können
       dabei helfen, die Symptome zu bekämpfen.
       
       Doch das eigentliche Problem bleibt bestehen. Der Gedanke, der noch immer
       in den Köpfen vieler US-Bürger*innen und Polizist*innen existiert: „NOT
       all men are created equal.“
       
       26 Jun 2021
       
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