# taz.de -- Petition der Woche: Schlagerverbot
       
       > Ein Abiturient aus Oberursel in Hessen will verhindern, dass auf der
       > Afterparty seines Abiballs Schlager läuft. Dafür sammelt er jetzt
       > Unterschriften.
       
 (IMG) Bild: Dank eines Zelts soll es in Oberursel auf dem Abiball so aussehen wie hier 2012 in Magdeburg
       
       Für Jerome Schlaback und seine Freund*innen waren die vergangenen Monate
       hart. Es war das letzte Schuljahr vor dem Abitur. [1][Coronablues],
       [2][Homeschooling] und diese Fragen von älteren Menschen, wie es nach der
       Schule weitergeht. Am Tag vor den Osterferien kam dann auch noch der Lehrer
       in die Klasse und sagte, sie müssten alle sofort nach Hause gehen.
       
       Bei drei Mitschülern waren zwei Streifen auf der Testkassette erschienen,
       coronapositiv, sie alle mussten sofort in Quarantäne. Dort saß dann die
       komplette Oberstufe des Gymnasiums Oberursel, lernte wie blöd und sah sich
       erst in der Schule zur Abiturprüfung wieder.
       
       Jerome sagt am Telefon, dass er sich nicht sicher ist, ob er ohne Corona
       ein besseres Abitur geschrieben hätte. Aber allein und in Isolation lernen,
       das sei hart gewesen. Und deshalb hat Jerome eine Petition gestartet. Nicht
       weil er was am Homeschooling ändern will. Sondern weil jetzt, nach all dem
       Stress, Zeit für eine richtige Party ist.
       
       Feiern will Jerome zu guter Musik, sagt er, und auf keinen Fall zu
       Schlager. In seiner Petition steht: „Kein Schlager auf der
       Abiball-Afterparty! Es ist kein Fasching, heißt kurz gesagt, es läuft kein
       Schlager.“ [3][Deshalb sammelt Jerome Unterschriften, 22 hat er schon.]
       
       ## Mal wieder abgehen
       
       Jerome wittert hinter der Schlagersache eine stufeninterne Intrige,
       Musiklobbyismus quasi, denn der DJ, der für die Mickie-Krause-Misere
       verantwortlich sein wird, wurde öfters mit dem Organisationskomitee des
       Abiballs gesehen. Der Schlager-DJ, der ebenfalls in die Abiturstufe des
       Gymnasiums Oberursel geht, ist mit den Organisator*innen des Balls
       befreundet – die wiederum Schlagerfans sind.
       
       „Er ist eigentlich voll der coole Typ“, sagt Jerome. „Bei Geburtstagen legt
       er auch oft auf. Er hat es schon drauf; wenn er da Schlager spielt, dann
       geht’s eigentlich immer übel ab.“ Jerome und seine Freunde wollen endlich
       mal wieder zusammen abgehen, nach der „Scheiß-Coronazeit“, sagt er, aber zu
       Schlager ginge das nicht. Dann, wenn der offizielle Teil des Abiballs
       vorbei ist und die Eltern endlich nach Hause gehen, da müsste schon etwas
       „Heftigeres“ laufen.
       
       Was würde er denn gerne hören? „102 Boyz“, sagt Jerome. „Bisschen was
       Aggressives, nach all der Zeit daheim. Wir hören lieber Rap. Dazu kann man
       gut abgehen.“ Der auf Spotify am meisten gehörte Song der 102 Boyz heißt
       „Bier“, der Refrain geht so: „Alle meine Brüder stinken morgens schon nach
       Bier / Chapo 1-0-2, ich trinke Bier, auch schon vor vier / Jetzt schon
       ratzevoll, doch nix befriedigt meine Gier / Trinke nur pur Wodka, 1-0-2
       markiert Revier“
       
       ## Eigentlich war es ein Gag
       
       Jerome sagt, dass das mit der Musik für die Party schwierig sei, denn sie
       alle hätten natürlich auch verschiedene Geschmäcker. Und es gäbe in seiner
       Stufe bestimmt Menschen, die 102 Boyz nicht gut fänden. Deshalb gäbe es
       aber keinen Stress in der Stufe, auch nicht wegen der Petition. „Das sollte
       eher ein Gag sein“, sagt Jerome. In einer Whatsapp-Gruppe schicken sich
       seine Freunde und er absurde Petitionen hin und her, das sei so ein Ding
       zwischen ihnen.
       
       Übrigens, alle Schüler*innen des Gymnasiums Oberursel haben das Abitur
       geschafft. Trotz der Pandemie. „Wir haben unser Abitur, es ist unsere
       Feier, es ist unser Tag“, sagt Jerome. „Vielleicht ist die Musik dann auch
       eher nebensächlich.“
       
       11 Jul 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Niko Kappel
       
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