# taz.de -- Deutsche Staatsangehörige in Syrien: USA erinnern an IS-Gefangene
       
       > Die USA fordern die Rückführung von IS-Anhänger*innen in ihre
       > Herkunftsländer. Auch mehr als 200 Deutsche sitzen in Syrien weiter fest.
       
 (IMG) Bild: US-Außenminister Antony Blinken beim Ministertreffen am Montag in Rom
       
       Berlin taz | Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: US-Außenminister Antony
       Blinken hat am Montag die Forderung Washingtons erneuert, IS-Anhänger*innen
       und deren Angehörige aus Lagern in Nordsyrien in ihre Herkunftsländer
       zurückzuholen. In Syrien sitzen noch immer Hunderte ausländische Ex-Kämpfer
       sowie deren Ehefrauen und Kinder fest, darunter auch [1][rund 230
       Deutsche].
       
       Ex-US-Präsident Trump hatte eine Rückführung gefordert. Auch die kurdische
       Selbstverwaltung in Nordsyrien, die die Lager kontrolliert, fordert dies
       seit Jahren. „Die Lage ist schlichtweg unhaltbar. Sie kann einfach nicht
       auf Dauer bestehen bleiben“, sagte Blinken am Montag bei einem Treffen der
       Anti-IS-Koalition in Rom. Insgesamt seien noch 10.000 ehemalige IS-Kämpfer
       in den Lagern inhaftiert.
       
       Die Bundesregierung hat bislang nur sehr vereinzelt Deutsche aus Syrien
       zurückgeholt. Das Zögern erklärt sich daraus, dass in vielen Fällen keine
       ausreichenden Informationen vorliegen, um eine Untersuchungshaft anordnen
       und eine strafrechtliche Verfolgung aufnehmen zu können. Viele
       Rückkehrer*innen müssten nach ihrer Einreise nach Deutschland daher auf
       freien Fuß gesetzt werden.
       
       Bei dem Treffen in Rom ging es unter anderem um das Wiedererstarken der
       IS-Terrororganisation in Syrien und Irak, aber auch in anderen Ländern. In
       einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich die Mitglieder der
       Anti-IS-Koalition „tief besorgt“ über die Aktivitäten der
       Terrorist*innen in der Sahel-Zone und im ostafrikanischen Mosambik.
       
       Zwar seien in den vergangenen Jahren viele Erfolge erzielt worden, sagte
       Blinken, „aber es gibt noch Arbeit“. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD)
       sagte: „Der IS in Irak und Syrien ist zurückgedrängt, aber nicht
       geschlagen, in anderen Regionen gewinnt er sogar an Einfluss.“
       
       ## US-Angriffe im Grenzgebiet
       
       Wenige Stunden zuvor, in der Nacht auf Montag, hatten US-Kampfjets zum
       zweiten Mal seit Amtsantritt Joe Bidens als US-Präsident Stellungen in Irak
       und Syrien bombardiert. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Die Syrische
       Beobachtungsstelle für Menschenrechte [2][meldete] am Montag sieben
       Todesopfer, rechnete aber aufgrund mehrerer Schwerverletzter mit weiteren
       Toten. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete ein
       getötetes Kind.
       
       Der irakische Ministerpräsident Mustafa al-Kadhemi verurteilte die
       US-Angriffe. Sie stellten eine „eklatante und inakzeptable Verletzung der
       irakischen Souveränität und der irakischen nationalen Sicherheit dar“, so
       al-Kadhemi.
       
       Irak ist zum Hauptaustragungsort des Konfliktes zwischen den USA und Iran
       geworden. Die US-Luftangriffe hätten Zielen gegolten, die von proiranischen
       Milizen genutzt worden seien, teilte das Pentagon mit. Von den
       Einrichtungen aus seien Angriffe auf US-Personal und -Einrichtungen im Irak
       gestartet worden. Es handele sich um zwei Ziele in Syrien und eines im
       Irak. Das Pentagon sprach von einem Defensivschlag. Hintergrund sei die
       anhaltende Serie von Anschlägen durch vom Iran unterstützte Gruppen gegen
       US-Ziele im Irak.
       
       Der iranischen Führung nahestehende Milizen sind fester Bestandteil der
       politischen Landschaft Iraks. Sie spielten eine wichtige Rolle im Kampf
       gegen den IS und konnten nach dessen Niederlage ihre Macht im Land
       festigen.
       
       Ein Teil dieser Milizen wendet sich gegen jegliche Präsenz ausländischer,
       vor allem US-amerikanischer Truppen im Land. Immer wieder werden
       Stellungen, die von der US-Armee und anderen Mitgliedern der
       internationalen Anti-IS-Koalition genutzt werden, angegriffen.
       
       Deutschland beteiligt sich derzeit mit rund 250 Soldat*innen am Einsatz
       gegen den IS. Die Bundeswehr bildet irakische Streitkräfte aus, überwacht
       den Luftraum und steuert Tankflugzeuge für den Einsatz der Koalition bei.
       Das Mandat läuft noch bis Ende Januar nächsten Jahres.
       
       28 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://dgap.org/de/forschung/publikationen/deutschland-muss-seine-staatsbuerger-aus-nordsyrien-zurueckholen-0
 (DIR) [2] https://www.syriahr.com/7-%D9%82%D8%AA%D9%84%D9%89-%D9%85%D9%86-%D8%A7%D9%84%D8%AD%D8%B4%D8%AF-%D8%A7%D9%84%D8%B4%D8%B9%D8%A8%D9%8A-%D9%88%D8%AA%D8%AF%D9%85%D9%8A%D8%B1-%D9%85%D8%B3%D8%AA%D9%88%D8%AF%D8%B9-%D9%88%D9%86/441170/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jannis Hagmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
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