# taz.de -- Klimawahl 2021: Gegen Baerbock und Scholz
       
       > Die Extinction-Rebellion-Aktivistin Lu Yen Roloff möchte als Unabhängige
       > Bewegung in den Bundestag bringen. In Potsdam tritt sie gegen zwei Promis
       > an.
       
 (IMG) Bild: „#EinfachMachen“ ist das Motto von Lu Yen Roloff
       
       „#EinfachMachen“ ist das Motto der Bundestagskandidatur von Lu Yen Roloff.
       Die Klimaaktivistin von Extinction Rebellion tritt als parteiunabhängige
       Direktkandidatin im Wahlkreis 61 in Potsdam gegen Annalena Baerbock (Grüne)
       und Olaf Scholz (SPD) an.
       
       Als die 43-Jährige und ihr Team sich vor einigen Monaten für den Wahlkreis
       entschieden, stand noch gar nicht fest, dass Olaf Scholz auch dort
       kandidieren werde, sagt die geborene Bielefelderin im taz-Gespräch. „Ich
       wollte einfach in Potsdam leben, wo ich seit vielen Jahren Freunde besucht
       habe.“
       
       Aber auch strategisch schien der Wahlkreis gut geeignet. „Weil CDU und SPD
       hier unter 30 Prozent sind und tendenziell auf dem absteigenden Ast, sodass
       man überhaupt eine realistische Chance auf das Direktmandat hat.“
       
       Als sie erfuhr, dass Olaf Scholz kandidiert, dachte sie, es sei vorbei mit
       ihren Chancen auf den Bundestag. „Und dann haben wir uns dazu entschieden,
       dass es eine sehr gute Möglichkeit ist, auf unsere Themen aufmerksam zu
       machen.“ Denn mit den Polit-Promis Baerbock und Scholz als
       Konkurrent*innen kann sie sich medialer Aufmerksamkeit gewiss sein.
       
       ## Eine neue Art von Politik
       
       Unterstützt wird die Kandidatin mit malaysischem Familienhintergrund von
       der Initiative „Brand New Bundestag“, die es sich zum Ziel gesetzt hat,
       neue Gesichter in die Politik zu bringen und die Parlamente diverser zu
       machen. Dabei versteht sich die Initiative als Bindeglied zwischen
       Zivilgesellschaft und Politik.
       
       Roloff sieht sich als Bewegungspolitikerin, die politische Beteiligung
       „einfacher machen“ will. „Ich möchte nicht diejenige sein, die mit einem
       komplett fertigen Programm ankommt und sagt, so müssen wir das jetzt
       machen.“ Das Ziel ihrer Wahlkampagne sei es, mit Menschen gemeinsam
       Lösungen zu entwickeln und mit bereits vorhandenen Ressourcen zu arbeiten.
       
       Die gelernte Journalistin will für eine neue Art von Politik stehen, wie
       sie in den USA von Demokratischen Kandidat*innen wie Bernie Sanders und
       Alexandria Ocasio-Cortez etabliert wurde. So war der Wahlspruch von
       Sanders: „Not me, Us.“ Die ehemalige Greenpeace-Campaignerin hat Ähnliches
       vor: „Wir wollen eine Bewegung aufbauen“, verkündet sie.
       
       Zwar sei die politische Kultur hier eine andere, doch das Grundprinzip
       müsse auch hier gelten: „Wenn Menschen mit Menschen reden, entsteht eine
       andere Ebene, als wenn du nur eine Wahlwerbung siehst oder einen
       Social-Media-Post bekommst.“ Alexandria Ocasio-Cortez schubste 2018 in
       ihrem Wahlbezirk Bronx in New York den seit Jahrzehnten etablierten Joe
       Crowley vom Thron.
       
       ## 50.000 Stimmen sind das Ziel
       
       Ob auch Roloff ein solcher Coup gelingt, ist ungewiss. Das Ziel ist es,
       50.000 Stimmen zu sammeln. Das könnte reichen, um das Direktmandat zu
       holen. Doch ein US-amerikanisches Wahlkampfkonzept auf Deutschland zu
       übertragen, kann schwierig werden. Ob das klappt, kann sie nur
       herausfinden, wenn sie es einfach macht.
       
       21 Oct 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jordi Ziour
       
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