# taz.de -- Urteil gegen PKK-Aktivistin: Eine politische Botschaft
       
       > Die Deutschkurdin Gönül Örs ist zu einer hohen Haftstrafe verurteilt
       > worden. Es ist ein Warnsignal an die PKK-Sympathisanten in Deutschland.
       
 (IMG) Bild: Gönül Örs im Juni 2020
       
       [1][Zehn Jahre Haft für eine Kundgebung zur Freilassung des früheren
       PKK-Chefs Abdullah Öcalan], noch dazu für eine Aktion in Deutschland, die
       von der deutschen Justiz bereits als vernachlässigbar eingestuft worden
       war. Das ist, wie die betroffene kurdischdeutsche Sozialarbeiterin Gönül
       Örs sagt, nach juristischen Maßstäben tatsächlich ein Skandalurteil,
       gleichzeitig aber ein durch und durch politisches Urteil, das mit
       juristischen Maßstäben wenig zu tun hat.
       
       Die Türkei sieht sich seit über 30 Jahren [2][im Krieg mit der bewaffneten
       kurdischen PKK]. Man kann das falsch finden und von einem legitimen
       Befreiungskampf sprechen, aber die ganz überwiegende Mehrheit der
       türkischen Bevölkerung sieht das so wie die Regierung. Entsprechend hart
       geht die türkische Justiz gegen tatsächliche oder vermeintliche
       PKK-Unterstützer vor, gerade auch die im europäischen Ausland, von denen
       angeblich das Geld für den PKK-Kampf kommt.
       
       Es ist sicher falsch, die kurdische Frage in der Türkei und der ganzen
       Region mit Gewalt lösen zu wollen. Das gilt für das türkische Militär, aber
       auch für die PKK. Die PKK ist keine Pfadfindertruppe, sondern eine harte
       stalinistische Kaderorganisation, die von der Führungsclique abweichende
       Meinungen als Verrat bestraft und auch in ihren gewaltsamen Aktionen wenige
       Skrupel kennt. Für sozialromantische Revolutionsmythen ist da kein Platz.
       
       Anders als Journalisten und Menschenrechtler hat sich Gönül Örs wohl
       ziemlich blauäugig in diesen Konflikt hineinbegeben. Nicht zuletzt die
       kurdische linke HDP, die angetreten ist, den Konflikt friedlich und
       politisch auf parlamentarischem Weg zu lösen, hat in den vergangenen Jahren
       immer wieder unter der PKK gelitten, auch wenn sie das nicht laut sagt.
       
       Dasselbe gilt für die irakischkurdische Autonomieregierung in Erbil, von
       dessen Territorium aus [3][die PKK Krieg gegen die Türkei führt]. Das
       Urteil ist deshalb vor allem eine politische Botschaft an Sympathisanten
       der PKK in Deutschland. Dazu passt, dass Gönül Örs nach mehr als zwei
       schwierigen Jahren in der Türkei nun dennoch ausreisen darf.
       
       25 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Urteil-gegen-Koelnerin-in-Istanbul/!5782864
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikt_zwischen_der_Republik_T%C3%BCrkei_und_der_PKK
 (DIR) [3] /Angriffe-der-Tuerkei-im-Nordirak/!5689637
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Gottschlich
       
       ## TAGS
       
 (DIR) PKK
 (DIR) Kurdistan
 (DIR) Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan 
 (DIR) Urteil
 (DIR) PKK
 (DIR) Türkei
 (DIR) Türkei
 (DIR) HDP
 (DIR) Die Linke Hamburg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Verbotene Kurdische Arbeiterpartei: Keine Gnade für die PKK
       
       Seit 1993 ist die Kurdische Arbeiterpartei verboten. Jetzt beantragt die
       Parteiführung ein Ende des Verbots. Doch SPD und Grüne winken ab.
       
 (DIR) Pizzabäcker Mahmut Güneş aus Bochum: In der Türkei verurteilt
       
       Der Deutsch-Kurde Mahmut Güneş soll Propaganda für die kurdische
       Arbeiterpartei PKK betrieben haben. Das Urteil: fast drei Jahre Haft.
       
 (DIR) Urteil gegen Kölnerin in Istanbul: Zehn Jahre Haft für Gönül Örs
       
       Ein türkisches Gericht hat die Kölnerin unter anderem wegen
       Terrorpropaganda verurteilt. Eine Ausreisesperre wurde allerdings
       aufgehoben.
       
 (DIR) Verbotsverfahren in Türkei: Der HDP geht es an den Kragen
       
       Das türkische Verfassungsgericht macht den Weg frei für ein Verbot der
       kurdisch-linken HDP. Die Partei ist für Präsident Erdoğan gefährlich
       geworden.
       
 (DIR) Linken-Abgeordnete über ihre Festsetzung: „Es gab eine politische Anordnung“
       
       Cansu Özdemir, Fraktionschefin der Linken in Hamburg, erhebt Vorwürfe gegen
       die Bundesregierung. Sie war am Düsseldorfer Flughafen festgesetzt worden.