# taz.de -- Die Wahrheit: Enkeltrick auf dem Campingplatz
       
       > Das pralle Sommerleben spielt zwischen Zelten und Wohnwagen – roh, nackt
       > und bloß wie die Familienjuwelen der Camper.
       
 (IMG) Bild: So sehen Sieger aus: Taco van der Hoorn mit relativ unsichtbarem Ei
       
       Man glaubt es nicht, aber Hofmanns aus dem Adria-Camper, also da, wo’s
       rechts zur Fäkalannahme geht, sind wieder auf den Enkeltrick reingefallen.
       Zum zweiten Mal schon. Und wie habe ich das angestellt? Na, genau wie
       letztes Jahr: Habe ihnen erzählt, dass unser Enkel zum Rasenmähen kommen
       wollte, aber wegen einer blöden Schulsache nun nicht kann. Ob sie mir
       deshalb noch mal ihren Enkel ausleihen könnten. Ich selbst kann ja
       schlecht. Die Hüfte. Und siehe da: Sie wollen mir ihren Sven gleich
       schicken.
       
       Die Gattin ist fast so begeistert, als ob ich wieder eine Kiste Bier unter
       der Supermarktkasse durchgeschoben hätte: „Du gibst dem Bengel aber was
       fürs Mähen, oder?“ – „I wo. Ich hab abgemacht, dass sie bei Bedarf auch
       unseren Enkel kriegen.“ – „Aber wir haben doch gar keinen Enkel; dass
       Hofmanns da nicht irgendwann hinterkommen.“ – „Tja. Hätten sie eigentlich
       längst müssen.“ – „Wieso?“ – „Weil sie neulich wissen wollte, ob unsere
       Töchter schon Kinder haben.“ – „Stimmt, da hätten sie’s schnallen müssen:
       Wenn die eigenen Kinder keine Kinder haben, hat man in der Regel auch keine
       Enkel. Schön blöd …“
       
       Sie macht plötzlich so Zeichen. „Ach hallo! Da bist du ja schon, Sven.
       Schön, dass du uns helfen willst. Nimmst dir am besten gleich mal den
       Rasenmäher, ja? Und dann aber bitte schön gründlich alles hier, auch die
       Ränder.“
       
       Ich lass mir derweil die Sonne auf die Plauze brennen. Aber die Frau gibt
       keine Ruhe, ruft mich dauernd. „Ich bin hier! Hinterm Womo in der Sonne!
       Was’n los?“ – „Ach, da bist du. Such dich schon die ganze … sach mal,
       geht’s noch? Musst du dich so ganz ohne was an hier so rumlümmeln? Zieh dir
       mal schleunigst was über, bitte!“ – „Wieso? Sieht doch niemand.“ – „Bin ich
       niemand?“ – „Natürlich nicht, aber als meine Frau …“ – „… kann mich nichts
       mehr schrecken, is klar. Und was ist mit den Lucke-Töchtern? Die kriegen
       doch den Schock ihres Lebens, wenn sie durch die Hecke linsen und du hier
       nicht nur die Seele baumeln lässt.“
       
       „Hallo? Die Hecke ist blickdicht. Hab sie extra nicht mehr geschnitten.“ –
       „Genau deshalb suche ich dich ja. Die Hecke müsste dringend mal wieder.
       Hier, hab die Schere gleich mitgebracht.“ – „Mensch, komm mir jetzt nicht
       zu nah damit, bitte. Macht mich voll nervös jetzt.“ – „Dann zieh dir
       endlich was über. Auch oben rum wär nicht schlecht.“ – „Oben rum? Seit wann
       so prüde?“ – „Mit prüde hat das überhaupt nichts zu tun. Eher was mit
       Körbchengröße B, die du eigentlich bräuchtest.“
       
       Sonst noch Fragen? Ja, und zwar: Wieso Dieter Mecklenburg aus der
       Thokie-Wohnkabine zwei Parzellen weiter nächste Woche heiratet, aber seine
       Braut keine geborene Vorpommern ist? „Häh?“ – „Na, weil sie dann als Paar
       den besten Doppelnamen ever haben könnten … wie bitte? Boomer-Humor? Und
       wenn er Nordrhein und sie Westfalen hieße? Ja, ja, schon gut. Doppelnamen
       sind eh schwer aus der Mode.“
       
       23 Jun 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fritz Tietz
       
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