# taz.de -- Neuer Landtag von Sachsen-Anhalt: Regeln der Platzhirsche
       
       > Der Frauenanteil ist nicht nur in Magdeburg niedrig. Das liegt an den
       > vielen CDU-Direktmandaten – bei der Bundestagswahl droht Ähnliches.
       
 (IMG) Bild: 72% männlich: Der Landtag von Sachsen-Anhalt im Plenarsaal in Magdeburg
       
       Rund die Hälfte der Menschheit ist weiblich, auch in Sachsen-Anhalt. Nur
       spiegelt sich das nicht im neu gewählten Landtag wieder: [1][Gerade mal 28
       Prozent der Abgeordneten sind Frauen]. Damit reiht sich Sachsen-Anhalt
       weiterhin [2][bei Schlusslichtern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen] ein.
       
       Beim Frauenanteil in den Parlamenten hat es zuletzt sogar Rückschritte
       gegeben, und das liegt nicht nur an der AfD. Auch die CDU sorgt dafür – bei
       ihr schlägt ein Phänomen durch, das bei der Bundestagswahl im Herbst noch
       sehr deutlich werden wird: Unions-Abgeordnete ziehen mit großer Mehrheit
       über die Direktmandate in die Parlamente ein, weil die SPD als ernsthafter
       Wahlkreiskonkurrent ausfällt und die Grünen es schwer haben werden,
       außerhalb ihrer Milieuinseln Prenzlauer Berg und Freiburg im Breisgau
       direkt in den Bundestag einzuziehen.
       
       Quoten oder eher unverbindliche Quoren wie bei der CDU – die sie selbst
       regelmäßig ignoriert – bei den Landeslisten bringen nichts, wenn das Gros
       ihrer Abgeordneten direkt über die Wahlkreise einzieht. Hier gelten andere
       Regeln als beim Gerangel um die Listenplätze, zum Beispiel das Prinzip
       Platzhirsch.
       
       Wer einem Mandatsinhaber in der eigenen Partei den Platz streitig machen
       will, muss entweder auf einen freiwilligen Verzicht (unwahrscheinlich) oder
       einen kleinen Skandal (auch unwahrscheinlich) hoffen. Oder er oder sie
       bringt die nötige Ruchlosigkeit und Netzwerke mit, um sich rechtzeitig
       hinter den Kulissen Mehrheiten zu organisieren – das sind bislang eher
       Männerdomänen.
       
       ## CDU sollte sich neu erfinden
       
       Auch im eigenen Interesse sollte gerade die CDU hinterfragen, ob es bei
       direkt Gewählten wirklich darauf ankommt, bei jeder Landstraßeneinweihung
       persönlich dabei zu sein und mit dem Feuerwehrchef Schnaps zu trinken. Auf
       die älteren konservativen Frauen, [3][die treu CDU wählen], kann die Partei
       nicht ewig bauen.
       
       Im Osten definierten sich selbstbewusste Frauen über ihre Leistung und
       nicht über das Binnen-I, sagte Reiner Haseloff. Das mag so sein, vermutlich
       sogar im Westen. Aber dann sollte seine Partei ihnen die Gelegenheit geben,
       leisten zu können.
       
       8 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bilder/Artikel_7._WP/LT_Wahl_2021/Wahlabend/210606_gew%C3%A4hlte_Abgeordnete.pdf
 (DIR) [2] https://www.lpb-bw.de/frauenanteil-laenderparlamenten
 (DIR) [3] https://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-sachsen-anhalt/wahl-in-sachsen-anhalt-haseloff-verdankt-sieg-rentnern-und-frauen-17376413.html
       
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