# taz.de -- Innere Sicherheit und Altersischerung: NSU 2.0, CDU 08/15 und Rente ab nie
       
       > Good News: bei Hessens Polizei lassen sich sensible Daten künftig nicht
       > mehr so leicht bestellen wie Pommes. Und die Jugend kann die Alten
       > verklagen.
       
 (IMG) Bild: Der hessische Innenminister Peter Beuth weiß, was gegen NSUs hilft
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: [1][„Grüne bieten tausendfach alles unter einem
       Dach.“]
       
       Und was wird besser in dieser? 
       
       Von da bis zur Pleite hatte Kaufhof noch gut 50 Jahre.
       
       Hans-Georg Maaßen kandidiert für die CDU für den Bundestag. Der Berliner
       Bundestagskandidat Mario Czaja kritisiert den „riskanten Rechtskurs in der
       Berliner CDU“. Ex-Landrat und CDU-„Urgestein“ im Kreis Saalfeld-Rudolstadt
       wechselt zur AfD – so weit die Nachrichten der letzten Tage. Ist die CDU
       derzeit die gefährlichste Organisation Deutschlands? Oder die gefährdetste? 
       
       Adenauer skrupelte herzlich wenig, wenn er verdiente Nationalsozialisten
       recycelte. Die FDP lief mit Fackeln hinter dem prahlerischen
       Ritterkreuzträger Mende her. Die Sturzverliebtheit vieler in die
       „Merkelunion“ erinnert an die heftige Romanze mit der vorübergehend
       „sozialliberalen“ FDP. Wenn es „rechts von uns nur noch die Wand“ geben
       soll – so domestizierte Franz Josef Strauß die NPD –, dann muss das so.
       Schön wird’s nicht.
       
       Im Fall der „NSU 2.0“-Drohbriefe ist ein Verdächtiger festgenommen worden.
       Laut dem hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) soll jedoch kein
       Polizist in die Drohserie verwickelt gewesen sein. Grund aufzuatmen? 
       
       Aktuell freuen wir uns, dass es nicht Boris Palmer war. – Nein, Minister
       Beuth tarnt die eigentliche Katastrophe in einem Nebensatz: Künftig wolle
       man mit Kennwort und „legitimiertem Rückruf“ Auskünfte absichern. Heißt:
       Bisher war das nicht so. Der Täter konnte demnach einfach mal auf der Wache
       durchklingeln, „Tach Kollege!“ rufen und bekam sensibelste Daten aus dem
       Polizeirechner vorgelesen. Jede Frittenorder bei Lieferando scheint
       komplizierter. Das BKA streut noch bisschen „Einwohnermeldeamt“ und
       „Darknet“ drumherum und bittet um Geduld. Bald verhungern unsere
       Rechtsterroristen schon in der Warteschleife. Servicewüste Deutschland.
       
       Im Internet kursiert ein Foto von AfD-„Urgestein“ Alexander Gauland mit dem
       neuen Buch von Sahra Wagenknecht vor sich. Kommt da zusammen, was
       zusammengehört? 
       
       Gauknecht und Wagenland spielten diesen Trick schon 2018. Sie stänkerte
       damals gegen die „Unteilbar“-Demo und er diagnostizierte ihr daraufhin eine
       „mutige Stimme der Vernunft“. Ich habe „Glotz & Geißler“ als Polittalk
       produziert, im Juni kommt wieder „Gysi & Schmidt“ – und, nein, „Mehr Gau
       wagen“ werden wir nicht herstellen.
       
       Die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre führt dazu, dass
       immer mehr Menschen das Renteneintrittsalter gar nicht erst erleben. Das
       ergab die Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der
       Linkspartei. Was läuft da schief? 
       
       Das Timing. Die Hälfte der WählerInnen ist 54 oder älter, und die werden
       sich über noch eine weitere Rentendebatte freuen. Bundesbank,
       Wirtschaftsinstitute und sozialpolitische Extremsportler wie Friedrich Merz
       fabulieren von Rente mit 69, 70 – oder gleich: Bevor wir aussterben, sollen
       wir halt noch länger ran. Tückisch dabei ist, dass wer die gesetzliche
       Rente retten will, das Gleiche mit entgegengesetzter Begründung fordert.
       Immer weniger Junge zahlen für immer mehr Alte. Folgt man der Logik des
       spektakulären [2][Klimaurteils des Verfassungsgerichts von neulich], dann
       könnten die Jungen die Alten verklagen, länger zu arbeiten – mit guter
       Aussicht auf Erfolg.
       
       Angela Merkel und Biontech-Chef Uğur Şahin haben am Donnerstag zur Frage
       einer möglichen Aussetzung der Patente für Corona-Impfstoffe telefoniert.
       Am Abend gab es dann ein Statement der Bundesregierung, das vor der
       Patentaussetzung warnt. War ein gutes Gespräch, oder? 
       
       Die Trump-Regierung hatte die komplette Fertigungskette – von Rohstoffen
       bis zur gefüllten Spritze – vertraglich „America first“ fixiert. Im
       Ergebnis: ein Exportverbot. Bidens generöse Geste ändert daran erst mal
       nichts. Nun wird beschworen, arme Schlucker könnten „anspruchsvolle
       Rezeptur mal Pfützenwasser geteilt durch keine Ahnung gleich
       Massenvergiftung“ produzieren, und in diese Richtung geht das Fazit der
       Bundesregierung. Plausibel scheint: Zum Patent sollte man viel Geld und
       Know-how legen, und das wäre dann eine kluge Gegenfrage an Biden.
       
       Gelbe Mehlwürmer gelten nach EU-Beschluss jetzt als Lebensmittel. Na,
       Appetit bekommen? 
       
       Ich könnte versuchen, mich von Erdnussflips menschheitsgeschichtlich
       rückwärts zu therapieren.
       
       Und was machen die Borussen? 
       
       Mich schizo. Es gibt kein Pokalfinale ohne Publikum. Außer sie gewinnen.
       
       Fragen: cas, waam
       
       9 May 2021
       
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