# taz.de -- Die Wahrheit: Trauer um Halbgott
       
       > Neues aus Neuseeland: Auf der kleinen Südsee-Insel Tanna wird der
       > kürzlich verstorbene Prinz Philip wie ein Heiliger verehrt.
       
       Vierzehn Mal war Prinz Philip zu Besuch in Aotearoa. Doch an zwei Orten in
       Ozeanien wird er schmerzlicher vermisst als im Rest des südlichen
       Commonwealth. In Timaru, einem Farmerstädtchen auf der Südinsel, lebt seine
       Patentochter. Elizabeth Watkin Grubb wurde geboren, als Elizabeth II. und
       Philip heirateten. Ihr Vater war ein enger Freund aus Philips Jahren bei
       der Marine.
       
       Jedes Jahr bekam sie von ihm eine Geburtstagskarte mit einer
       Fünf-Pfund-Note – „eine Menge Geld“, sagt sie. Zur Hochzeit schenkte er ihr
       eine silberne Kaffeekanne. Einmal wurde Watkin Grubb mit ihren Söhnen zum
       High Tea im Palast eingeladen, auch zum 80. und 90. Geburtstag flog sie
       ein. Zweimal besuchte Philip die Kleinstadt Timaru. 1970 war Klein-Charles
       dabei, der sich fürs Schafscheren begeisterte.
       
       Doch die Trauer in Timaru wird von der in Tanna weit in den Schatten
       gestellt. Tanna ist eine Vulkaninsel in Vanuatu, auf der Prinz Philip seit
       einem halben Jahrhundert Heiligenstatus besitzt. Das Dorf Yaohnanen ist
       Sitz der Prinz-Philip-Bewegung. Der Kult begann, als Queen Elizabeth 1974
       die Südsee bereiste. In der Hauptstadt von Vanuatu übergab ihr Mann in
       weißer Navy-Uniform symbolisch ein Schwein als Gastgeschenk an Abgesandte
       aus Tanna.
       
       Damit begann eine bizarre religiöse Verbindung zwischen dem britischen
       Königshaus und dem melanesischen Dorf, das jetzt um seinen Heiligen
       trauert. Die Menschen dort praktizieren eine Mischung aus Kastom- und
       Cargo-Cult-Religion. Dieser Aberglaube verbreitete sich nach dem Zweiten
       Weltkrieg, als alliierte Soldaten mit ihren Gütern abgezogen waren. Der
       Glaube, dass sie wiederkehren und Heil bringen, blieb.
       
       ## Audienz mit ihrer Gottheit
       
       Der Duke of Edinburgh passte perfekt in die uralte Legende, nach der der
       hellhäutige Sohn eines Berggeistes über die Meere in ein fernes Land
       entschwand, von dem er eines Tages mit einer mächtigen Frau wiederkehrt.
       Das Schwein-Geschenk besiegelte den Mythos. Seitdem wurde Philip auf Tanna
       als Halbgott verehrt. Die Einheimischen feierten seinen Geburtstag und
       beteten täglich um seinen Segen für die Bananen- und Yam-Ernte.
       
       Er erfuhr von diesen Riten erst Jahre später und schickte ein signiertes
       Porträt. Yaohnanen revanchierte sich mit einem Knüppel für die
       Schweinejagd, mit dem der Prinz auf einem Foto posierte. Das wird mit
       anderen Devotionalien vom Stamm als Schrein gehütet. Eine Delegation des
       Philip-Kults reiste gar von Tanna nach London und bekam eine Audienz mit
       ihrer Gottheit. Doch ein Gegenbesuch von Philip blieb aus.
       
       Als 2015 und 2017 Zyklone über die Insel fegten, sah man darin ein Zeichen
       des Heilsbringers. Nach seinem Tod postete der Stamm auf Facebook: „Sein
       Geist kehrt zurück.“ Am Montag trauerte Yaohnanen mit einer Kava-Zeremonie.
       Der Union Jack hing auf Halbmast. Nach der Bestattung wird der unsterbliche
       Philip endlich den Weg zu ihnen finden und in seinen geheimen Berg auf
       Tanna zurückkehren.
       
       15 Apr 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anke Richter
       
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