# taz.de -- Die Wahrheit: Hauptsache, Wind
       
       > Exakt ein Jahr nach Beginn des ersten Lockdowns bekommt eine Berliner
       > Schule Höllenmaschinen geliefert. Es soll sich um Luftfilteranlagen
       > handeln …
       
 (IMG) Bild: Christen im Widerstand: Kruzifix auf Coronademo in Berlin im November 2020
       
       Wenn man versuchte, ein Jahr Coronakrise in einem Bild zu verdichten, dann
       käme ein meterhohes, 85 Kilo schweres und mit 65 Dezibel vor sich hin
       dröhnendes Metalltrumm mit einer Art Schornstein dabei herum.
       
       Die Direktorin der Schule meiner Söhne versandte ein Foto, und wir fragten
       uns verblüfft, was um Himmels willen das sein sollte. Ein alter
       Braunkohle-Ofen? Eine Kunstinstallation des Brutalismus? Oder waren die
       lang versprochenen WLAN-Router eingetroffen?
       
       „Die Senatsverwaltung hat auf die Luftreinigungsproblematik reagiert und
       für die Berliner Schulen entsprechende Geräte beschafft“, schrieb sie.
       „Unserer Schule wurden am vergangenen Mittwoch überraschenderweise vier der
       abgebildeten Filteranlagen geliefert. Das Foto vermittelt Ihnen ungefähr,
       über welche stattliche Größe diese Geräte verfügen.“
       
       Exakt ein Jahr nach Beginn des ersten Lockdowns, zehn Monate, nachdem klar
       wurde, dass die Infektion über Aerosole in geschlossenen Räumen erfolgt,
       nach einem Herbst, in dem mit Schals und Decken vermummte Kinder bei
       geöffnetem Fenster unterrichtet wurden, nach einem Winter, an dessen Ende
       die Infektionszahlen wieder fröhlich in die Höhe schießen, weil die Kinder
       erneut zur Schule geschickt werden, obwohl es kein funktionierendes
       Testsystem gibt, genau da kommt Hilfe in Form von exakt vier
       Belüftungsanlagen für eine Schule mit fast 1.000 Kindern –
       „überraschenderweise geliefert“.
       
       Ich stelle mir vor, wie zwei Möbelpacker vorfahren, fragen: „Sagen Sie, ist
       das hier zufällig die Walter-Ulbricht-Schule?“, dann mit der Sackkarre die
       Geräte heranrollen und rufen: „Und? Wo sollen wir die Oschis hinstellen?“
       
       An einen Betrieb im Klassenzimmer ist nicht zu denken: „Die Geräte diesen
       Ausmaßes werden wir vermutlich nicht in Klassenräumen zum Einsatz bringen
       können“, schreibt die Direktorin. Wohl nicht zuletzt, weil 65 Dezibel nach
       den gängigen Geräuschtabellen Kantinenlärm, einer tackernden Nähmaschine
       oder einem laufenden Fernseher entsprechen.
       
       Zum Glück ist die Schule findig: „Wir testen nun, inwiefern sie in der Aula
       oder der Turnhalle oder der Mensa zum Einsatz kommen können, ohne eine
       Klausur, den Unterricht oder eine andere Veranstaltung akustisch zu
       beeinträchtigen.“ Mit anderen Worten: Es wird fieberhaft nach einem Ort
       gesucht, wo man sie hinstellen kann, ohne dass sie allzu viel Schaden
       anrichten.
       
       Denn das werden sie sowieso. Die Wartung kostet 3.000 Euro pro Jahr und
       muss aus dem normalen Schuletat beglichen werden. Gut, für 3.000 Euro hätte
       man auch sechs moderne, mucksmäuschen-stille Luftreiniger kaufen können,
       die gar keine Wartungskosten verursachen, aber die sähen natürlich nicht so
       eindrucksvoll aus.
       
       Ein Jahr Coronakrise. Wenn man versuchte, diese Zeit in einem Bild zu
       verdichten, dann kämen dabei wohl diese stattlichen Belüftungsanlagen für
       eine ganz normale Berliner Schule herum.
       
       9 Apr 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heiko Werning
       
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