# taz.de -- Aktuelle Nachrichten in der Coronakrise: Lockdown voraussichtlich bis 28. März
       
       > Der Entwurf des Bund-Länder-Gipfels am Mittwoch sieht einen Lockdown bis
       > Ende März vor. Frankreich ändert die Altersgrenze für das
       > Astrazeneca-Vakzin.
       
 (IMG) Bild: Die Möglichkeit zu privaten Zusammenkünften soll allerdings ab 8. März wieder erweitert werden
       
       ## Infektionsschutzgesetz soll ergänzt werden
       
       Bei der Verhängung oder Lockerung von Coronaschutzmaßnahmen sollen weitere
       Kriterien neben dem Inzidenzwert an Bedeutung gewinnen. Auf eine
       entsprechende Ergänzung des Infektionsschutzgesetzes haben sich die Rechts-
       und Gesundheitspolitiker der Fraktionen von CDU/CSU und SPD am Dienstag
       geeinigt, wie beide Seiten bestätigten. So sollen künftig insbesondere auch
       die Zahl der gegen Covid-19 geimpften Personen und der R-Wert
       berücksichtigt werden.
       
       „Ergänzend wird in der Gesetzesbegründung ausdrücklich darauf hingewiesen
       werden, dass die Nennung dieser beider Kriterien nicht abschließend ist und
       insbesondere auch die Auslastung des Gesundheitswesens berücksichtigt
       werden muss“, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion,
       Johannes Fechner, der Deutschen Presse-Agentur.
       
       Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Neuinfektionen pro 100 000
       Einwohner binnen sieben Tagen gemeldet werden. Laut Robert Koch-Institut
       (RKI) lag dieser Wert am Dienstag bundesweit bei 65,4. Der R-Wert bildet
       hingegen ab, wie viele andere ein Infizierter ansteckt. Der bundesweite
       Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montag bei 1,01 (Vortag
       1,08). 100 Infizierte stecken also rein rechnerisch 101 weitere Menschen
       an.
       
       „Wir können die zum Teil erheblichen Grundrechtseingriffe nicht allein an
       den Inzidenzwerten ausrichten“, sagte Fechner. „Wenn etwa ein Großteil der
       älteren Bevölkerung geimpft ist und hauptsächlich Jüngere infiziert sind,
       wenn der R-Wert niedrig ist oder wenn das Gesundheitssystem nicht
       überlastet ist, dann besteht für die Bevölkerung keine so große Gefahr, als
       dass erhebliche Grundrechtseingriffe wie Ausgangssperren oder
       Betriebsschließungen gerechtfertigt sind.“ (dpa)
       
       ## Frankreich: Astrazeneca auch für Ältere
       
       Frankreich hebt die Altergrenze für die Verwendung des Corona-Impfstoffs
       von Astrazeneca an. Künftig werde das Vakzin auch bei Menschen mit
       gesundheitlichen Beschwerden bis einschließlich 74 Jahren zugelassen und
       nicht mehr nur bei den Unter-65-Jährigen, sagt Gesundheitsminister Olivier
       Veran dem Fernsehsender France 2. Dadurch könnten in den kommenden Wochen
       2,5 Millionen Menschen mehr geimpft werden. Die französische
       Arzneimittelaufsicht HAS hatte am Dienstag für eine Anhebung der
       Altersgrenze plädiert unter Verweis auf eine schottische Studie, die einen
       großen Schutz durch den Impfstoff vor einem schweren Krankheitsverlauf auch
       bei Älteren bestätigt habe. (rtr)
       
       ## Bund und Länder planen Lockdown bis vorerst 28. März
       
       Bund und Länder steuern auf eine [1][teilweise Lockerung der
       Kontaktbeschränkungen] und eine schrittweise Öffnung verschiedener Bereiche
       wie Handel, Kultur und Sport zu. Wo es keine Ausnahmen gebe, sollten die
       Lockdown-Beschränkungen aber bis zum 28. März verlängert werden, heißt es
       in einem Reuters am Dienstag vorliegenden Entwurf für die Beratungen am
       Mittwoch, der einen möglichen Stufenplan beschreibt.
       
       „Die Möglichkeit zu privaten Zusammenkünften mit Freunden, Verwandten und
       Bekannten wird ab 8. März wieder erweitert: Es sind nunmehr private
       Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich,
       jedoch auf maximal fünf Personen beschränkt. Kinder bis 14 Jahre werden
       dabei nicht mitgezählt“, heißt es in dem Entwurf des Kanzleramts nach
       Absprachen mit Bayern und Berlin sowie Finanzminister Olaf Scholz. In
       Gebieten mit besonders niedrigen Zahlen sollen weitere Lockerungen möglich
       sein.
       
       Begleitet werden soll dies durch eine starke Ausweitung der Impfkampagne
       und der Testkapazitäten. Man wolle „erproben“, ob durch die deutliche
       Ausweitung von Tests in Verbindung mit einer besseren Nachvollziehbarkeit
       der Kontakte im Falle einer Infektion Öffnungsschritte auch bei höheren
       Sieben-Tage-Inzidenzen mit mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000
       Einwohnerinnen und Einwohner möglich würden, heißt es in dem Entwurf
       weiter. Allen würden ein oder zwei kostenlose Schnelltests pro Woche
       angeboten.
       
       Als weitere Öffnungsschritte werden zunächst Teile des Einzelhandels und
       Fahrschulen genannt. In dem Papier des Kanzleramtes wird dann die weitere
       Öffnung von Bereichen wieder an die Einhaltung einer Inzidenz von 35
       geknüpft. Dies betrifft etwa Bereiche wie Museen oder Individualsport. Erst
       als weiterer Öffnungsschritt wird dann die Öffnung der Außengastronomie
       genannt, wenn die Inzidenz von 35 weiter eingehalten wird. Dies gilt nach
       Angaben aus Verhandlungskreisen als umstritten. Die Kanzlerin und die
       Ministerpräsidenten sollten am 24. März erneut beraten, heißt es in dem
       Entwurf. Merkel und die 16 Ministerpräsidenten wollen am Mittwoch über den
       weiteren Coronakurs entscheiden. (rtr)
       
       ## Zwei kostenlose Schnelltests die Woche
       
       Das Gesundheitsministerium will allen Bürgern bis zunächst zum 30. Juni
       [2][zwei kostenlose Coronaschnelltests] pro Woche anbieten. Dafür sollen
       weitere Testzentren aufgebaut werden, geht aus einem Reuters vorliegenden
       Papier des Ministeriums für die Änderung der Teststrategie hervor. Wie
       zuvor berichtet, rechnet die Bundesregierung mit monatlichen Kosten von 540
       bis 810 Millionen Euro. Dies basiert laut Papier auf der Annahme, dass sich
       wie in anderen EU-Ländern mit kostenlosen Testangeboten rund zwei bis 2,5
       Prozent der Bevölkerung pro Tag testen lassen. Anfang Juni soll eine
       Überprüfung stattfinden. Bund und Länder wollen am Mittwoch entscheiden, ab
       wann genau die kostenlosen Tests angeboten werden sollen. (rtr)
       
       ## NoCovid-Gruppe will umfangreiche Tests
       
       Wissenschaftler der [3][NoCovid-Gruppe] plädieren für umfangreiche Tests,
       eine schnellere Kontaktverfolgung und zügiges Impfen. Nur dann seien
       Öffnungen möglich, erklärt das Münchner Ifo-Institut. Andernfalls drohten
       die mühsam erkämpften Erfolge der vergangenen Wochen durch Öffnungen
       innerhalb kürzester Zeit zunichtegemacht zu werden, schreibt die Gruppe in
       einem neuen Papier. Tests müssten zur Alltagsroutine werden. „Für die
       wirtschaftliche Erholung brauchen wir Öffnungen, die durch eine wirksame
       Teststrategie abgesichert sind und nicht zu einem Wiederanstieg der
       Infektionen führen“, sagt Clemens Fuest, Ifo-Präsident und Mitglied der
       Gruppe. Öffnungen etwa der Kultur- und Dienstleistungsbranchen sollten an
       Antigen-Schnelltestkonzepte, angepasste Hygienepläne und digitale
       Datenerfassung geknüpft werden. (rtr)
       
       ## Robert Habeck: „Stabile Situation nicht verspielen“
       
       Grünen-Chef Robert Habeck sieht nur Spielraum für weitere Öffnungen bei
       Schulen und Kitas. Er verstehe zwar den Druck, den viele Ladenbesitzer
       machten, sagt Habeck den Sendern RTL und ntv. „Aber wenn wir uns
       entscheiden, etwas zu lockern, dann würde ich mit den Kindern anfangen“,
       fügt er hinzu. Habeck warnte die 16 Ministerpräsidenten davor, bei den
       Öffnungen über das Ziel hinauszuschießen. Er stehe eher auf der Seite der
       Kanzlerin, die für einen vorsichtigen Kurs plädiert. „Wir sollten die
       einigermaßen stabile Situation, die wir haben, nicht verspielen, indem wir
       uns jetzt, weil wir zu ungeduldig werden, in diese dritte Welle
       reinkatapultieren“, sagt der Grünen-Chef. „Wenn sich die
       Ministerpräsidentenkonferenz ernst nimmt, dann muss sie zumindest gut
       begründen, warum das, was vor vier Wochen galt, mit einmal nicht mehr
       gelten soll.“ Bund und Länder hatten Lockerungen etwa für den Einzelhandel
       an eine Sieben-Tage-Inzidenz von 35 geknüpft. (rtr)
       
       ## China will bis Ende Juli 40 Prozent der Bevölkerung impfen
       
       China will nach Angaben eines Regierungsberaters bis Ende Juli 40 Prozent
       der Bevölkerung gegen Covid-19 impfen. Dabei gehe es um die Impfung mit
       zumindest einer Dosis, sagt Coronavirus-Experte Zhong Nanshan, der an der
       Behördenstrategie im Kampf gegen die Pandemie mitarbeitet, zu Reuters. Die
       Menschen, die eine Impfung ablehnen, seien bei dieser Berechnung
       berücksichtigt, die eine erhebliche Beschleunigung bei den Impfungen
       erfordert. (rtr)
       
       ## Ab Mai soll in Arztpraxen geimpft werden
       
       Spätenstens ab Mai soll auch in den Arztpraxen der Biontech-Impfstoff gegen
       das Coronavirus verimpft werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung
       (KBV) erwartet „einen Impfstart für die Praxen in den nächsten sechs bis
       acht Wochen“, wie ein KBV-Sprecher der Rheinischen Post vom Freitag sagte.
       Nach Angaben des Apothekerverbands Nordrhein stehen allein in
       Nordrhein-Westfalen 4.000 Apotheken bereit, die niedergelassenen Ärzte ab
       Mai mit Impfstoff zu versorgen.
       
       Der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet in zwei
       Monaten aufgrund der „Schwemme an Impfstoffen“ mit einer Überforderung der
       Impfzentren. „Wir werden in zwei Monaten sehr viel mehr Impfstoff in
       Deutschland haben, als die bisherigen Impfzentren verimpfen können“, sagte
       er am Freitag im Interview mit den Fernsehsendern RTL und ntv.
       
       Er dringt daher auf Konzepte, wie etwa der Impfstoff zu den Hausarztpraxen
       transportiert werden kann. „Das alles muss jetzt geplant werden und ich
       sehe schon jetzt mit Grausen, wie wir dann wieder von einer Ad-Hoc-Lösung
       in die nächste Ad-Hoc stolpern, weil es keinen präzisen Plan gibt“, sagte
       Montgomery. (afp)
       
       ## RKI meldet 3.943 Neuinfektionen
       
       Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet 3.943 neue Positiv-Tests. Das sind
       fast 60 Fälle mehr als am Dienstag vor einer Woche. 358 weitere Menschen
       starben, die zuvor positiv getestet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz fällt
       auf 65,4 von 65,8. In Deutschland haben sich seit Beginn der Pandemie über
       2,45 Millionen Menschen angesteckt. 70.463 Personen sind gestorben. (rtr)
       
       ## s.Oliver will gegen Lockdown-Verlängerung klagen
       
       Der deutsche Bekleidungskonzern s.Oliver will bei einer Verlängerung des
       Lockdowns vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. „Man kann uns Händler
       nicht nach Belieben an- und ausschalten! Das bringt uns in finanzielle
       Probleme“, sagt Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs der Zeitung Augsburger
       Allgemeinen laut einem Vorabbericht. Der Manager wirft Bund und Ländern
       eine Ungleichbehandlung im Handel vor. „Der Lebensmitteleinzelhandel und
       die Drogeriemärkte sind geöffnet und erfreuen sich bester
       Besucherfrequenzen.“ (rtr)
       
       ## Novavax soll im Mai in den USA zugelassen werden
       
       Der [4][Impfstoff des US-Pharmakonzerns Novavax] soll im Mai in den USA
       zugelassen werden, wenn die US-Arzneimittelbehörde FDA grünes Licht gibt.
       Grundlage für die Zulassung seien die Daten aus einer Studie, die das
       Unternehmen in Großbritannien gesammelt habe, teilt
       Novavax-Vorstandsvorsitzender Stanley Erck mit. In den kommenden Wochen
       soll dafür eine Auswertung vorliegen. Vorläufige Daten aus der britischen
       Studie zeigen, dass der Impfstoff zu etwa 96 Prozent gegen die
       ursprüngliche Version des Coronavirus und zu etwa 86 Prozent gegen die
       jetzt weit verbreitete britische Variante wirksam ist. (rtr)
       
       ## Walter-Borjans wirft Merkel Versagen vor
       
       SPD-Chef Norbert Walter-Borjans wirft CDU-Kanzlerin Angela Merkel und den
       Unionsministern im Bundeskabinett Versagen in der Coronakrise vor. „Wir
       haben eine Regierungschefin, die in der Koordinierung in dieser Krise
       einiges vermissen lässt“, kritisiert Walter-Borjans laut einem Vorabbericht
       der Augsburger Allgemeinen (Dienstagausgabe). Gerade jetzt würden besonders
       geforderte Verantwortungsträger auf der Seite des Koalitionspartners ihrer
       Aufgabe nicht gerecht. Walter-Borjans kündigte einen harten Wahlkampf an.
       (rtr)
       
       ## Haseloff wirbt für Lockerungen
       
       Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wirbt für
       Lockerungen. „Die Menschen sind nach dem Lockdown erschöpft“, sagt der
       amtierende Bundesratspräsident den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“
       (Dienstagausgaben) laut einem Vorabbericht. Es müsse verhindert werden,
       dass „vieles in den illegalen Bereich wandert“. Sonst breite sich das Virus
       noch stärker aus. Als Beispiel nannte Haseloff den Sport: „Statt
       unkontrollierter Sporttreffs von Gruppen können wir Sport bis zu fünf
       Personen wieder zulassen, wenn die Vereine darauf achten, dass die
       Hygieneregeln eingehalten werden. Was wir im Moment machen, kann nicht
       dauerhaft so bleiben.“ (rtr)
       
       ## Trump ließ sich noch vor Auszug gegen Corona impfen
       
       Der [5][frühere US-Präsident Donald Trump] und seine Ehefrau Melania sollen
       noch vor ihrem Auszug aus dem Weißen Haus gegen das Coronavirus geimpft
       worden sein. Das berichteten die New York Times und der Nachrichtensender
       CNN am Montag unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten
       Trump-Berater.
       
       Um Vertrauen in die Sicherheit der Impfstoffe zu stiften, hatten sich unter
       anderen der neue US-Präsident Joe Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und
       zuvor auch Ex-Vizepräsident Mike Pence öffentlich impfen lassen. Trump
       dagegen verknüpfte das Thema Impfen vor allem mit Eigenwerbung: Er sieht es
       auch als seinen Verdienst an, dass gegen das neuartige Virus so schnell
       Impfstoffe entwickelt wurden. (dpa)
       
       ## Laschet will kontrollierte Öffnung
       
       [6][Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet] spricht sich für
       kontrollierte Öffnungsschritte ohne Fokussierung auf Inzidenzwerte anstatt
       eines langen Coronalockdowns aus. „Jetzt gilt konzentrierte Sicherheit
       statt dauerhaftes Schließen“, sagt Laschet dem „Redaktionsnetzwerk
       Deutschland“ laut einem Vorab-Bericht. Die sozialen, wirtschaftlichen und
       psychischen Schäden der Pandemie müssten sorgfältig abgewogen werden. Er
       fordert eine vorsichtige Öffnung mit einer ganzen Breite von
       Schutzmaßnahmen und den besseren Einsatz digitaler Möglichkeiten. (rtr)
       
       2 Mar 2021
       
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