# taz.de -- Russlands Aktion gegen Twitter: Ungelenke Störversuche
       
       > Russland verlangsamt den Nachrichtendienst Twitter. Die Aktion zeigt,
       > dass dem Kreml der kritische Teil der Gesellschaft immer mehr abhanden
       > kommt.
       
 (IMG) Bild: Entschleunigung auf Twitter – russische Medienaufsichtsbehörde verlangsamt den Nachrichtendienst
       
       Wenn Wladimir Putin etwas Wichtiges zu verkünden hat, nutzt der Kreml auch
       soziale Netzwerke, natürlich. Nun aber ist Entschleunigung angesagt beim
       Präsidenten. Auf Twitter dürften sich seine kurzen Filmchen nur noch
       langsam hochladen. Der Kreml wünscht es so. Die russische
       Medienaufsichtsbehörde lässt sich da nicht lange bitten – [1][und hat den
       amerikanischen Mitteilungsdienst in Russland „verlangsamt“].
       
       Auch wenn sich der Staat damit selbst getroffen hat und zeitweise die Sites
       des Kreml, der Duma und anderer Behörden nicht mehr aufgingen: Diese
       Koinzidenz zieht das Bemühen der Behörden, Kontrolle über das Internet zu
       erlangen, ins Lächerliche. Wieder einmal.
       
       Die Aktion zeigt aber auch, dass dem Kreml ein Teil der Gesellschaft –
       ebenjener, der staatlich kontrollierten Medien nicht erlegen ist – immer
       mehr abhandenkommt. Dieser Teil ist meist auch bereit, für seine Rechte auf
       die Straße zu gehen und sich den Knüppeln der Polizei zu stellen. Deshalb
       greift Russland immer harscher zu Methoden der Internetregulierung, auch
       wenn er vom Vorbild China technisch weit entfernt ist.
       
       Putin sieht im Internet ein „Projekt“ der CIA. Doch ganz ohne Internet geht
       es auch nicht. Das weiß auch der Kreml und lässt einiges dafür tun, das
       sogenannte Runet von der übrigen Welt abzukoppeln. Mit mäßigem Erfolg.
       
       Wie mäßig der Kampf des Staates gegen die ungeliebten sozialen Netzwerke
       ist, zeigt der Fall von Telegram. Vor mehr als zwei Jahren hatte die
       Medienaufsicht versucht, die russische Chat-App zu blockieren – und gab
       schließlich auf. Die Schwerfälligkeit der Behörde kam nicht gegen die
       freche Kreativität des Dienstes an. Telegram ist in Russland längst zu
       einem Medium geworden, das die offizielle Darstellung, wie es um das Land
       steht, hinterfragt und nicht selten vorführt.
       
       Twitter ist da nur ein sehr kleiner Teil solcher Versuche, die Realität
       abzubilden. Die „Verlangsamung“ tut nicht weh, weil der Dienst in Russland
       nicht besonders stark verbreitet ist. Verlangsamt ist der Machtapparat
       selbst, weil er Transparenz fürchtet und lieber ungelenk die Deutungshoheit
       in der Hand zu behalten versucht.
       
       12 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/putins-ungeliebtes-internet-wie-russland-gegen-twitter-vorgeht-17237420.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Inna Hartwich
       
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