# taz.de -- AfDler relativiert den Holocaust: Impfstoff mit Zyklon B verglichen
       
       > Der AfD-Aktivist Stefan Bauer hat in einer KZ-Gedenkstätte die
       > Covid-Impfstoffe mit dem Giftgas Zyklon B verglichen. Jetzt will die AfD
       > ihn loswerden.
       
 (IMG) Bild: AfD-Aktivist Stefan Bauer vergleicht Giftgas Zyklon B mit Corona-Impfstoffen
       
       München taz | Es ist ein kurzes Video, nicht einmal eine Minute lang, man
       sieht – fast bildfüllend – das Gesicht des Rosenheimer AfD-Aktivisten
       Stefan Bauer. Er trägt eine Schiebermütze. Im Hintergrund ist außer dem
       strahlend blauen Himmel noch ein Stück des Zauns der KZ-Gedenkstätte
       Mauthausen zu sehen. Bauer, der in der Vergangenheit schon öfter als
       aggressiver Youtuber und „Coronarebell“ in der Gefolgschaft von Attila
       Hildmann aufgefallen war, zieht in diesem Clip besonders
       menschenverachtende und abstruse Vergleiche.
       
       „Wenn man momentan sieht, wie die Freiheiten von uns Bürgern eingeschränkt
       werden, dann kann einem schon ganz anders werden“, sagt er in die Kamera.
       Man hoffe nicht, dass jemand vorhabe, wieder Konzentrationslager
       einzurichten, „auch nicht für Leute, die die Impfung verweigern oder die
       sich nicht testen lassen wollen“.
       
       Und als ob das noch nicht genug wäre: „Wir brauchen kein neues Zyklon B,
       sei es als AstraZeneca oder als Biontech. Nein, das brauchen wir nicht.“
       Zyklon B war das Giftgas, das die Nationalsozialisten in den Gaskammern
       ihrer Konzentrationslager eingesetzt haben, um die Insassen zu ermorden.
       
       Das Video wurde offensichtlich am Wochenende im Außenbereich der
       Gedenkstätte in Oberösterreich aufgenommen, Bauer teilte es laut AfD-Watch
       Rosenheim auf seinem Telegram-Kanal.
       
       ## Was wollte der AfDler in Österreich?
       
       Die Gedenkstätte brachte den Vorfall daraufhin zur Anzeige. Der Autor des
       Videos ziehe verharmlosende Vergleiche zwischen der nationalsozialistischen
       Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und den Maßnahmen im Zusammenhang mit
       der Bekämpfung von Covid-19, heißt es [1][auf der Website der
       Gedenkstätte].
       
       Dort heißt es: „Meinungs- und Redefreiheit sind ein sehr hohes Gut und
       Eckpfeiler unserer täglichen Arbeit an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
       Meinungsfreiheit hört allerdings dort auf, wo die Verbrechen des
       Nationalsozialismus verharmlost und historisch unhaltbare Vergleiche zum
       NS-Terrorregime gezogen werden.“
       
       Der österreichischen Zeitung Kurier zufolge ermittelt nun das Landesamt
       Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Oberösterreich. Man gehe dabei
       auch der Frage nach, was Bauer in Österreich zu tun gehabt habe, zitiert
       die Zeitung einen Polizeisprecher, und ob er auch an einer Demonstration in
       Wien teilgenommen habe, wie Social-Media-Einträge nahelegten.
       
       In Wien waren am Samstag Tausende Demonstranten, zum Teil aus dem
       rechtsextremen Spektrum, auf die Straße gegangen. Nach einer Rede von
       FPÖ-Fraktionschef Herbert Kickl im Prater zogen Hunderte von ihnen durch
       die Innenstadt, missachteten dabei alle Coronaregeln und traten äußerst
       aggressiv auf.
       
       Sogar Österreichs Innenminister Karl Nehammer von der ÖVP meldete sich nach
       Bauers Video zu Wort und nannte den Vergleich von Impfstoff mit dem Gift
       Zyklon B „widerwärtig und kriminell“. Es sei eine Art von
       „Geschichtsrevisionismus, die dazu beiträgt, die Verbrechen des
       Nationalsozialismus zu relativieren und zu verharmlosen“.
       
       Bauer war noch vor einem Jahr bei den Stadtratswahlen in Rosenheim für die
       AfD angetreten. Der Vorfall vom Wochenende hat nun allerdings Konsequenzen.
       Wie der stellvertretende Landesvorsitzende Hansjörg Müller der taz
       bestätigte, wurde in der Nacht zum Dienstag der Beschluss gefasst, ein
       Parteiausschlussverfahren gegen Bauer einzuleiten.
       
       AfDler aus der Rosenheimer Gegend fallen immer wieder mit Vorfällen und
       Äußerungen auf, die über das Maß dessen hinausgehen, was man sonst von der
       rechtsradikalen Partei gewohnt ist: [2][So leugnete im vergangenen Herbst
       der Priener Gemeinderat und ehemalige Bürgermeisterkandidat Sepp Schuster
       historische Fakten zum Holocaust]. Auch ein Bundespolizist, [3][der wegen
       Zeigen des Hitlergrußes vor Gericht stand], soll AfD-Mitglied gewesen sein.
       Und der Rosenheimer AfD-Bürgermeisterkandidat hetzte in einem Video gegen
       Menschen mit Migrationshintergrund.
       
       9 Mar 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.mauthausen-memorial.org/de/Aktuell/Die-KZ-Gedenkstaette-Mauthausen-verwehrt-sich-gegen-NS-Vergleiche-im-Zusammenhang-mit-Covid-19
 (DIR) [2] /Skandal-um-AfD-Bayern/!5727872
 (DIR) [3] /Prozess-in-Rosenheim-am-Mittwoch/!5690529
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
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