# taz.de -- Fußball-Personalien: Die Hektikkicker
       
       > Die Wechsel von Marco Rose und Fredi Bobic zeigen: Das Setzen auf
       > schnellen Erfolg ist ein Fehler. Aber das System Profifußball verlangt
       > danach.
       
 (IMG) Bild: Unverdächtige Karriereanfänge: Marco Rose (FSV Mainz, li.) und Fredi Bobic (Hertha BSC) im Jahr 2004
       
       Hier geht es heute um Fredi Bobic und [1][Marco Rose], die Personalien der
       Woche. Der eine verlässt als Sportdirektor Eintracht Frankfurt, vermutlich
       zu Hertha BSC. Der andere verlässt als Cheftrainer Borussia
       Mönchengladbach, sicher zu Borussia Dortmund.
       
       Gemeinsam ist beiden, dass sie sich von etwas, das sie erfolgreich
       aufgebaut haben, verabschieden, um bei Klubs anzuheuern, die in dieser
       Saison kaum jemand als erfolgreich aufgebautes Projekt bezeichnen würden.
       Dortmund hat sich von dem langfristig arbeitenden Trainer Lucien Favre
       getrennt, um mit einer Trainer-Interims-Lösung irgendwie noch die
       finanziell scheinbar überlebenswichtige Champions League zu erreichen.
       Hertha hat nach peinlich lautem Getöse, man wolle ein [2][Big-City-Club]
       sein, mit Pal Dardai genau den Trainer zurückgeholt, den man einst
       weggeschickt hatte, weil man doch ach so große Pläne hatte.
       
       Dennoch sind weder Dortmund noch Hertha zurück auf Start. Keiner von beiden
       Klubs signalisiert dem neuen Cheftrainer oder neuen Sportdirektor, das
       diese nach den jüngsten Anläufen nun in Ruhe das tun könnten, was sie in
       den vergangenen Jahren bei ihren alten Klubs bewiesen haben: Dass sie, wenn
       man sie in Ruhe arbeiten lässt, ein gutes Aufbauwerk hinlegen können. Nein,
       die neuen Klubs von Rose und Bobic erwarten genau das von ihren neuen
       leitenden Angestellten, wofür diese nicht unbedingt stehen: den schnellen
       und den sicheren Erfolg.
       
       ## Bloß nicht den Ertrag der Arbeit ernten!
       
       Das irritiert auf Seiten der Klubführungen besonders deswegen, weil keiner
       in Zeitnot gehandelt hat: Sowohl BVB als auch Hertha hätten in aller Ruhe
       den Markt sondieren, mit potenziellen Bewerbern gründliche Gespräche führen
       können.
       
       Aber auch auf Seiten von Rose und Bobic irritiert das, denn auch die haben
       beide ohne Not gehandelt. Eigentlich noch schlimmer: Sie verlassen beide
       ihre Klubs in dem Moment, in dem der Lohn für die bisherige Arbeit
       eingefahren werden könnte. Mönchengladbach war (bis zu dem Moment, als Rose
       den Wechsel verkündete) dabei, eine sichere Größe unter den Topklubs der
       Bundesliga zu werden. Und Eintracht Frankfurt spielt noch eine sensationell
       gute Saison wie seit Stepanovic nicht mehr. Eigentlich sollte hier wie dort
       jeder Verantwortliche sich um das bemühen, was gemein Qualitätssicherung
       heißt.
       
       Tut aber niemand. Das Paradoxon heißt: Alle haben Zeit, also handeln alle
       überhastet.
       
       Der Ruhe, die Klubs, Trainer und Sportdirektor eigentlich haben sollten,
       steht der subjektiv wahrgenommene Zwang entgegen, jetzt, sofort und subito
       ganz viel einsacken zu wollen. Das ist gar kein individuelles Manko von
       Rose oder Bobic, kein Ausweis doofer Unternehmensführung bei Dortmund oder
       Hertha, sondern es verweist auf den Zustand des Berufsfußballs in
       Deutschland. Die langfristige Arbeit wird nur auf der Verlautbarungsebene
       geschätzt, werden mal ein paar Spiele in Folge verloren, geraten die meist
       viel zu ambitioniert formulierten Saisonziele in Gefahr, glaubt man handeln
       zu müssen.
       
       Dass solches Denken falsch ist, wissen eigentlich alle: Gerade die Arbeit
       von Rose und Sportdirektor Max Eberl bei Mönchengladbach und von Bobic und
       Cheftrainer Adi Hütter zeigt, wie viel Ertrag möglich ist, wenn man
       kompentente Leute erst einmal arbeiten lässt. Ähnliche Beweise können
       derzeit bei Union Berlin und schon recht lange beim SC Freiburg besichtigt
       werden.
       
       Aber nur, weil man weiß, dass es falsch ist, heißt im Profifußball ja
       nicht, dass man anders handelt. Der Druck, auf jeden Fall immer ganz, ganz
       oben dabei sein müssen, ist offensichtlich zu groß.
       
       5 Mar 2021
       
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