# taz.de -- Ästhetik des Fußballs: Das Spiel hat schön zu sein
       
       > Beim Spiel des SC Freiburg gegen Borussia Mönchengladbach war ein Fußball
       > zu bestaunen, der aus Kindern Fans macht.
       
 (IMG) Bild: Die Schönheit des Fußballs: Philipp Lienhart (SC Freiburg) trifft zum 1:1
       
       Der große Arsène Wenger sagte kürzlich in einem [1][Spiegel-Interview],
       schöner Fußball sei etwas, wonach jeder große Verein streben müsse. Die
       Topklubs tragen eine Verantwortung dafür, Sport wieder zur Kunst zu machen,
       so der langjährige Trainer von Arsenal FC.
       
       Nun liegt vermutlich niemand nach dem letzten Bundesligaspieltag mit
       pochendem Herzen wach, weil er die [2][Partie zwischen dem SC Freiburg und
       Borussia Mönchengladbach] wieder und wieder im Gedächtnis
       nachspielt.Niemand, außer Christian Streich.
       
       Und doch barg diese zunächst unspektakuläre Paarung dieses so an
       Unentschieden reichen 10. Spieltags einige Momente, die nach schönem Spiel
       aussahen.
       
       Am Ende trennten sich die Bundesligisten mit einem 2:2. Was allerdings
       auffiel, war die aufflammende Leichtigkeit beider Mannschaften mit dem
       Ball. Wer sich die einzelnen Torszenen noch einmal anschaut, empfindet fast
       so etwas wie kindliche Freude, mit der die Akteure dort agierten.
       
       ## Perfekte und malerische Tore
       
       Perfekt vorgearbeitet lenkt Mönchengladbachs Kapitän Lars Stindl
       beispielsweise den Ball zu Breel Embolo, der ihn sicher ins Eck schiebt.
       Die Führung für die Fohlen.
       
       Dann der Ausgleichstreffer der Freiburger. Nach einer Ecke zaubert Baptiste
       Santamaria mit einem Fallrückzieher auf Lienhart, das 1:1.
       
       Ein weiteres Tor, nahezu malerisch, dann zum endgültigen 2:2 für die
       Gladbacher: Alassane Pléa mit beeindruckendem Augenmaß, haut den Ball aus
       etwa 20 Metern oben in den langen Winkel, unhaltbar für Florian Müller.
       „Ein wunderschönes Tor“, fand nicht nur der Mönchengladbacher Trainer Marco
       Rose.
       
       Es sind diese Momente, ja manchmal Lichtblicke, die uns daran erinnern,
       warum wir einmal begannen, uns für diesen Sport zu begeistern.
       Selbstverständlich möchte man sein Team gewinnen sehen und im modernen
       Fußball kommt es ohne den Begriff „Effizienz“ nicht aus. Aber wer hat denn
       Spaß an Elfmetertoren, an glücklichen Standards oder zufällig
       reingezirkelten Sonntagsschüssen?
       
       Wenn Ergebnisfußball nicht mehr ansehnlich ist, dann lasst es bitte!
       
       ## Es gibt noch mehr als nur Effizienz
       
       Fußballfans sind auch Romantiker. Viele wissen das nicht mehr, aber wie in
       einer langen Ehe muss auch diese Leidenschaft vielleicht neu entfacht
       werden. Das bedarf mitunter eines gegenseitigen Respekts.
       
       Wenn wir an die großen Erfolge unseres Lieblingsklubs oder an Turniere
       zurückdenken, die sich tief in die Erinnerung gebrannt haben, sind es
       gewisse Spielszenen und geniale Pässe, Abschlüsse, Zusammenspiele,
       Vorbereitungen, irre kluges Vorausdenken und die überschwappende Freude
       eines Spielers nach einer geglückten Aktion, die wir noch mal erzählen, uns
       immer und immer wieder im Video anschauen. Früher selbst als Kind auf dem
       Platz gestanden, wollte man tricksen wie die Vorbilder, hat ganze
       Spielszenen auswendig gelernt und nachvollzogen.
       
       Klar sind Tore bares Geld, Tore sind die Währung im Fußball. Aber ist man
       dem zahlenden Zuschauer nicht auch schuldig, statt ausgefeilter Effizienz
       doch den ein oder anderen schönen Moment zu schaffen? Den Zuschauer wissen
       lassen, dass es noch Spaß macht?
       
       Und wer, wenn nicht der Trainer, muss seinen Spielern das Selbstbewusstsein
       geben, derartig schöne Szenen auch kreieren zu können? Wenn kein
       Verständnis, kein Gefühl für Klasse vom Vorgesetzten ausgeht, kann auch der
       Fußballspieler keinen Sinn dafür entwickeln.
       
       Ob Arsène Wenger mit seinem Appell an die europäischen Klubs nun Christian
       Streich oder Marco Rose anzusprechen versuchte, wird nicht nachvollziehbar
       sein. Aber mit Streich findet sich immerhin ein Vertreter der Zunft, der
       sich bereits lange und leidenschaftlich für das „Schönspielen“ ausspricht.
       Oder um es mit seinen Worten zu sagen: „die Leut’ sehen einen ästhetischen
       Fußball, wenn’s klappt.“
       
       6 Dec 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/sport/fussball/arsene-wenger-der-fc-bayern-ist-nicht-mehr-auf-dem-niveau-von-2013-a-3473eedb-f85b-4924-ad4a-4b22da49fd57
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=9vGF5laDM-s
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Wulfhekel
       
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