# taz.de -- Vorkaufsrecht in Neukölln: Selbstverwaltet statt Ausverkauf
       
       > Neukölln zieht für den Gebäudekomplex in der Hermannstraße 48 die
       > Vorkaufsrecht-Karte. 125 Mieter*innen sollen selbst zum Zuge kommen.
       
 (IMG) Bild: Gekämpft und – vermutlich – gewonnen. Die Mieter*innen der Hermannstraße 48
       
       Berlin taz | Der Bezirk Neukölln hat für den verkauften Gebäudekomplex in
       der [1][Hermannstraße 48], einem Ensemble aus Vorder-, Seiten-, Hinterhaus
       und Fabrikgebäude, das auch den linksalternativen Projektraum H48
       beheimatet, das Vorkaufsrecht ausgeübt. Zum Zuge kommen die 125
       Mieter*innen selbst, die den Kauf über das Mietshäusersyndikat stemmen
       und das Haus damit dauerhaft dem Immobilienmarkt entziehen wollen.
       
       „Wir haben das sorgfältig geprüft, ob die gesetzlichen Voraussetzungen
       gegeben sind und die Mieter*innen wirtschaftlich in der Lage und
       dauerhaft dafür geeignet sind, das Haus im Sinne des Milieuschutzes zu
       betreiben“, so Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) gegenüber der taz.
       Ganz in trockenen Tüchern sei der Kauf für die Hausgemeinschaft jedoch noch
       nicht. Denn am letzten Tag der Frist habe der private Käufer des Hauses
       noch eine einseitige Abwendungsvereinbarung vorgelegt, die aber nicht jenen
       durch den Bezirk gesetzten Bedingungen für den Erhalt des Milieuschutzes
       entspricht. Diese werde jetzt „sorgfältig geprüft“, so Biedermann.
       
       Sollte der Bezirk trotz dieses Versuches, das Vorkaufsrecht abzuwehren, an
       der Ausübung festhalten – wie in einem ähnlich gelagerten Fall in der
       Sanderstraße 11 vor drei Jahren –, stünden dem verhinderten Käufer aber
       auch noch ein Widerspruch und der Rechtsweg offen. Biedermann gibt sich
       aber optimistisch: „Ich bin froh, dass wir so weit gekommen sind.“ Den
       Verkauf des Hauses, das zuvor einer Privateigentümerin gehörte, und den
       drohenden Verlust des unkommerziellen Raumes H48 hatte Biedermann als
       „Drama“ bezeichnet.
       
       Hinter den Bewohner*innen liegen aufreibende Wochen, wie die
       Vorsitzende des bereits zuvor bestehenden Hausvereins Hermannshöfe e. V.,
       Anne-Kathrin Krug, berichtet. 15 bis 20 Personen hätten in verschiedenen
       AGs und „hochspezialisert nahezu rund um die Uhr gearbeitet“.
       
       ## „Sternstunde der Selbstbestimmung“
       
       Um den Kaufpreis in Höhe der 28-fachen Jahresnettokaltmiete zu stemmen,
       mussten Bankkredite besorgt und Eigenkapitalnachweise erbracht werden.
       Hilfe kam dabei vom Freiburger Mietshäusersyndikat, dem bereits 160
       Projekte in ganz Deutschland angehören. Die Hermannstraße 48 ist eines der
       teuersten Projekte des Vereins, der darüber wacht, dass ein späterer
       Weiterverkauf ausgeschlossen bleibt.
       
       Hätte all das nicht geklappt, wäre nach taz-Informationen auch eine
       städtische Wohnungsbaugesellschaft bereit gewesen, in den Kauf
       einzuspringen. Doch die Bewohner*innen haben sich auf einer
       Hausversammlung für die Selbstverwaltung entscheiden. „Wir fanden es total
       gut, selbst entscheiden zu können“, so Krug und sprach von einer
       „Sternstunde der Selbstbestimmung im Häuserkampf“. Ob sie auch gekrönt
       wird, liegt nun aber nicht mehr an ihnen.
       
       24 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neukoellner-Projekt-bangt-um-Existenz/!5742368
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erik Peter
       
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