# taz.de -- Listen für die Wahlen: Grüne Basis will mitabstimmen
       
       > Streit um Kandidatenaufstellung: Initiative fordert eine digitale
       > Versammlung für die 10.000 Mitglieder anstelle einer Konferenz mit 155
       > Delegierten.
       
 (IMG) Bild: Neue rechtliche Möglichkeiten lassen auch digitale Verfahren bei der Kandidatenwahl zu
       
       Bei den Grünen gibt es Druck, wie bei vergangenen Wahlen eine
       Mitgliederversammlung über die Kandidatenlisten für die Bundestags- und
       Abgeordnetenhauswahl abstimmen zu lassen – zwar coronakonform auf hybride
       Weise. Bislang sieht der Parteivorstand pandemiebedingt allerdings nur eine
       Landesdelegiertenkonferenz (LDK) mit 155 Stimmberechtigten vor.
       
       „Dann fehlt ein Stück Basisdemokratie“, sagte der frühere
       Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland, der zu den Erstunterzeichnern der
       Forderung gehört, zur taz. Bis Dienstagnachmittag unterstützten diese rund
       100 der knapp 10.000 Berliner Grünen, darunter weitere prominente
       Mitglieder. Der Vorstand will bislang an der [1][LDK am 21. März]
       festhalten.
       
       Initiator des Protests ist [2][Michael Blöcher,] ein 52-jähriges
       Parteimitglied aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Ihn habe es schon im August
       gestört, als er las, der Landesvorstand habe bereits eine Kandidatenliste
       für die Bundestagswahl vorbereitet. Was in anderen Parteien üblich ist,
       nämlich ein derartiger Listenvorschlag, gilt bei den Grünen als
       Bevormundung der Basis.
       
       ## Grüne in Hessen machten es vor
       
       Blöcher will aktiv geworden sein, als er im Januar im Spiegel erneut von
       einer solchen Liste las und nun digitale Abstimmungsvarianten auf dem Weg
       waren. Nach seinen Worten spielt es für seine Kritik keine Rolle, dass auf
       den aussichtsreichen Plätzen drei von sieben Vorstandsmitglieder vorgesehen
       sind.
       
       „Beteiligung der Mitglieder ist jahrzehntelange gelebte Tradition bei uns“,
       schrieben Initiator Blöcher und seine Mitstreiter am Freitag unter der
       Überschrift „Basis ist Boss“ nach eigenen Angaben an einen Kreis von 400
       bis 500 Mitgliedern. Sie verweisen dabei auf neue rechtliche Möglichkeiten:
       Erst Ende Januar habe der Landesverband Hessen online eine erfolgreiche
       hybride Listenaufstellung für den Bundestag durchgeführt.
       
       „Die Hessen haben das mit ihren 8.000 Mitgliedern hinbekommen“, sagte der
       Ex-Abgeordnete Wieland; er sehe keinen großen Unterschied zu 10.000 in
       Berlin. Neben ihm stehen die Namen der frühere Landesvorsitzenden Irma
       Franke-Dressler und von Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel unter der
       Forderung.
       
       Hybrid könnte bedeuten, dass nach einer digitalen Mitgliederversammlung
       eine real tagende Delegiertenkonferenz das Ergebnis formell bestätigt. Laut
       Blöcher hat die grüne Bundesgeschäftsstelle den Landesverbänden am 2.
       Februar „eine Handreichung zur Durchführung von hybriden
       Landesmitgliederversammlungen und Listenaufstellungen“ zur Verfügung
       gestellt.
       
       ## Vorstand sieht sich auf richtigem Weg
       
       Der Vorstand wiederum verschickte am Montag eine Mail an alle Mitglieder,
       die eine Listenaufstellung per LDK als unausweichlich darstellt, auch wenn
       man es gerne anders gehabt hätte. Man habe den Parteitag schon mehrfach
       verschoben und sich darum für die „am sichersten durchführbare
       Versammlungsform“ entschieden. „Sicher“ bezieht sich dabei auch auf den
       Schutz vor Hackern.
       
       Jeder der 155 Delegierten soll dabei einen [3][Coronaschnelltest] machen
       müssen, um an dem Parteitag in einem Hotel in Mitte teilnehmen zu können.
       Weder in der Abgeordnetenhausfraktion noch im Parteirat habe es Kritik
       gegeben, sagte Landeschef Werner Graf am Dienstag der taz, „ich sehe große
       Unterstützung in der Partei für unseren Weg.“
       
       24 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://gruene.berlin/ldk2https://gruene.berlin/ldk21212
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 (DIR) Stefan Alberti
       
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