# taz.de -- UN-Menschenrechtsrat: Nazhat Shameem Khan ist neue Chefin
       
       > Die Juristin leitet von nun an das UN-Gremium. Bisher setzte sie sich
       > besonders für Menschen mit Behinderungen und die Rechte kleiner
       > Inselstaaten ein.
       
 (IMG) Bild: Nazhat Shameem Khan, die neue Vorsitzende des UN-Menschenrechtsrats
       
       Berlin taz | Die Frühjahrstagung des UN-Menschenrechtsrates in Genf, die am
       Montag begonnen hat und pandemiebedingt nur online stattfindet, leitet
       erstmals dessen neue Vorsitzende Nazhat Shameem Khan aus Fidschi. Die 1960
       geborene Juristin war zuvor UN-Botschafterin des pazifischen Inselstaates
       und kam im Januar durch eine außergewöhnliche Kampfabstimmung auf ihren
       neuen Posten.
       
       Denn die aus 13 Staaten bestehende asiatisch-pazifische Ländergruppe, die
       turnusgemäß bei der alle drei Jahre anstehenden Besetzung des
       Leitungspostens an der Reihe war, konnte sich im Vorfeld nicht einigen.
       Weil China, Russland und [1][Saudi-Arabien] Vorbehalte gegen die in
       Großbritannien zur Juristin ausgebildete Khan hatten, motivierten sie die
       Regierungen von Bahrain und Usbekistan zur Aufstellung eigener Kandidaten.
       Mit Unterstützung westlicher und prowestlicher Länder setzte sich Khan
       schließlich in der ersten geheimen Kampfabstimmung des Rates in dessen
       15-jähriger Geschichte durch. Sie bekam 29 der 47 Stimmen.
       
       Khan, die einen aus Pakistan stammenden Vater und eine Mutter aus Fidschi
       hat und deren Schwester die Menschenrechtskommission ihres Landes leitet,
       räumte im Vorfeld ein, dass die unterschiedliche Gewichtung verschiedener
       Menschenrechte unter den 47 Ratsmitgliedern zutage treten würde. Manche
       Länder gewichteten etwa das [2][Recht auf Wasser] oder auf Bildung höher
       als das auf zivile oder politische Rechte wie freie Meinungsäußerung. Sie
       sei jedoch der Auffassung, dass alle Rechte Hand in Hand gehen müssten.
       
       Menschenrechte sind bekanntlich hochpolitisch und ein Feld ideologischer
       und hegemonialer Grabenkämpfe. So geht es im Menschenrechtsrat derzeit etwa
       um den Missbrauch der Coronapandemie zur Einschränkung der
       Meinungsfreiheit, die faire Verteilung von Impfstoffen, um den
       Militärputsch in Myanmar, die Verhaftung des russischen Oppositionsführers
       Alexei Nawalny und den Tigray-Konflikt in Äthiopien. Erstmals nehmen auch
       wieder die USA teil, nachdem Washington unter der Trump-Regierung 2018 dem
       Gremium den Rücken gekehrt hatte.
       
       ## Khan gilt als prowestlich
       
       Khan, die in der Justiz ihres zwischen melanesisch- und indischstämmigen
       Bewohnern gespaltenen Heimatlandes oft als erste Frau Top-Positionen wie
       Generalstaatsanwältin oder Richterin am Obersten Gerichthof erlangt hatte,
       gilt in der Tat als eher prowestlich.
       
       Doch sehen Kritiker sie auch als dem politischen Lager von Premierminister
       Frank Bainimarama nahestehend. Der hatte als Militärchef zweimal geputscht.
       Im Jahr 2000 zur „Abwehr“ des Putsches eines dubiosen Geschäftsmannes und
       das zweite Mal 2006 wegen Korruption der bisherigen Regierung. Khan machte
       dabei 2006 einen Karrieresprung, was ihr später auf die Füße fiel.
       Bainimarama ließ sich 2007 in Wahlen bestätigen.
       
       International setzte sich Khan bisher stark für die Rechte von Menschen mit
       Behinderungen ein sowie für die kleinen Inselstaaten.
       
       23 Feb 2021
       
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 (DIR) Sven Hansen
       
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