# taz.de -- Tobias Bergmann meldet sich zu Wort: OB-Kandidat rügt Provinz-Bashing
       
       > Rebellen-Ex-Präses der Handelskammer Hamburg und OB-Kandidat lädt die taz
       > nord-Glosse „südwester“ in seine neue Heimat Neumünster ein.
       
 (IMG) Bild: Ehemals Kammer-Rebell, jetzt SPD-Bürgermeisterkandidat für Neumünster: Tobias Bergmann
       
       Hamburg taz | Zu einer Profilierungsmöglichkeit hat der südwester dem
       ehemaligen Rebellen-Präses der Handelskammer Hamburg, Tobias Bergmann,
       verholfen. Die kleine Rubrik linksunten glossierte, es liege auf der Hand,
       dass Neumünster kein Hochschulstandort werden könne – schließlich gebe es
       dort keine Menschen, die intellektuell in der Lage seien, sich die Schuhe
       zu binden. Sonst hätten die sich doch längst auf den Weg gemacht, der Stadt
       den Rücken zu kehren.
       
       Ein solcher Text – der in der Tat hemmungslos polemisiert – sei Ausdruck
       „unerträglicher Arroganz einer Großstadt-Elite, die auf alle Menschen
       herabschaut, die nicht jeden Tag mit einem Latte macchiato mit Hafermilch
       beginnen“, sagte Bergmann dem südwester in einem [1][eigens gedrehten
       Video]. Er möge gefälligst nach Neumünster kommen. Von den dortigen
       Menschen könne er viel lernen, was er in seiner Hochschule nicht gelernt
       habe.
       
       Der südwester teilt gern aus. Da gehört es sich, auch hart im Nehmen zu
       sein, zumal Bergmann allen Grund hat, die Neumünsteranerinnen und
       Neumünsteraner in Schutz zu nehmen: Die SPD hat ihn mit 97 Prozent der
       Stimmen zu ihrem Kandidaten für die [2][Oberbürgermeisterwahl] am 9. Mai
       gekürt. Sein Slogan: „Neumünster kann mehr.“
       
       Dass der gebürtige Bayer, der Sozialdemokratie mit der Muttermilch
       aufgesogen hat, was kann, hat er in Hamburg bewiesen. Dort hat er die
       altehrwürdige [3][Handelskammer aufgemischt]. Er organisierte eine
       Basisbewegung für mehr Transparenz, weniger politische Einmischung, gegen
       Zwangsbeiträge und gegen die Closed-Shop-Mentalität der Kammer.
       
       ## Umsturz beim Plenum
       
       Wo sich bislang kaum einer für die Wahl zum Kammerplenum interessiert hatte
       und dieses stets im Konsens entschied, gab es – wie unfein – plötzlich
       zuerst eine kleine Opposition und dann sogar einen Wahlkampf. Bergmanns
       „Die Kammer sind wir“ holte 55 von 58 Sitzen. Statt wie üblich ein
       Konzernvorstand oder millionenschwerer Reeder wurde der Chef einer kleinen
       Unternehmensberatung Präses.
       
       Im Amt hat der Schnellsprecher allerdings glücklos agiert. Die [4][Reform]
       scheiterte am internen Zwist, die Abschaffung der Kammerbeiträge erwies
       sich als nicht machbar. Nach anderthalb Jahren trat Bergmann zurück.
       
       19 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.facebook.com/TobiasBergmannNMS/videos/356233205375314
 (DIR) [2] https://bergmann-neumuenster.de/
 (DIR) [3] /Handelskammer-Chef-tritt-zurueck/!5553959
 (DIR) [4] /Kommentar-Hamburger-Handelskammer/!5553957
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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