# taz.de -- Theatertipps der Woche: Ausbrüche Richtung Freiheit
       
       > Im Theaterdiscounter gibt es einen Nicht-Theaterabend, während Thermoboy
       > FK „Stolz und Vorurteil“ performen und das Grips Theater das Klima
       > rettet.
       
 (IMG) Bild: Visionär: Im Grips-Stück „Prima Klima“ (2007) wollen Kinder einen Parkplatz verhindern
       
       Da ist es nun, das neue Jahr. Corona ist immer noch da. Aber wir
       gottseidank auch. Und wahrscheinlich haben wir alle Vorsätze gefasst, was
       wir besser, toller und ganz anders machen möchten im Neuen Jahr. Und dabei
       gar nicht gemerkt, dass wir schon wieder fest drin stecken in den
       neoliberalen Selbstoptimierungszwangsjacken, die meist mehr Kraft kosten,
       als dass sie weiterbringen.
       
       Zur Prävention wird daher an dieser Stelle Malte Schlössers
       Nichttheaterabend „Es fällt mir immer so schwer, Orte zu verlassen, an
       denen ich noch nie war“ empfohlen, den der Theaterdiscounter streamt. Dort
       sollte eigentlich die analoge Premiere stattfinden, die umständehalber nun
       auf den Sommer verlegt wurde. Als vorläufiger Ersatz entstand dieser
       einstündige Film, in dem Malte Schlösser und sein Team das Nicht-Klarkommen
       in einer Gesellschaft zum Thema machen, in der immer alle klarkommen
       müssen.
       
       „Welche Strukturen, Worten, Gesten, Bilder müssen wir produzieren, um
       Verletzungen, Beschädigungen und Krisen systemisch zu erkennen“, wird also
       gefragt. Nicht das Schlechteste, um dieses Jahr zu beginnen!
       (Theaterdiscounter: „Es fällt mir immer so schwer, Orte zu verlassen, an
       denen ich noch nie war“, bis 10. 1. [1][On Demand] abrufbar, Ticket 5
       Euro).
       
       Im Theaterdiscounter waren zuletzt auch die Performer von Thermoboy FK zu
       Gast, mit ihrer Produktion „Age of Empathy“. Thermoboy FK arbeiten in ihren
       höchste eigenen, wie entschleunigten musikalischen Theaterarbeiten an
       Subversionen von Geschlechterbildern. Ihre Variation von Jane Austens
       „Stolz und Vorurteil“ wird nun aus dem leeren Saal des Hamburger
       Lichthoftheaters live gestreamt.
       
       Die britische Schriftstellerin verhandelte in ihren Büchern um 1800 den so
       dringend nötigen Ausbruch der Frauen aus dem Gefängnis der
       Geschlechterrollen. Thermoboy FK wollen nun den Ausbruch aus dem Gefängnis
       der Männerbilder voranbringen (Lichthof Theater, Hamburg: „Stolz und
       Vorurteil“, Ticket 5 Euro, [2][Stream] am 9. 1., 15. & 16. 1., jeweils 20.
       15, 10. 1., 18 Uhr, Uhr).
       
       Ausbrüche Richtung Freiheit stehen schon immer auf den Fahnen des Grips
       Theaters. Dort wird in dieser Woche Fabian Scheidlers Stück „Prima Klima“
       gestreamt, eine Produktion aus dem Jahr 2007, die aus heutiger Sicht
       durchaus als visionär gelten muss. Es geht um den Klimawandel, wir lernen
       den Klimaforscher Professor Abendroth und seinen verwunschenen Garten
       kennen, der einem Parkplatz weichen soll. Und eine Gruppe von Kindern, die
       das verhindern will (Grips Theater, [3][„Prima Klima“], bis 16. 1.).
       
       4 Jan 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://vimeo.com/ondemand/orteverlassen
 (DIR) [2] https://www.lichthof-theater.de/programm/stolz-und-vorurteil-2021-01-09-2021-01-17/
 (DIR) [3] https://grips.online/ab-2-1-2021-prima-klima-im-stream
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Slevogt
       
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